Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members Holger Kroker Belohnung für Kärrnerarbeit

Belohnung für Kärrnerarbeit

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:24

Daten sind die Grundlage vieler Naturwissenschaften. Ohne Messungen und Beobachtungen der Umwelt können Modelle nicht funktionieren, die diese Umwelt erklären sollen oder vorhersagen, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Doch so entscheidend die Datengrundlage ist, so undankbar ist es im Grunde, sie zusammenzustellen. Denn mit Daten allein kann ein Wissenschaftler nichts gewinnen. Das Renommee eines Forschers misst sich nach der Zahl seiner Veröffentlichungen in möglichst einflussreichen Zeitschriften. Doch reine Datensammlungen erhalten diese Ehre nicht, nur die Schlüsse, die daraus gezogen werden, und die Theorien, die darauf aufbauen. Die deutschen Weltdatenzentren wollen das jetzt ändern und eine Publikationsmöglichkeit für reine Datensammlungen schaffen.

"Ein normaler Wissenschaftler hat eigentlich für seine Vita nichts davon, wenn er seine Daten weggibt", weiß Dr. Michael Diepenbroek, Chef des Weltdatenzentrums für marine Umweltdaten in Bremen, "es ist eher im Gegenteil so, dass es überhaupt nicht honoriert wird." Dabei bedeutet es einen außerordentlichen Aufwand, die Daten zu sammeln, sie zu überprüfen und schließlich zusammenzustellen. Zum Beispiel ist es ungeheuer mühselig, sich mit dem Plankton zu beschäftigen, den winzig kleinen Lebewesen, die überall im Wasser vorkommen und aufgrund ihrer schieren Menge ein beherrschendes Element im Ökosystem Ozean sind, aber auch ein einflussreicher Faktor etwa für das Klimasystem der Erde. "Das sind für Modelle unglaublich wertvolle Daten", so Diepenbroek, "aber in diesen Modellen werden die Daten von ganz vielen Forschern zusammengeführt, und wenn die in dieser anonymen Masse untergehen und keinen Kredit krieg, dann sind sie auch nicht gewillt, die Daten abzugeben." Und so passiert es oft, dass Daten unter Verschluss bleiben und nie einer breiteren Fachwelt bekannt werden.

Dem wollen die deutschen WDC abhelfen. Zusammen mit der Technischen Informationsbibliothek Hannover, der weltweit größten Sammelstelle für technische Informationen, bauen sie eine eigene Publikationsform für Datensammlungen auf. Diese sollen wie Veröffentlichungen eine DOI erhalten, eine permanente digitale Bezeichnung, mit der sie internetweit gesucht werden können. Ohne Qualitätskontrolle gibt es diese Bezeichnung natürlich nicht, genauso wenig, wie ein renommiertes Fachblatt einen Aufsatz ohne vorherige Kontrolle veröffentlicht. "Wir streben dabei ein Verfahren wie bei den wissenschaftlichen Zeitschriften an", erklärt Lautenschlager. Die Daten würden also erst nach einer Prüfung durch Fachkollegen in den Katalog aufgenommen. Mit der Aufnahme in den Katalog und der digitalen Bezeichnung könnte die Datensammlung dann zum Renommee des Forschers beitragen. Dann nämlich, wenn der Katalog, in den sie aufgenommen wurde ein vergleichbares Ansehen genießt, wie eine Fachzeitschrift. Für die anderen Nutzer böte die Aufnahme im Gegenzug so etwas wie eine Qualitätskontrolle der Daten.

Anlässlich des Internationalen Polarjahres, das gerade läuft, wird es auch schon zwei Pilotvorhaben geben. "Es sind zwei verschiedene Zeitschriften, die dann ausschließlich als Datenpublikation im Rahmen des Polarjahres zur Verfügung stehen", so Diepenbroek. Ein Gremium von anerkannten Experten prüft die eingereichten Datensammlungen analog zum bekannten peer-review-Verfahren der wissenschaftlichen Zeitschriften und die Weltdatenzentren speichern die zugelassenen Sammlungen und stellen sie der Fachwelt zur Verfügung. "Der betreffende Wissenschaftler hat dann eine reguläre Zeitschrift, die er für seine Vita benutzen kann", so Diepenbroek. Allerdings gibt er damit auch die Daten zur uneingeschränkten Verwendung durch alle Kollegen frei. Die Idee scheint anzukommen, denn schon melden Wissenschaftler aus den Lebenswissenschaften - zum Beispiel die Radiologen - Interesse an, obwohl das Projekt zurzeit nur auf Geowissenschaften beschränkt ist.