Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members holgerkroker 0711 Höllische Isolierschicht

Höllische Isolierschicht

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 03.12.2007 15:04

Venus und Erde haben nach allem, was wir wissen, ungefähr genauso viel Kohlendioxid gespeichert und hatten in ihrer frühen Jugend offenbar auch etwa gleich viel Wasser. Doch der Weg von dieser Jugend in die Gegenwart verlief bei Venus dramatisch anders als bei der Erde. So wie die Venus heute dürfte die Erde in einer fernen Zukunft aussehen – allerdings wird das Leben, wie wir es kennen, da schon seit Jahrmilliarden ausgestorben sein.

Ozeane, die ungefähr so umfangreich waren wie die auf der Erde, soll die Venus in ihrer Jugend vor etwa vier Milliarden Jahren gehabt haben. Die Erde hatte damals im Gegenzug vermutlich eine dicke Kohlendioxidatmosphäre, auch wenn sie nicht so dick war wie die der Venus heute. Allerdings vermutet man, dass die stärkere Sonneneinstrahlung auf der Venus deren Ozeane schnell verdampfen ließ.

Wasserdampf ist ein sehr wirkungsvolles Treibhausgas, auf der Erde hebt er beispielsweise die durchschnittliche Oberflächentemperatur von unwirtlichen minus 18 auf lebenswerte 15 Grad. Auf der Venus dagegen ließ die Atmosphäre die Durchschnittstemperatur des Planeten bis auf die heutigen Extremwerte von 457 Grad ansteigen. Denn mit dem flüssigen Wasser fehlte ein entscheidendes Element des Thermostaten, der die Temperaturen auf der Erde seit nunmehr 4,5 Milliarden Jahren auf einem für Leben erträglichen Niveau hält.

Blitze auf der Venus, klein

In der dichten Kohlendioxidatmosphäre der Venus gehen Blitze nieder. Bild: Esa

Lange blieb das Wasser allerdings auch nicht in der Atmosphäre erhalten, es verschwand auf der Venus nahezu komplett und ist heute nur noch als Spurengas in den Schwefelsäurewolken der oberen Atmosphäre vorhanden. Der Planet hat das Wasser nach und nach an den Weltraum verloren. Das legen zumindest Messungen nahe, die die US-Sonde Pioneer 1978 erstmals durchführte, und die „Venus Express“ jetzt mit größerer Präzision wiederholte.

Das Sonnenlicht zerlegte nach und nach die Wassermoleküle in der Venusatmosphäre in ihre Bestandteile. Diese geladenen Wasserstoff- und Sauerstoffionen verlassen die Planetenatmosphäre auch heute noch in einem kontinuierlichen Strom. Übrig blieb schließlich Kohlendioxid, das nicht wie auf der Erde gebunden werden konnte. Es lastet mit immensem Druck auf dem Planeten. An dessen Oberfläche herrschen 90 Atmosphären, das ist soviel wie auf der Erde in 900 Metern Tiefe unter dem Meeresspiegel. Die CO2-Atmosphäre wirkt inzwischen wie eine Isolierdecke, die die Temperaturen an der Planetenoberfläche auf ihrem Rekordniveau hält.Überdies rasen Stürme mit großer Gewalt durch diese Atmosphäre und Blitze gehen nach den Erkenntnissen von „Venus Express“ nieder. Der Planet der Liebesgöttin ist wahrhaft kein kuscheliger Ort.

Verweise
Artikel