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Feuriger Götterkampf

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 02.01.2008 16:00

Crater Lake im US-Bundesstaates Oregon ist einer der beliebtesten Nationalparks der USA. Dabei ist der riesige See, der dem Park seinen Namen gab, der wassergefüllte Krater eines gewaltigen Vulkans. Der Mount Mazama schläft glücklicherweise zurzeit, doch seine jüngste Eruption liegt erst rund 8000 Jahren zurück und war 42 Mal so heftig wie die des Mount St. Helens 1981. Die Asche, die der Vulkan damals in die Luft blies, flog über 1000 Kilometer weit. Das Indianervolk der Klamath, das Zentraloregon bewohnt, hat diesen Ausbruch in einem Mythos verewigt.

Es gab eine Zeit, da stieg Skell, der Gott des Himmels und der Erde, oft auf die Welt herab, um sich mit den Menschen zu unterhalten. Er wählte dazu den Berg Llao-Yaina, den ihr Mount Mazama nennt. Unter diesem Berg aber lebte der Gott der Unterwelt, Llao. Auch Llao liebte es, die Welt zu besuchen. Dazu schlüpfte er durch eine Höhle aus dem Inneren seines Berges nach oben, stieg auf den Gipfel, und sein Kopf berührte die Sterne. Eines Tages erblickte Llao bei einem seiner Besuche Loha, die Tochter des Häuptlings, und er verliebte sich in sie. Sie aber wies ihn zurück, weil er so hässlich war und aus der Unterwelt kam.

Da wurde Llao wütend und stieß feurige  Flüche aus. Erschreckt baten die Klamath-Indianer Skell um Hilfe. Skell stieg vom Himmel hinab, und die beiden Götter kämpften miteinander unter  Donnergetöse. Sie ließen die Erde erzittern, bewarfen sich mit heißem, rotglühendem Gestein. Die Erde versank in tiefer, schrecklicher Dunkelheit. Es regnete brennende Asche. Alle Geister mischten sich in den Kampf ein, und die Menschen waren voller Entsetzen. Der Kampf tobte immer heftiger. Um die wilden Vulkangeister zu besänftigen, opferten sich schließlich zwei Medizinmänner: Gemeinsam stürzten sie sich hinab in den Schlund des Berges.

Das beeindruckte Skell, den Gott des Himmels und der Erde, zutiefst, und er kämpfte erbitterter denn zuvor.  Endlich trieb Skell Llao in die Unterwelt zurück. Mit einem Hieb zertrümmerte er den Berg über dem Kopf seines Gegners und versperrte ihm den Weg zurück. Llao war gefangen unter dem Gipfel des Mount Mazama. Und um dem düsteren Ort wieder Frieden und Ruhe zu  schenken, füllte Skell ihn mit wunderbarem, blauem Wasser.

„Die Geschichte des Klamath-Stammes, der von Llao, dem Gott der Unterwelt angegriffen wurde, ist leicht als Eruption zu entschlüsseln“, erklärt Elisabeth Barber, Linguistin und Archäologin am Occidental College im Norden von Los Angeles. Die Feuerflüche sind Lavaströme. Und der Moment, als der Gott des Himmels den Berg über dem Kopf seines Gegners zerschmetterte, das war die Explosion. Die moderne Geologie kann das Geschehen, das die Klamath von Generation zu Generation weitererzählten, sogar genau datieren. Barber: „Dieser Ausbruch hat sich vor fast 8000 Jahren ereignet.“ In Eisbohrkernen aus Grönland, die man sehr genau datieren kann, fand sich eine verräterische Aschelage, die sich mit einer Marge von plus minus 150 Jahren auf das Jahr 7684 vor heute datieren läßt. Der Ausbruch sprengte damals ein gutes Drittel des über 3500 Meter hohen Mount Mazama weg.

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