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Zeitweise instabil

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:28

Es ist rätselhaft, wie der Geodynamo die Dynamik des irdischen Magnetfelds zustandebringt. Zurzeit hat die Erde ein Dipol-Feld, dessen magnetischer Südpol in der Arktis liegt. Die Feldlinien laufen daher von Süd nach Nord. Das ist jedoch erst seit gut 700.000 Jahren so. Das Magnetfeld der Erde ändert in unterschiedlich langen Intervallen seine Richtung.

In den vergangenen 80 Millionen Jahren durchlief die Erde eine unruhige Periode, in der sich das Feld im Schnitt alle 200.000 Jahre umpolt. In der Zeit davor blieb es dagegen für rund 35 Millionen Jahre konstant. Während der Umpolungen schwächt sich das Magnetfeld stark ab, der Nordpol wandert in Richtung Äquator, irgendwann springt das Magnetfeld um und baut sich in umgekehrter Ausrichtung wieder auf. Der gesamte Umpolungsprozess dauert vermutlich rund 1000 Jahre.

Neben den kompletten Umpolungen gibt es allerdings noch andere Phänomene, die so genannten Exkursionen. Sie ereignen sich wesentlich häufiger, grob geschätzt alle 1000 oder 2000 Jahre. "Exkursionen sind im Grunde steckengebliebene Umpolungen", erklärt Reidar Lovlie, Geophysikprofessor an der norwegischen Universität Bergen. Auch bei diesen Phänomenen beginnt der Nordpol in Richtung Äquator zu wandern und die Feldstärke zu schwinden. Doch aus irgendeinem Grund kommt der Pol des Magnetfeldes nicht weit genug, damit das Feld umspringt, vielmehr kehrt der Pol wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück und das Feld erlangt bei gleichbleibender Ausrichtung seine einstige Stärke zurück.

Das Problem für die Wissenschaftler: Sie wissen, dass sich diese Magnetfeldänderungen ereignen, haben jedoch nicht die geringste Ahnung, was die Ursache ist. In Computermodellen konnten die magnetischen Turbulenzen sogar nachvollzogen werden, doch selbst in ihren eigenen Simulationen konnten die Wissenschaftler keine vernünftige Erklärung für diese Phänomene finden. Lovlie: "Wir wissen nur, dass das Erdmagnetfeld so dynamisch und chaotisch wie das Wetter ist."