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Wichtige Rinne

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:21

Der Arktische Ozean ist nur durch wenige Meerengen mit dem Rest der Weltmeere verbunden. Die wichtigste Öffnung ist die Framstraße, die so tief ist, dass hier das Tiefenwasser aus dem Polarmeer in den Nordatlantik gelangen kann und so den Ozean am Pol mit der weltumspannenden Meereszirkulation verbindet. Dank der ACEX-Expedition weiß man jetzt, dass diese Verbindung fast doppelt so alt ist, wie bislang vermutet. In der jüngsten Ausgabe von "Nature" berichtet das ACEX-Team, dass die Öffnung der Straße rund 17,5 Millionen Jahre alt ist.

"Man könnte sagen, der arktische Ozean war wie ein größeres Schwarzes Meer, beziehungsweise wie eine Ostsee", erklärt der Oldenburger Biogeochemiker Hans Brumsack. Das Schwarze Meer steht heutzutage nur über die Meerenge des Bosporus mit dem Rest der Weltmeere in Verbindung, es ist praktisch ein in sich abgeschlossener Salzwassersee. Auch die Ostsee hat nur ein schmales Verbindungsstück über Skagerrak und Kattegat zum Rest der Meere. Beide Gewässer zeigen drastisch was bei so geringer Anbindung an die Meereszirkulation passiert: Die tiefen Zonen des Schwarzen Meeres sind praktisch sauerstofffrei, und auch in den tiefen Becken der Ostsee kommt es immer wieder zu sauerstoffarmen Ereignissen. In der Fachwelt heißt ein solcher Zustand charakteristischerweise euxinisch von der griechischen Bezeichnung für das Schwarze Meer.

"Erst mit dem Öffnen der Framstraße konnte sozusagen Sauerstoff reiches Wasser in das Nordpolarmeer eindringen", so Brumsack. Die Framstraße ist eine tiefe Rinne zwischen Grönland und Spitzbergen. Durch sie läuft heute der Austausch von Tiefenwasser zwischen dem Arktischen Ozean und dem Rest der Weltmeere. Das konnte erst geschehen, nachdem an dieser Stelle der Ozeanboden stark absank. Diese Öffnung der Framstraße war Teil eines größeren tektonischen Prozesses, der auch den Lomonossow-Rücken drastisch absinken ließ. "Der Rücken war lange Zeit nur knapp unter der Meeresoberfläche und ist dann plötzlich, erst in den vergangenen 15 Millionen Jahren abgesackt bis in 1400 Meter Tiefe, wo er jetzt ist", erklärt Henk Brinkhuis, Geobiologe an der Universität Utrecht.

Dieses Absinken scheint gleichzeitig mit der Öffnung der Framstraße passiert zu sein, als sich die Hydrologie des Arktischen Ozeans vollkommen veränderte. "Wir konnten das jetzt zum ersten Mal tatsächlich datieren", so Brinkhuis weiter, "und bekamen ein komplett anderes Ergebnis als gedacht." Diese Öffnung hat sich offenbar schon vor 17,5 Millionen Jahren abgespielt - und ist damit fast doppelt so lange her, wie man bisher glaubte. "Durch diesen Korridor konnte erstmals sauerstoffreiches Wasser in das vormals abgekoppelte arktische Becken fließen", erzählt Professor. Martin Frank, Paläo-Ozeanograph am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften und Co-Autor der Studie, "mit anderen Worten - die tiefe Arktis begann zu atmen." Damit war der letzte Schritt zum heutigen System der Meereszirkulation getan, ein wichtiges Element des derzeitigen Klimasystems war vollendet.