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Dorado der Geomythen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 02.01.2008 15:52

Der Vulkanarchipel Hawaii kennt viele Mythen, die sich mit den Feuerbergen in Verbindung bringen lassen. Die aufbrausende Vulkangöttin Pele ist eine der dominierenden Gottheiten im Pantheon der hawaiianischen Urbevölkerung. Es gibt viele Geschichten darüber, wie die Vulkangöttin Pele mit Königen und Halbgöttern kämpft und mit ihrer Lava die fruchtbare Landschaft zerstört.

Die Schneegöttin Poliahu wohnte auf dem Gipfel des Mauna Kea, doch sie kam gern herab zu den Menschen und lieferte sich mit ihnen Wettkämpfe im Speerwurf, im Wellenreiten und Boxen. Als Poliahu und ihre Freunde sich eines Tages in einem schneebedeckten Tal ein Wettrennen lieferten, erschien eine wunderschöne Fremde in ihrer Mitte und Poliahu lud sie ein teilzunehmen. Die Schneegöttin war eine echte Meisterin und lief ihrem unbekannten Gast davon. Doch auf einmal begann ihr Schneemantel zu schmelzen, weil der Boden heißer und heißer wurde, und so erkannte Poliahu, dass die Fremde Pele, die Vulkangöttin, war.

Die Schneegöttin nahm den Kampf auf und warf ihren Schneemantel über das Tal, doch Pele warf ihre Tarnung ab und beschwor alle vulkanischen Kräfte, die ihr zur Verfügung standen, um die Macht von Poliahu zu brechen. Feuerfontänen stiegen auf und die Flanken des Mauna Kea brachen auf. Poliahu zog sich auf den Gipfel des Berges zurück und Peles Feuer begann ihren Schneemantel, den Poliahu zurückgelassen hatte, zusammenzuschmelzen. Da kam die Schneegöttin noch einmal zurück, nahm den Mantel an sich und floh wieder auf den Berggipfel.

Dort gewann sie ihre alte Stärke zurück und schickte Schneesturm über Schneesturm über die Große Insel. Poliahu versammelte Wolken um sich und hieß sie Schnee und Regen auf Peles Feuer zu senden. Ihr Schneemantel dehnte sich immer weiter aus, bis er die Quellen von Peles Feuer erreichte und die glühende Lava in dunklen harten Stein verwandelte. So wurden die Spalten in den Flanken ihres Berges verstopft und der Mauna Kea kam zur Ruhe. Selbst der Kilauea, wo Pele ihren Sitz hatte, begann zu erlöschen.

So war die aufbrausende Feuergöttin gezwungen, sich mit ihrer Feindin zu verständigen und Feuer und Schnee schlossen Frieden. Doch immer wieder wird dieser Frieden gestört, sei es, dass Pele versucht, Poliahu doch noch vom Gipfel des Mauna Kea zu vertreiben, sei es, dass Poliahu versucht, die Feuer von Pele endgültig zu löschen.

Die Schlachten, die die Vulkangöttin schlug, sind nichts anderes als Vulkanausbrüche. Die dominierten das Leben der Hawaiianer so sehr, dass sie die Genealogie ihrer Könige mit ihnen verknüpft haben – über 95 Generationen hinweg. Auch andere Ereignisse wie Kometen oder Sonnenfinsternisse wurden in den hawaiianischen Genealogien verzeichnet, so dass man die Königslisten datieren kann. Bruce Masse, Archäologe beim US-Atomwaffenlabor in Los Alamos: „In den Mythen haben einige der Lavaströme Namen bekommen, so dass wir sie finden konnten. Wir bestimmten ihr Alter und konnten so die mythische Genealogie überprüfen. Wir konnten nachweisen, dass diese Mythen die wirkliche Ereignisse bewahren.“

Dass die mündlich weitergebenen Mythen auch über einen derart langen Zeitraum wie 95 Generationen weitgehend unverfälscht weitergegeben wurden, liegt an der Erzähltradition auf Hawaii. Nur die Mitglieder bestimmter Familien durften Erzähler werden. Sie wurden in den Beruf hineingeboren, trainierten ihr Leben lang. Bruce Masse: „Machten sie ihren Job schlecht, wurden sie getötet.“ Zweifelsohne ein Ansporn, die Geschichte genau wiederzugeben. Durch diese Genauigkeit sind die hawaiianischen Mythen für die Geologen interessant.

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