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Klimaschutz in konkrete Produkte gießen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 22.10.2007 14:02

Auf dem ersten Klimaforschungsgipfel in Hamburg sind Insgesamt acht Dialogforen eingerichtet worden, aus denen bislang vier Innovationsallianzen hervorgegangen sind. Eine fünfte wurde in Berlin angekündigt. Zwei der Allianzen beschäftigen sich mit Verbesserungen im Automobil, eine dritte kümmert sich um organische Solarzellen, die vierte strebt bessere Akkus und Batterien zur Stromspeicherung an. Die angekündigte fünfte Allianz will sich der Kohlendioxidabscheidung und –untertagespeicherung widmen und so den CO2-Sünder Stromerzeugung klimafreundlich machen.

Der Straßenverkehr ist einer der großen Faktoren in Sachen CO2-Ausstoß.  Gleich drei der vier Innovationsallianzen nehmen sich daher verschiedener Aspekte des Automobils an, um den Treibhausgasausstoß hier zu senken. Eine Allianz will die Elektronik an Bord der Fahrzeuge verbessern und so den Treibstoffverbrauch senken. „90 Prozent der Innovationen im Automobilbau gehen inzwischen auf das Konto der Elektronik“, erklärte Allianzsprecher Dr. Klaus Draeger von BMW. Mehr Elektronik bedeute mehr Sicherheit, so Draeger. In den vergangenen Jahren hatte die wachsende Zahl an Komfort- und Fahrerassistenzsystemen jedoch vor allem steigendes Gewicht bedeutet und damit die Effizienzverbesserungen beim Treibstoffverbrauch zum Teil wieder aufgefressen. Mit der Innovationsallianz soll die Elektronikverbesserung jetzt selbst die Effizienz verbessern und konsequent den Treibstoffverbrauch mindern.

Ebenfalls drastische Minderungen des Verbrauchs erhofft sich die  zweite Innovationsallianz der Automobilbranche: Direkte Kommunikation zwischen den Fahrzeugen soll vor allem den Verkehrsfluss optimieren und so die rund zwölf Milliarden Liter Treibstoff, die jährlich aufgrund von Staus sinnlos verbrannt werden, einsparen. Das entspricht rund einem Fünftel des bundesdeutschen Treibstoffverbrauchs. Forschungen auf dem Gebiet der Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation und der Verkehrssteuerung mit Hilfe der Teilnehmer selbst gibt es bereits seit vielen Jahren. Realisiert ist bislang nichts, denn für das Hauptproblem hat noch niemand eine Lösung gefunden: Ohne ausreichende Teilnehmerzahl lohnt sich die Investition in entsprechende Rechenzentren und Verkehrssteuerungssysteme nicht, aber ohne diese zentrale Infrastruktur lohnt es sich für den Fahrzeugbesitzer nicht, in ein nicht ganz billiges Kommunikationssystem zu investieren.

Die dritte automobilgeneigte Innovationsallianz will leistungsfähigere Batterien und Akkus entwickeln. Sie sind der wahre Flaschenhals, der Elektrofahrzeuge zurzeit unrealistisch erscheinen lässt, sie sind aber auch das Kernproblem der regenerativen Energiequellen, die wie Wind oder Sonnenenergie nicht rund um die Uhr und auf Knopfdruck verfügbar sind. Sowohl dem Verkehrs als auch dem Energieerzeugungssektor liegen daher leistungsfähige Energiespeicher etwa auf Basis der in tragbaren Computern bereits eingesetzten Lithium-Ionen-Technologie am Herzen.

Die vierte Innovationsallianz widmet sich den organischen Solarzellen. Dies sind Photovoltaikelemente, die Solarstrom nicht mit Hilfe des Halbleiters Silizium gewinnen, sondern organische Polymere einsetzen. Sie gelten als preiswerte Alternativen zum teuren Rohstoff Silizium. In den derzeit üblichen Modulen wird kristallines Silizium eingesetzt, das aufwendig hergestellt werden muss. In der Innovationsallianz sollen die organischen Ersatzmaterialien weiter entwickelt werden, damit sie in Punkte Energieausbeute und Dauerhaftigkeit mit kristallinem Silizium mithalten können.

Interessante Projekte, die allerdings noch nicht zu einer formalen Innovationsallianz entwickelt sind, berichteten auch die Sprecher anderer Dialogforen. Etwa für den Bereich Materialien Professor Werner Hufenbach von der Technischen Universität Dresden: Hier forscht man an Gradientenwerkstoffen für den Einsatz in Turbinensätzen, die dort die Betriebstemperatur in der Spitze auf über 700 oder 800 Grad Celsius anheben können. „Das brächte einen Wirkungsgradgewinn von mehr als fünf Prozent und eine Reduktion des Kohlendioxidausstoßes um über 30 Prozent“, berichtete Hufenbach. Kompliziert wird die Sache dadurch, dass man hochtemperaturfeste Werkstoffe wie Nickellegierungen mit weniger temperaturfesten, dafür aber zäheren Werkstoffen wie den üblichen Stählen in einem Werkstück verbinden muss. „Solche Hochtechnologie wäre dann allerdings ein Exportschlager, so Hufenbach.

Für den Bereich Gebäude erklärte Professor Manfred Nußbaumer vom Stuttgarter Bauunternehmens Ed. Züblin AG, dass das Energiesparpotential im Gebäudebereich bei bis zu 90 Prozent läge. Da auf die Gebäude rund 40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen, wäre die Realisierung dieses Potentials ein gewaltiger Schritt. Allerdings müssten die Hauseigentümer dafür erhebliche Mittel in die Hand nehmen. Allein wenn die Zahl der Altbausanierungen von 265.000 pro Jahr auf eine Million angehoben werde, könnten Energiekosten von einer Milliarde Euro und Kohlendioxidemissionen von 40 Millionen Tonnen im Jahr gespart werden. Allerdings würde das nach Nußbaumers Angaben rund 30 Milliarden Euro kosten. „Das ist machbar, der normale Bürger hat ja Geld“, schätzte Nußbaumer und sorgte damit für Heiterkeit im Berliner Kongressgebäude.