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Brandgefährliche Aufforstung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:40

Brennpunkt der diesjährigen Waldbrandsaison im Mittelmeerraum ist die Iberische Halbinsel. Im Norden Portugals und in der nordwestlichen spanischen Region Galizien konnten die Brände gerade erst unter Kontrolle gebracht werden. Die galizische Regionalregierung verdächtigt organisierte Brandstifter, die Feuer anzufachen. Landflucht und die Aufforstung umfangreicher Plantagen mit Eukalypten und Kiefern tragen allerdings zur prekären Lage bei.

"Zwei Trends haben dazu geführt, dass Portugal so hoch entzündlich ist, wie noch nie zuvor in seiner Geschichte", erklärt Johann Georg Goldammer. Für das Nachbarland Spanien gelten sie gleichermaßen. Der wichtigere Trend ist die Landflucht und immer stärkere Zersplitterung des Grundbesitzes. Dadurch wird der Wald nicht mehr gepflegt, Unterholz und Buschwerk werden nicht mehr ausgelichtet und abtransportiert - so dass sich eine ungeheure Menge Brennmaterials angesammelt hat. In den trockenen Sommer genügt ein Funke, um das Gestrüpp lichterloh aufflammen zu lassen.

Der zweite Trend ist eine iberische Spezialität, ergänzt aber die Verwilderung der Wälder geradezu ideal. So wurden neben den einheimischen Pinien vor allem Eukalyptusbäume ein Raub der Flammen, deren Blätter wegen des hohen Gehalts an ätherischen Ölen wie Zunder brennen. "700.000 Hektar Eukalyptusplantagen plus natürliche Kiefernwälder und Kiefernplantagen stellen heute mehr als 54 Prozent der portugiesischen Waldfläche, eine hoch explosive Situation", kritisiert Goldammer. In der spanischen Krisenregion dieses Jahres, Galizien, gingen ebenfalls vor allem Kiefern und Eukalyptusbäume in Flammen auf. In ihrem natürlichen Lebensraum Australien sorgen gerade Eukalyptusbäume dafür, dass sich Waldbrände schnell und großflächig ausbreiten, doch dort gehört das zum Ökosystem und sorgt für Bereinigung im Unterholz. Auf der iberischen Halbinsel jedoch werden die Bäume in riesigen Plantagen angepflanzt, denn Holz ist ein wertvoller Rohstoff und die Zellstoffindustrie rund um den Globus ein dankbarer Abnehmer. Feuer in den dicht gepflanzten und nicht gepflegten Eukalyptusforste sind jedoch kaum noch zu kontrollieren.

"Wir müssen dieses Problem in den kommenden Jahren verstärkt angehen, um größere Brandkatastrophen zu verhindern", warnt auch der Waldökologe Francisco Valle Tendero von der Universität Granada. Der Spanier fordert, den gegenwärtigen Bestand stärker auszudünnen und mehr einheimische Baumarten zu pflanzen, um das Ausbreiten der Brände zu verlangsamen. Goldammers Arbeitsgruppe hat auf brasilianischen Kiefern-Plantagen gezeigt, dass selbst dichte Pflanzungen weiterhin möglich sind, wenn man nur das Unterholz und die unteren Äste der Bäume kontrolliert - in Nachahmung der Natur mit Hilfe von kontrolliertem Durchbrennen. Doch das ist mit Investitionen verbunden, "und das ist nicht unbedingt das, was die Investoren vor Augen haben".

Dennoch hat der Feuerökologe Hoffnung auf Besserung. Denn inzwischen hat man erkannt, dass Biomasse ein durchaus wertvoller und darüber hinaus CO2-neutraler Energieträger ist. Die südspanische Region Andalusien plant etwa, bis 2010 Biomassekraftwerke mit einer Leistung von 250 Megawatt errichten zu lassen. In dem Maße, in dem Biomasse zu einem wertvollen Energieträger wird, wird die Frage aufkommen, ob man sie einfach durch Waldbrand vernichten lassen soll. "Und da treffen sich Interessen, indem man sagt, wir müssen die Wälder sauberer halten, indem wir die Biomasse systematisch nutzen."