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Meteor Logbuch 28. Juli:Megafauna aus der Tiefe!

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 12:07 — abgelaufen

Der letzte Tauchgang von QUEST war erfolgreich: Im Mittelpunkt des Meteor-Blogs steht heute die Meeresfauna an der REGAB-Station. Carole Decker, Doktorandin am franzöischen Forschungsinstitut IFREMER, berichtet anhand faszinierender Bilder der Tiefsee von ihrer Leidenschaft, der Muschel Calyptogena und der Lebensweise benthischer Organismen.

Planeterde Blog

Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor  Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew.  In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de  führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog  zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!

Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI  und AWI  sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.

Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:

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28. Juli 2008 (Autorin: Carole Decker)


FS Meteor: Shadow
Aktuelle Position


Heute im Meteor-Blog:

carole decker“Hallo, mein Name ist Carole Decker. Ich habe gerade meine Masterarbeit in Meeresbiologie am Institut “Universitaire Européen de la Mer” in Brest, in der Bretagne (Frankreich) beendet. Im November fange ich mit meiner Doktorarbeit im Tiefseelabor von IFREMER an. Thema meiner Forschung wird die Diversität, Ökologie, und Anpassung vesicomyider Muscheln, die in reduzierten Tiefsee-Lebensräumen vorkommen, besonders an Methanquellen in der Tiefsee. Während der Ausfahrt werde ich Organismen verschiedener Arten sammeln und untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen der chemischen Umwelt (z. B. Sauerstoff, Schwefelwasserstoff, Methan) und der Verteilung der Arten gibt.”

28. Juli 2008: Bild 1












Bild 1: Eine Art des Genus Calyptogena, die sehr häufig an REGAB vorkommt

Megafauna aus der Tiefe!

28. Juli 2008: shiptrackWährend der letzten beiden Tauchgänge haben wir Proben von einem der verschiedenen Muschelhabitate von REGAB genommen. Mit einem Netz konnten wir eine neue Muschelart (Genus Calyptogena) beproben (Bild 1). Weiterhin konnten wir zwei verschiedene benthische Kammern zur Messung des Methanaustrittes sowie der Sauerstoffzehrung von Lebewesen am Meeresboden einsetzen (Bild 2). Die Muscheln unter der Kammer können wir anschließend mit einer Art Kastengreifer quantitativ beproben (Bild 3). An Deck werden die Muscheln dann gezählt, gewogen und ihre Größe vermessen. Die Calyptogena Muscheln sind auf besondere Weise an die extremen Bedingungen an den Methanquellen angepasst: sie haben spezielle Blutpigmente, die wir untersuchen wollen. Einige Arten haben ein Hämoglobin, das die toxische Substanz Sulfid binden kann. Was für die Muschel selber Gift ist, ist Energie für ihre Symbionten, die in der Muschelkieme leben: Bakterien, die von der Veratmung von Sulfid leben. Die Muschel transportiert das Sulfid zu den Bakterien, die dafür den Wirt füttern. Die verschiedenen Blutpigmente der Muscheln sind auch an verschiedene Sauerstoffkonzentrationen angepasst, da Sauerstoff an Methanquellen Mangelware sein kann.

 28. Juli: Bild 2












Bild 2: Die benthische Kammer CALMAR steht auf einem Fleck lebender Muscheln

28. Juli: Bild 3











Bild 3: Beprobung von Muscheln mit dem Kastengreifer


Für unsere Untersuchungen der Wirt- und Symbionten-Physiologie und der Reproduktionsstrategie der Muscheln, müssen wir einige Individuen sezieren und sowohl das Blut als auch die Kiemen, den Mantel, Muskel und Fuß der Muschel beproben. Außerdem interessieren wir uns für die vielen anderen Tierarten, die zusammen mit der Muschel leben (Bild 4): Viele von ihnen sind übrigens winzig klein (weniger als einen Millimeter groß). Um sie aus dem Sediment herauszusortieren, müssen wir den Schlamm durch Siebe mit einer Maschenweite von bis zu einem Viertel Millimeter waschen (Bild 5). Nach Rückkehr von See werden die Tiere dann sortiert und zu verschiedenen taxonomischen Experten weltweit versand. Denn die meisten der Tiefseearten sind noch unbekannt.

 28. Juli 2008: Bild 4














Bild 4: Ansammlungen von Calyptogena Muscheln und ihrer Mitbewohner nördlich des aktiven Zentrums des REGAB Pockmarks


28. Juli 2008: Bild 5












Bild 5: Carole Decker siebt Schlamm um auch die kleinsten Lebewesen zu beproben


Verweise
Bild(er)