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Irdischer Thermostat

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 03.12.2007 14:59

Die Erde verfügt über einen Thermostaten, der ihre Temperatur stabilisiert. Damit steht unser Planet besser da als seine Nachbarn Venus, wo die Temperaturen explodiert sind, und Mars, wo sie in den Keller fielen. Der Thermostat ist ein kompliziertes Wechselspiel zwischen Atmosphäre und Planetenoberfläche.

Verwitterung ist der zentrale Mechanismus dieser Temperaturregelung. Sie ist der auf lange Frist gesehen wirkungsvollste Mechanismus, Kohlendioxid aus der Erdatmosphäre zu entfernen und damit einen galoppierenden Treibhauseffekt zu verhindern. Das Kohlendioxid in der Luft löst sich im Regenwasser und bildet dort Kohlensäure. Die greift die Steine an, löst Calcium heraus, das als Calciumhydrogencarbonat ins Meer gespült wird. Dort fällt es als Kalk aus dem Wasser aus. Auf diese Weise hat die chemische Verwitterung den Kohlendioxidgehalt der frühen Erdatmosphäre drastisch gesenkt. In dem warmen, feuchten Erdklima lief sie von Anfang auf Hochtouren und lagerte dadurch den Überschuss an Kohlendioxid aus der frühesten Erdgeschichte wohlverwahrt in den Kalksteinen ab.

Diese Kohlendioxiddeponien sind gewaltig, denn anfangs hatten Erde und Venus vergleichbare Kohlendioxid-Atmosphären. Die Venus hat heute eine Atmosphäre, die fast komplett aus Kohlendioxid besteht. Dass die Erde keine glühende Hölle ist wie ihre Planetenschwester, hat sie der Verwitterung zu verdanken. Allerdings wird die Verwitterung über diesen Prozess der Kohlendioxidbindung auch dafür sorgen, dass das höhere Leben auf der Erde irgendwann in nur relativ ferner Zukunft verlöschen wird. Das Zeitalter der Tiere wird in etwa 500 Millionen Jahren zu Ende gehen. Denn dann ist der CO2-Gehalt der Atmosphäre so gering geworden, dass Pflanzen keine Photosynthese mehr treiben können. Und damit verliert das höhere Leben seine Grundlage.

Am Ende wird auch die Erde um das höllische Schicksal der Venus nicht herumkommen. Denn die Strahlungsintensität der Sonne wächst im Zuge der Sternentwicklung. Man schätzt, dass unser Gestirn mit jeder Milliarde Jahre Lebensalter um zehn Prozent heller strahlt. In rund 3,5 Milliarden Jahren wird die Erde kein Wasser mehr haben. Dann ist das Ende jeglichen Lebens auf unserem Planeten besiegelt. Auch den letzten einzelligen Überlebenskünstler schlägt dann die Stunde und die Erde verwandelt sich in einen sterilen Planeten, wie es die Venus bereits heute ist.