Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members holgerkroker 0812 Funkelnde Finanzzentren

Funkelnde Finanzzentren

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 05.01.2009 17:13

Shibuya, morgens um 8 Uhr: Aus dem Bahnhof quillt ein unablässiger Strom von Menschen, Tausende, Zehntausende, Hunderttausende wurden mit U-, S- und Fernbahn herbeigeschafft und beginnen ihren Tag in Tokios zentralem Einkaufsviertel für Mode und jeglichen Schnickschnack. Auf dem Bahnhofsvorplatz ist einer der Gründe zu bewundern, warum ein dichtbesiedelter Ballungsraum wie Tokio überhaupt noch funktionieren kann.

ShibuyaDiszipliniert stauen sich die Menschenmassen bei Rot auf den Bürgersteigen, um bei Grün schlagartig loszustürzen. Aus sechs, acht oder zehn Richtungen ergießen sich die Menschenströme auf die Kreuzung, mischen sich und am Ende erreicht doch jeder unbehelligt sein Ziel. Rücksicht und eherne Disziplin scheinen die Grundlagen zu sein, auf denen die 35 Millionen Tokioter überraschend reibungslos durch ihren Großstadtalltag kommen.

Die Kapitale der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt ist das Herz des mit Abstand größten Ballungsraums der Erde. Rings um die Bucht von Tokio dehnt sich heute auf rund 8000 Quadratkilometer eine gigantische Stadtlandschaft aus, die neben Tokio selbst auch die Millionenstädte Kawasaki und Yokohama sowie zahllose kleinere Kommunen umfasst. In der Agglomeration lebt nur ein knappes Viertel der japanischen Bevölkerung, doch ihr Anteil am Bruttosozialprodukt des Landes beträgt rund 40 Prozent. Diesem Status verdankt die Metropole auch die Zugehörigkeit zum elitären Club der Weltwirtschaftszentren. Von den etwa 15 derzeitigen Megastädten gehört nicht einmal die Hälfte dazu.

Tokio bei NachtDenn bei diesen „Weltstädten“ ist die reine Bevölkerungszahl nicht das entscheidende Kriterium, sondern Wirtschaftskraft und Entscheidungsmacht. Für sie hat sich der von der US-Soziologin Saskia Sassen geprägte Begriff der „Global City“ eingebürgert. Städte dieser Klasse sind die Steuerzentralen und Knotenpunkte der globalisierten Wirtschaft, in ihnen konzentrieren sich Kapital und wirtschaftliche, oft auch politische Entscheidungskompetenz. Deshalb zählt Sassen auch die deutsche Bankenmetropole Frankfurt mit ihren im Vergleich geradezu lächerlichen 600.000 Einwohnern dazu. „Diese Städte werden das zukünftige Bild der Menschheit zu einem erheblichen Teil prägen, allein schon aufgrund der meist großen Bevölkerungszahl, der hohen Investitionen und der Konzentration von Entscheidungsträgern“, meint Frauke Kraas. Je stärker sich in solchen Zentren die Wirtschafts- und Finanzströme bündeln und die Innovationskraft sammelt, desto bedeutender wird ihre Rolle werden. Das Netz der Finanzmetropolen wird in Zukunft sicherlich vielfältiger werden, doch ihr Einfluss wird steigen.

Verweise
Bild(er)