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Getrübter Blick zurück zu den Anfängen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:40

Die Debatte um die früheste Phase der Erde ist verwirrend. Während der früheste Zeitpunkt, an dem "lebensfreundliche" Bedingungen auf unserem Planeten geherrscht haben können, immer weiter nach vorne verlegt wird, geraten die Lebensspuren aus der Jugendzeit der Erde unter Beschuss.

Die Strukturen, die der amerikanische Geologe Bill Schopf von der Universität von Kalifornien in Los Angeles vor 20 Jahren in Westaustralien entdeckt hat, werden inzwischen nur noch von wenigen Wissenschaftlern als Fossilien anerkannt. Schopf hatte geglaubt, dass es sich bei diesen Strukturen um 3,5 Milliarden Jahre alten Überreste von Cyanobakterien handelt. Aber die potentiellen Lebensspuren tauchten in der falschen Umgebung auf, in vulkanischen Ablagerungen, nicht in Sedimenten. Der Paläontologe hatte außerdem nur "Fossilien" für seine Veröffentlichung ausgesucht, die am besten heute lebenden Cyanobakterien gleichen und viele andere Strukturen nicht beachtet. Als dann auch noch im Labor künstlich identische Spuren erzeugt werden konnten, war es um die ältesten Fossilien geschehen.

Eine gewaltige, menschenleere Landschaft bietet sich dem Betrachter in Westgrönland dar, ganz nahe der Stelle, an der man die frühesten Spuren von Leben gefunden haben will. Foto: Dagmar Röhrlich

Auch die ältesten chemischen Lebensspuren in 3,8 Milliarden Jahre alten Gesteinen des grönländischen Isua werden jetzt stark in Frage gestellt. In Isua hat man zwar keine Fossilien gefunden, wohl aber Graphitkörner, bei denen Verschiebungen im Verhältnis zwischen den verschieden schweren Isotopen des Kohlenstoffs festgestellt wurden. Es handelt sich um Verschiebungen, die charakteristisch für Leben sein sollen. Denn Organismen bevorzugen die leichtere Kohlenstoffvariante mit nur 12 Neutronen im Atomkern, entsprechend kommt bei ihnen weniger vom schweren Kohlenstoff-13 vor als in der unbelebten Natur. Und genau diese geringere C-13-Rate haben Wissenschaftler in den 90er Jahren bei den Isua-Gesteinen gemessen und als Hinweise auf Leben interpretiert. Das Problem - es gibt auch in der unbelebten Natur Prozesse, die die Kohlenstoffisotope verschieben, und inzwischen scheint durch neue Forschungen sicher, dass wohl letzteres der Fall ist.