Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members aahke Meteor Blog M76/3b August 2008 Texte Meteor-Logbuch 23. Juli 2008: Komm', laß uns abtauchen!

Meteor-Logbuch 23. Juli 2008: Komm', laß uns abtauchen!

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 12:07 — abgelaufen

Es ist soweit: QUEST taucht ab! Florian Brinkmann moderiert den ersten Tauchgang des Bremer Unterwassserfahrzeugs.

Planeterde Blog

Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor  Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew.  In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de  führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog  zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!

Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI  und AWI  sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.

Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch und Expedition M76/3B

Logo planeterde Blog weißer Hintergund


23. Juli 2008 (Autor: Florian Brinkmann)


FS Meteor: Shadow
Aktuelle Position

Heute im Meteor-Blog:

Florian brinkmann„Moin moin! Mein Name ist Florian Brinkmann. Ich bin Doktorand an der Bremer Graduierten Schule GLOMAR und arbeite in der Geobiologie Gruppe am MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. Meine Forschung beschäftigt sich hauptsächlich mit der Untersuchung von Gesteinsproben, die an Gasaustrittsquellen am Meeresboden gebildet werden. 23. Juli: shiptrackGeochemische Analysen und mineralogische Untersuchungen helfen dabei, die ablaufenden Prozesse besser zu verstehen und geben Aufschluss über Wechselwirkungen zwischen dem austretenden Gas, den vorkommenden Ökosystemen und der unbelebten Umgebung. Auf dieser Expedition werde ich eine Reihe von Proben für meine Doktorarbeit sammeln und weiterhin bei der Kartierung des Meeresbodens sowie der wissenschaftlichen Betreuung von ROV-Tauchgängen helfend zur Seite stehen. Da ich heute die erfreuliche Position des verantwortlichen Wissenschaftlers für den ROV-Tauchgang innehaben darf, möchte ich an dieser Stelle kurz die Geschehnisse des heutigen Tages vermitteln und dabei ein besonderes Augenmerk auf den Einsatz des Tauchroboters legen. “

23. Juli: Bild 1













Bild1: Florian Brinkmann lässt vor der Videoleinwand das ROV zu Wasser.

Komm, lass uns abtauchen! 

Nach über einer Woche Transit, eifriger Vorbereitung und intensivster Planung, war es heute morgen endlich so weit: das ROV (Remotely Operated Vehicle) QUEST trat seinen ersten Tauchgang an. Punkt 8:30 Uhr setzte das operierende Team um Volker Ratmeyer den Tauchroboter (Bild 2) ins unendliche Blau. Mit größter Spannung erwarteten sowohl Besatzung als auch Wissenschaftler den Missionsbeginn. Leider wurde der Euphorie nach wenigen Minuten ein herber Dämpfer versetzt. Aufgrund eines elektronischen Problems musste der Tauchgang vorerst abgebrochen werden, und der rote Koloss wurde wieder an Bord gehievt. Ernüchterung machte sich jedoch keineswegs breit, denn nach einer knappen halben Stunde war das Problem behoben und eine Zahl an Schaulustigen durfte ein zweites Aussetzen bewundern, diesmal ohne Probleme. Nach zwei Stunden des Abtauchens auf über 2750 Meter Wassertiefe offenbarte sich endlich das worauf alle gewartet hatten: der Meeresboden (siehe Bild 3).

23. Juli: Bild 2
















Foto 2: Der Tauchroboters ROV QUEST wird ausgesetzt.


Die Erkundung konnte beginnen. Die vom ROV übertragenden Videos waren an mehreren Stellen auf dem Schiff zu verfolgen. Kaum einer ließ sich die spektakulären Bilder entgehen. Besonders die Übertragung der Aufnahmen in HD-Qualität sorgten für pure Begeisterung und vermittelten jedem das Gefühl, ganz dicht dabei zu sein. Bei den einzigartigen Bildern vom Meeresboden stellt man immer wieder fest, wie schön es ist, Teil einer solchen Expedition sein zu dürfen, und Gebiete zu erforschen, die so kaum ein Mensch erleben kann. Erstes Ziel war nun das Auffinden von Gasaustrittsquellen. Basierend auf den Gasfahnen, die in der Nacht zuvor mit Hilfe von akustischen geophysikalischen Messungen bestimmt worden waren, dauerte es keine halbe Stunde und die ersten Gasblasen waren gefunden. Trotz einiger technischer Probleme, die bei dem ersten Tauchgang einer Expedition oft auftreten können, konnte ein großer Teil des wissenschaftlichen Programms durchgeführt und Probenmaterial geborgen werden, bevor der Tauchgang wegen einer Ölleckage abgebrochen werden musste. So wurden Gasblasen in speziell angefertigten Druckbehältern (Bild 4), Sedimentproben in so genannten Push Cores (lBild 5) (kleinen Kuchenform ähnlichen Stechzylindern), Netze gefüllt mit Muscheln und Röhrenwürmern, und kleine Fläschchen mit Wasserproben gesammelt. Ein ordentliches Ergebnis für den ersten Tauchtag.


23. Juli: Bild3


Foto 3: QUEST 4000 hat seinen ersten Sichtkontakt zum Meeresboden : ein dicht besiedeltes Ökosystem über einer Gasquelle

Nachdem das ROV in diesem Moment das zweistündige Auftauchen sicher abgeschlossen hat, wurde leider ein größerer Fehler im Windenkabel erkannt der erstmal repariert werden muss. Für viele von uns beginnt nun die langerwartete Arbeit: Die ersten Proben können untersucht, quantifiziert, aufbereitet oder gar schon analysiert werden. Trotz der Tatsache, dass eine Anzahl weiterer Probennahme-Geräte bis in die tiefe Nacht hinein eingesetzt werden wird, werde auch ich mich hier und jetzt verabschieden, um mich den ersten Gasproben widmen zu können. Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick in den immer wieder aufs Neue spannenden Alltag an Bord eines Forschungsschiffes vermitteln konnte.

Beste Grüsse und Glückauf,

Florian Brinkmann

23. Juli: Bild 4


Foto 4: Druckbehälter für das Einsammeln von Gasblasen

23. Juli: Bild 5















Foto 5: Push Cores für die Probennahme von möglichst ungestörten Sedimenten