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Meteor-Logbuch 9.-10. August: Bergfest Party!

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 12:08 — abgelaufen

Bestandsaufnahme der Ereignisse an Bord und Grund zum Feiern. Jörn Tonnius beschreibt seine Eindrücke und berichtet vom Bergfest auf der Meteor.


Planeterde Blog

Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor  Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew.  In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de  führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog  zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!

Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI  und AWI  sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.

Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:

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9.-10. August 2008 (Autor: Jörn Tonnius)


FS Meteor: Shadow
Aktuelle Position



Bergfest Party!

Jörn TonniusDer Autor des heutigen Blogs, Jörn Tonnius, hat sich bereits am 18.07. vorgestellt.





9.-10. August: Bild 1











Bild 1: Ein geschäftiger Moment im ROV Kontrollcontainer. Am Steuerpult sitzen die zwei Piloten, dahinter die zwei Wissenschaftler

Bergfest der Reise M76/3b

9.-10. August. shiptrackNach einem gelungenen 223. Tauchgang von QUEST (Bild 1) war die Freude nur getrübt von der Erkenntnis, dass wieder eine längere Reparaturphase notwendig wird, da das Kabel des Roboters wieder mit vielen Knicken verknäuelt an Deck kam. Dennoch nutzen wir heute eine achtzehnstündige Vermessungsstrecke mit Parasound und Multibeam, um das so genannte „Bergfest“ mit wissenschaftlicher Crew und Schiffsbesatzung auf dem Arbeitsdeck zu feiern (Bilder 2-5). Das Bergfest dient dazu, die Halbzeit einer Ausfahrt zu feiern, für das was schon geschafft ist, und für das was noch vor einem liegt. Die genaue Halbzeit unserer Forschungsfahrt war zwar schon am Dienstag den 5. August, aber mit dieser Grillfeier am Samstagnachmittag  ist es sozusagen offiziell. 9.-10. August: Bild 2Es liegen zwar hoffentlich noch einige Tauchgänge, Probenahmen und lange Nächte in Labors und Kühlräumen  vor uns, aber spätestens in 10 Tagen wird sich die Meteor auf die Rückfahrt nach Walvis Bay machen.

Bild 2: Unsere Köche Franz und Willy bereiten den Grill vor, wir haben Steak, Tuna, Lamm und Schwein, was für ein Fest.


9.-10. August: Bild 3Bild 3: Steward Jan sticht das erste Bierfass an, die Party ist eröffnet

Hier nun eine kleine Bestandsaufnahme zur Halbzeit: Die wissenschaftliche Arbeitsgruppe, die auf dem Forschungsschiff METEOR am 17. Juli aus Walvisbay auslief, konnte kaum unterschiedlicher sein. 30 Studenten, Techniker, Doktoranden, Postdocs und Wissenschaftler aus über 6 verschiedenen Instituten und Ländern. Alte Hasen mit mehr als 30 Forschungsfahrten und völlige Neulinge, die noch nicht mal einen Tag auf See verbracht hatten. Und dazu eine Crew von 32 Mann Besatzung, ohne die nichts von all dem hier möglich wäre.

9.-10. August: Bild 4Bild 4: Alle versammeln sich an Deck zum Grillen und Feiern

Die ersten Tage Anfahrt  gaben Zeit, sich tagsüber beim Einräumen der Labors und an den Abenden auf Deck langsam kennen zu lernen. Und kaum hatten sich die letzten Opfer der Seekrankheit an Neptuns Reich gewöhnt, wurden wir alle zusammen in das kalte Wasser der ersten Probennahme geworfen. Einiges lief schief, vieles musste sich nach und nach erst einspielen. Inzwischen könnte man wahrscheinlich jedes Teammitglied um 3 Uhr morgens mit dem Ruf „Proben sind in 15 Minuten an Deck“ aus dem Schlaf reißen, und er oder sie wüsste sofort, was zu tun ist. Und da sich die Dauer der Tauchzeiten oft überraschend verschiebt, ist genau das auch schon mehrmals passiert. Inzwischen sind ganze Bergen  von Schlamm, Muscheln und Röhrenwürmern durch die Meteor gewandert und wir sind noch lange nicht fertig.  Und bei all dem Stress, dem Schlafentzug und auch ab und zu mal Frust über diverse technische Fehler und Ausfälle könnte ich mir keine besseren Kollegen an meiner Seite wünschen, um meine erste Ausfahrt zu bewältigen.

Ab dem 24. August werden wir uns wieder in alle sieben Winde verstreuen, aber der Kontakt wird allein schon wegen der gemeinsamen Auswertung bestehen bleiben. Aber außer dem Berg an Proben und Daten wird diese Fahrt noch viel mehr mit sich bringen: neue Freunde, viele geteilte einmalige Erinnerungen und Erfahrungen und einiges an Erkenntnissen über sich selbst und die eigenen Ziele.

9.-10. August: Bild 6Bild 5: Die Fahrtleiterin Antje im Gespräch mit dem Matrosen Jenny über die guten alten Zeiten an Bord.

Auch wenn die Arbeit hier spannend und sehr wichtig ist, für jeden von uns gibt es viele Freunde und Angehörige, die wir vermissen und viele Anlässe, die wir für diese Fahrt aufgegeben haben. Ein paar Beispiele: vor 4 Tagen hatte Rafaels Schwester Geburtstag, heute ist meine 10jährige Abifeier, André verbringt seine Flitterwochen ohne die Braut auf See, Karine’s Kinder sehen sie nur eine Woche von den gesamten Schulferien… Daher gehen die heutigen Grüße besonders an all jene, die auf uns warten und zu denen wir bald zurückkehren werden. Wir werden die Zeit hier sicher nicht vergessen, aber wir freuen uns auch sehr darauf, bald wieder bei euch zu sein.

Jörn

Verweise
Bild(er)