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Meteor-Logbuch 5. August: Tanz auf dem Schlammvulkan

erstellt von aahke zuletzt verändert: 08.08.2008 12:12

Nachdem die Schlammvulkane geortet waren, stellte sich deren Beprobung als recht abenteuerlich heraus. Jörn Tonnius berichtet über den Einsatz mit dem TV-Multicorer, der es den Forschern möglich macht, vor der Beprobung einen Blick auf den Meeresboden zu werfen und so gezielte Sedimentproben zu entnehmen.


Planeterde Blog

Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor  Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew.  In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de  führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog  zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!

Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI  und AWI  sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.

Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:

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5. August 2008 (Autor: Jörn Tonnius)


FS Meteor: Shadow
Aktuelle Position

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Heute im Meteor-Blog:


Jörn TonniusHeute kommt der Blog wieder von Jörn Tonnius, Doktorand in der Arbeitsgruppe Geochemie am MARUM Bremen. (Siehe Beitrag vom 19.07.08)

Tanz auf dem Schlammvulkan

Heute Vormittag nahm die Meteor Fahrt auf in ein neues Untersuchungsgebiet. Die von Cesar während seiner langen Nachtschichten im Sonarraum entdeckten Schlammvulkane (Link zu Blog vom 2.8.08) 5. August:shiptrackliegen nur ca. vier Stunden Fahrt (41 nautische Meilen) von unserem Hauptuntersuchungsgebiet REGAB entfernt. Diese Entfernung war optimal für einen Tagesausflug zur genaueren Erkundung mittels Multibeam und Multicorer.  Außerdem bekam so die ROV-Crew etwas Zeit für Wartungsarbeiten und die am Meeresgrund des REGAB Pockmarks ausgesetzten Instrumente Zeit für ihre in situ Messungen.

5. August: Bild 1










Bild 1: Zielgebiet Schlammvulkane des Kongo-Canyons (Karte von Cesar Caparachin)


Nachdem wir uns also für ein paar Stunden den Fahrtwind um die Ohren hatten blasen lassen, erreichten wir das Gebiet der Schlammvulkane (Bild 1). Das Meer ist hier nur ca. 2000 m tief, der Einfluss der nahen Kongomündung färbt es aber weiterhin dunkelblau bis schwarz. Zur genaueren Erkundung per Multibeam fuhren wir zuerst ein Schleifenmuster über das Gebiet und entwarfen mögliche Profile für die Untersuchung mit dem TV-Multicorer (Bild 2).

5. August: Bild 2Bild 2: TV-Multicorer beim Einsetzen ins Wasser

Nachmittags wurde dann das einer großen Spinne ähnelnde Gerät in die Tiefe gelassen, verbunden mit dem Schiff durch ein Telemetrie-Datenübertragungskabel, und bereit für einen Überflug des Meeresbodens in ca. drei Meter Höhe. Nach und nach drängten sich immer mehr Leute im engen, nur durch das Flimmern der Monitore erhellten Kontrollraum. Unter dem MUC zogen weite völlig ebene Schlamm/Sedimentflächen dahin, unterbrochen zuerst nur von gelegentlichen Karbonatbrocken. Völlig überraschend tauchte aus dem Dunkel plötzlich ein mehrere Meter hoher alter Karbonatschlot auf. Ohne die schnelle Reaktion des Windenführers wäre das Gerät wohl direkt mit dem korallenverkrusteten Felsen kollidiert. Trotz dieser Zeichen früherer Aktivität scheint der Schlammvulkan schon länger nicht ausgebrochen zu sein. Deutliche Zeichen dafür sind die sekundäre Korallen- und Stachelhäuter-Fauna auf den Karbonaten, das Fehlen jeglicher Muschelbette oder Bakterienmatten und die sehr gleichförmigen Sedimentkerne ohne jeglichen Methangehalt. Schlammvulkan Nummer zwei präsentierte sich später abends leider ebenfalls als relativ eintönig. 5. August: Bild 3Einige Proben wurden genommen und bearbeitet (Bild 3), für eine genauere Untersuchung dieses Gebiets bleibt durch das dichte Expeditionsprogramm wahrscheinlich keine Zeit. Trotzdem ist schon die Entdeckung dieser für dieses Gebiet bisher völlig unbekannten Strukturen schon eine kleine Sensation und wird in Zukunft bestimmt weiter bearbeitet werden.

 Bild 3 (r. oben): Reste von Schlammvulkanproben an eifrigen Mitarbeitern

5. August: Bild 4Beim Warten auf die letzten Sedimentproben konnte das wissenschaftliche Team noch in den Geburtstag eines Besatzungsmitgliedes hinein feiern und an einem angemessenen Geschenk basteln (Bild 4).

Ganz viele Grüße an alle zuhause und im Rest der Welt,

Jörn


Bild 4: Unser Steward Jan aus Muscheln und Röhrenwürmern

Verweise
Bild(er)