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Gut gewählter Standort

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Die deutsche Neumayer Station ist nicht auf festem Grund, sondern auf einem Schelfeis gebaut. Schelfeis sind Abflüsse der großen Gletscher in der Antarktis und schwimmen auf dem umgebenden Wasser auf. Sie sind mehrere 100 Meter dick.

Das Ekström-Schelfeis, auf dem sich die Neumayer-Station befindet, liegt an der atlantischen Küste der Antarktis, schräg gegenüber von Südafrika. Es gehört zu den Eisflächen, die sich ringsum die Antarktis vom Kontinent herunter auf das Meer schieben. Die Eiskappe über dem Südpol fließt ähnlich wie ein gestürzter Pudding ganz langsam immer weiter auseinander. Und weil die Eiskappe im Zentrum fast vier Kilometer dick ist, hat sie an den Rändern immer noch Stärken von 800 bis 1500 Metern. Diese Ränder schieben sich über die Küsten des Kontinents hinaus auf das Meer und schwimmen an der Oberfläche, weil Eis leichter als Wasser knapp über dem Gefrierpunkt ist. Mit rund 5000 Quadratkilometern ist das Ekström-Schelf etwa doppelt so groß wie das Saarland, aber unter den Schelfeisgebieten der Antarktis ist es ein Zwerg. Das größte, das Ross-Schelf, ist 525.000 Quadratkilometer groß, etwa vergleichbar mit Frankreich. Die deutschen Stationen Neumayer I, II und III liegen am Rand des Eisfeldes, dort wo es nur noch 100 Meter dick ist.

Der Standort ist hervorragend gewählt, denn er hat eine der besten Anlegestellen in Dronning-Maud-Land. In der nur ein paar Kilometer entfernten Atka-Bucht können die Schiffe direkt an der Eiskante festmachen. Von hier aus kommt man relativ einfach ins Innere des eisigen Kontinents. Eigentlich ist die Atka-Bucht nur eine relativ windgeschützte Einbuchtung im Schelfeis, doch die Eiskante ist hier nur zehn bis zwölf Meter hoch. Das ist zum Entladen von Schiffen wie dem deutschen Forschungseisbrecher "Polarstern" ideal, weil man so wie an einem Hafenkai arbeiten und die Ladung mit dem schiffseigenen Lastkran von Bord hieven kann. Anderswo ragt das Eis wesentlich höher über die Wasseroberfläche hinaus, beispielweise an der benachbarten südafrikanischen Sanae-Station. Dort ist die Schelfeiskante 30 Meter hoch, vergleichbar mit einem zehnstöckigen Haus.