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Expedition ins Unbekannte

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Rund drei Viertel der Erdoberfläche sind von Meeren bedeckt, doch über den Lebensraum Ozean wissen wir kaum mehr als das, was uns die Fangflotten frisch auf den Tisch liefern. Ein auf zehn Jahre angelegtes Forschungsprojekt sorgt seit Beginn des Jahrzehnts für etwas mehr Einblick.

Wie an Land, ist auch das Leben im Meer nicht gleichmäßig verteilt. Vielmehr konzentriert es sich an Stellen wie den ozeanischen Rücken. Sie bilden vielgestaltige Lebensräume für Boden bewohnende Meerestiere, Sammelpunkte für Fischschwärme und nicht zuletzt schützende Aufzuchtgebiete für den Nachwuchs. Kein Wunder also, dass das auf zehn Jahre angelegte internationale Mammutprojekt Census of Marine Life auch die untermeerische Bergwelt zu seinen Schwerpunkten gemacht hat.

Das Teilprojekt MarEco will den nördlichen Teil des mittelatlantischen Rückens zwischen Island und den Azoren genauer untersuchen. 2004 ist eine internationale Wissenschaftlergemeinschaft an Bord des hoch modernen norwegischen Forschungsschiffes "G.O. Sars" das 11.000 Kilometer lange Stück des Rückens abgefahren. "Die Vielfalt der Tiere, die dort leben ist viel größer, als wir vorher gedacht haben", berichtete Dr. Uwe Piatkowski, Meeresbiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. Dabei sind die oberen Stockwerke des Ozeans über gewaltige geographische Entfernungen hinweg erstaunlich gleichförmig, wenn man sie mit den Verhältnissen am Meeresboden oder sogar an Land vergleicht. Nur die Wassertemperatur ändert sich und bestimmt so die Zusammensetzung der Ökosysteme.

Mit Echolotstationen, die für mehrere Wochen am Meeresboden platziert und auf der Rückfahrt wieder eingesammelt wurden sollten Beobachtungen über einen längeren Zeitraum gemacht werden. Eine der Stationen hat sogar ein ganzes Jahr Daten gesammelt. Dabei zeigte sich, dass das Leben unter Wasser einem ausgeprägten Tagesrhythmus folgt. "Nachts kommen alle Tiere an die Wasseroberfläche, um dort ungestört von Räubern, die auf Sicht jagen, fressen zu können", berichtet Dr. Olaf Rune Godö vom norwegischen Meeresforschungsinstitut IMR. Angefangen beim Zooplankton zieht sich dieser Treck nach oben bis zu den Fleischfressern durch, die zum Jagen nicht auf Tageslicht angewiesen sind. Sobald es wieder hell wird, ziehen sich die Bewohner der Tiefsee wieder in die unteren Stockwerke zurück, angeführt auch hier wieder vom Zooplankton.

Derartige Langzeituntersuchungen hat es bisher nur selten in der Meeresforschung gegeben, da die Expeditionen immer nur kurze Zeit an ihren Zielorten bleiben konnten. Mit ihren Echoloten können die "MarEco"-Forscher jetzt den Rhythmus des Lebens im Verlauf eines Tages oder sogar eines Jahres protokollieren, denn die Instrumente sind inzwischen so ausgereift, dass man anhand des Echos verschiedenartige Tiere voneinander unterscheiden kann. Kommen, wie im Fall der "MarEco"-Expedition noch andere Instrumente wie Kameras und Probennehmer hinzu, gewinnt man ein außerordentlich detailliertes Bild vom Leben in ausgewählten Zonen des Meeres.