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Ein Forum für die Geophysik

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:24

Vom 26. bis 29. März versammeln sich Geoforscher aus aller Welt zur 67. Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft (DGG) in Aachen. Zu den rund 350 Beiträgen gehören auch Forschungsvorhaben des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN - tiefe Einblicke in den Erdmantel, Hamburger Unterwelten und die Trickkiste moderner Tunnelbauer inklusive.

Weit über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden an der RWTH Aachen erwartet. Ein topaktueller Abriss geowissenschaftlicher Forschung füllt das Tagungsprogramm, darunter Themen wie Geothermie, Tiefbohrungen, Archäogeophysik und Vulkanologie. Auch das GEOTECHNOLOGIEN-Programm ist wieder mit verschiedensten Forschungsschwerpunkten vertreten, darunter die Kartierung von Salzdiapiren unter der Hansestadt Hamburg, modernste Vorerkundungsmethoden im Tunnelbau sowie die Untersuchung der Plattentektonik von Zentral-Java.


Hansestadt Hamburg: Während überirdisch Touristen die Metropole erkunden, kartieren Geoforscher die Salzstöcke unter der Stadt. Einblicke in ihre Arbeit geben die Experten auf der DGG-Jahrestagung in Aachen.
(c) LuxTonnerre, Flickr.com

So präsentiert innerhalb der Session "Seismologie" das Projekt HADU eine ganz neue Seite von Hamburgs Unterwelt. Dabei geht es nicht etwa um die Rotlichtviertel der Stadt, sondern vielmehr um die Regionen weit unterhalb von Reeperbahn und Elbtunnel - und um jede Menge Salz. Mithilfe spezieller geophysikalischen Explorationsmethoden haben Wissenschaftler den größten von insgesamt fünf Salzstöcken vermessen, die allesamt unter dem Stadtgebiet ruhen. Mehr als 60 Quadratkilometer umfasst der Othmarschen-Langenfelde-Diapir, dem man mit kabellosen Netzwerken aus seismischen Stationen und passiven seismischen Verfahren zu Leibe rückte. Dabei liegt die Betonung auf "passiv". Denn statt auf eine für Anwohner und Bebauung schädliche Sprengseismik setzten die Geoforscher auf die Aufzeichnung der natürlichen Bodenunruhe, um die Form des Salzdiapirs zu bestimmen und so mehr über die unterirdischen Prozesse zu erfahren, die überirdisch im letzten Jahrhundert zu insgesamt 20 Einsturzbeben führten.

Ein anderes Projekt aus den GEOTECHNOLOGIEN, das in Aachen an den Start geht, heißt "OnSITE" und blickt in die Zukunft des Tunnelbaus. Zwei Forscherteams aus Freiberg zeigen, wie man dank so genannter Vorerkundung den Schneidrädern moderner Tunnelbohrmaschinen immer einen Schritt voraus ist - ohne ihnen dabei im Weg zu stehen. Nicht an vorderster Front, sondern einige Meter von der Tunnelbrust und den arbeitenden Rollenmeißeln entfernt werden dazu so genannte "Tunnel surface waves" an den Tunnelwänden angeregt. Diese wandern in Bohrrichtung und erzeugen ihrerseits am Übergang zum noch unberührten Bergfels S-Wellen, wie sie auch bei Erdbeben auftreten. Treffen diese Raumwellen auf Störzonen wie Lockergestein oder Wassereinschlüsse, werden sie reflektiert und an der Tunnelbrust wieder in Oberflächenwellen zurückverwandelt, die von den Messapparaturen registriert werden. Eben jener Prozess der Umwandlung von einer Wellenart in die andere sowie das Ausbreitungsverhalten der "Tunnel surface waves" haben die Forscher im Rahmen des Projekts OnSITE genauer untersucht. Auf was sie dabei gestoßen sind, wird auf der Aachener Tagung zu sehen sein.

Ebenso wie Forschungsergebnisse aus Bereichen rund um die Plattentektonik der Erde. So testeten Barbara Hoffmann und ihr Team ein neues Verfahren zur Auswertung von Erdbebendaten anhand von mehr als 500 Beben, die im Rahmen des Verbundvorhabens TIPTEQ im Jahre 2005 im Bereich des Kontinentrandes vor Südchile registriert wurden. Eine Kieler Forschungsgruppe hingegen hat den Zusammenhang zwischen abtauchenden Erdplatten und darüber liegenden Vulkanen in Indonesien näher untersucht. Das SUNDAARC-Teilprojekt MERAMEX nahm den Vulkan Merapi und seiner feurigen Nachbarn am Sundabogen unter die Lupe, um mehr über die Wege zu erfahren, die glühend heiße Fluide und Schmelze aus den Tiefen der abtauchenden indisch-australischen Platte bis hinauf in die Vulkankegel nehmen. Auf der Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft zeigen die Experten, dass sich nördlich der Vulkane Sumbing, Merapi und Lawu vermutlich eine ganze Ansammlung von Magmakammern und -kanälen befindet und wie sich dies aus den bereits im Jahre 2004 gesammelten Daten herauslesen lässt.

TM, iserundschmidt 03/2007


Mehr zur 67. Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft finden Sie hier.

Mehr Infos zu den im Artikel genannten Projekten finden Sie hier: HADU, OnSITE, TIPTEQ und MERAMEX.

Verweise
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