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Extraterrestrischer Killer?

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 21.11.2008 08:32

Der Asteroidenkrater von Chixculub ist wohl der prominenteste Beleg für die These, dass das Leben im Lauf seiner fast vier Milliarden Jahre langen Geschichte mehrfach von extraterrestrischen Einflüssen in die Krise gestürzt wurde. Doch die Vorstellung vom Dinosaurierkiller aus dem All wird zunehmend infrage gestellt. Eine kleine Gruppe von Kritikern sammelt Gegenbeweise, und sie haben zunehmend Erfolg.

Chicxulub-KraterDer Paläontologe Wolfgang Stinnesbeck, Professor an der Universität Heidelberg, ist Mitglied dieser kleinen, aber hartnäckigen Gruppe von Skeptikern, die seit Jahren an dem vorherrschenden Bild vom Dinosaurierkiller in Yucatan kratzt. Der Streit um den Krater von Chixculub ist einer der öffentlichkeitswirksamsten unter Geowissenschaftlern - und wird mit ausgesprochen harten Bandagen geführt. Inzwischen haben Wolfgang Stinnesbeck und seine Mitstreiter Gerta Keller, Geologieprofessorin an der US-Eliteuni Princeton und Thierry Adatte, Professor an der Schweizer Universität von Neuchatel, der Impakttheorie einige tiefe Kratzer beigebracht. So fanden sie in Sedimenten im weiteren Umkreis von Yucatan bis zu zehn Meter dicke Sedimentpakete, die die Spuren des Einschlags von der berühmten Iridium-Anomalie trennen, die man weltweit findet und die bislang als Zeichen dieses Einschlags firmiert. Zehn Meter Sediment rechnen die Geologen in etliche Zehntausend Jahre Zeitdifferenz um. „Wir glauben, dass dieser Chixculub-Impakt etwa 300.000 Jahre älter sein muss“, so Stinnesbeck. Und 300.000 Jahre Differenz zwischen Ursache Asteroideneinschlag und Wirkung Dinosauriersterben ist selbst für Geologen zu lang.

Asteroideneinschlag Kreide-Tertiär, großStattdessen nehmen Stinnesbeck und seine Kollegen an, dass am Ende des Dinosaurierzeitalters eine rund 500.000 Jahre dauernde Krisenzeit stand, in der die damalige Biosphäre gleich von mehreren Seiten unter Druck geriet. Es ist die Konkurrenztheorie zur Alvarez-Einschlagshypothese, und sie geht davon aus, dass der Dinosaurierkiller wohl der Ausbruch der sogenannten Dekkan-Traps war. Das waren Vulkanausbrüche, die sich über Zehntausende von Jahren hinzogen und auf dem indischen Subkontinent eine rund zwei Millionen Quadratkilometer große und drei Kilometer dicke Schicht aus Basalt hinterließen. „Dabei müssen auch riesige Mengen von Treibhausgas rausgekommen sein“, betont Stinnesbeck, „man schätzt, dass die Menge an CO2 allein, die freiwurden, beim Zehnfachen dessen liegt, was wir heute in der Atmosphäre haben.“

Ein derart gestressten Welt versetzten Asteroideneinschläge dann nur noch zusätzliche Schläge. Denn offenbar hat es in den letzten 500.000 Jahren der Kreidezeit nicht nur den Einschlag in Yucatan gegeben. Ein zweiter Einschlag direkt an der Kreide-Tertiär-Grenze, dessen Ort noch unbekannt ist, hat nämlich die berühmte Iridium-Lage hinterlassen. Dieses Geschoß dürfte ein Eisen-Nickel-Asteroid gewesen sein, während das  Element in den Spuren von Chixculub fehlt, der wahrscheinlich ein reiner Gesteinsbrocken war.
Der Streit um das Ende der Dinosaurier wird sicher noch eine Zeitlang weitergehen, zumal auch die Öffentlichkeit nur ungern von der spektakulären Alvarez-Hypothese lassen möchte. Doch die Zeichen mehren sich, dass die Gefahr aus dem All selbst den Dinosauriern das Ende nicht bereitete.

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