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Rodung mit regionalen Konsequenzen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:40

Südostasien versinkt regelmäßig im Rauch. Jedes Jahr im Sommer beginnt die Feuersaison und von unzähligen Bränden im tropischen Regenwald steigt Qualm auf. Die meisten werden von Menschen gelegt, manchmal aus Unachtsamkeit, in der Regel aber um aus dem Regenwald nutzbares Ackerland zu machen. Damit vernichten sie nicht nur den ökologisch und klimatisch wertvollen Urwald sondern beeinflussen auch Klima, Gesundheit und Wirtschaft in der gesamten Region.

In der jüngeren Vergangenheit waren die Saison 1997/98 die schlimmste, damals vereinigte sich der Rauch aus Hunderten von Rodungsfeuern zu großräumigem, bodennahem Smog. Allein in Indonesien verbrannten nach einer in "Science" veröffentlichten Bilanz acht Millionen Hektar Wald, ein Gebiet größer als Bayern. Die regionale Rauchbelastung war deutlich aus dem Weltall zu sehen und überdeckte ein Gebiet, das von den Philippinen im Norden bis nach Java im Süden und weit in den Indischen Ozean hinein reichte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren mehr als 200 Millionen Menschen betroffen.

Für die Menschen dort war das nicht nur eine Belästigung, sondern ein gravierendes gesundheitliches und wirtschaftliches Problem. Die Zahl der Asthmaerkrankungen, Kreislaufstörungen und Todesfälle auf der Insel Borneo und im benachbarten Malaysia stieg erheblich an. Durch den dichten Rauch kam es zu einer erhöhten Unfallrate auf Straßen, Wasserwegen und im Luftverkehr. Die Brände verursachten allein in Malaysia und Indonesien zusätzliche Kosten von zehn Milliarden US-Dollar.

Ein Forscherteam aus Großbritannien, Deutschland und Indonesien schätzte fünf Jahre später im renommierten Wissenschaftsblatt "Nature", dass die Brände zwischen 0,8 und 2,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und anderen gasförmigen Verbindungen in der Atmosphäre abluden. An der Spannbreite erkennt man schon, dass die Schätzung nur sehr grob ausfallen konnte, da man über nicht genügend Daten verfügte. Dennoch entsprach der untere Wert immerhin 13 Prozent der Jahresemission aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der obere ganzen 40 Prozent.

Ein Jahr nach dem großen Brand 1997/98 führte das internationale Großprojekt Indoex eine ausgedehnte Messkampagne über dem Indischen Ozean durch, um herauszufinden, wie sich die Dunst- und Rauchglocke auf Atmosphäre und Klima auswirkt. Über 150 Wissenschaftler aus sechs Ländern beteiligten sich an dem vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und der Scripps Institution of Oceanography im kalifornischen La Jolla koordinierten Studie. Sie fanden, dass der Rauch bis in 3000 Meter aufsteigt und sich dadurch besonders schnell und effektiv in der Atmosphäre ausbreiten kann. "Dadurch kann er innerhalb einer Woche die halbe Erde umrunden", erklärte damals Klaus Töpfer, Chef des UN-Umweltschutzprogramms Unep.

Die Unep ließ mit den Werten der Fallstudie des Jahres 1999 modellieren, was passieren könnte, wenn die Brände so weiter laufen. Danach kann die Rauchwolke die Sonneneinstrahlung am Erdboden um bis zu 15 Prozent verringern, was dort die entsprechende Abkühlung nach sich zieht. Die niedere Atmosphäre dagegen heizt die Wolke deutlich auf. Die gravierendste Konsequenz für den Großraum Südostasien stellt eine starke Verringerung des Wintermonsuns auf dem Kontinent von 20 bis 40 Prozent dar, auch der Sommerregen dürfte geringer ausfallen, da weniger Wasser aus dem Ozean verdampft. Die UN-Organisation fürchtet daher, dass die Ernteerträge bei indischem Winterreis um zehn Prozent zurückgehen werden.