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Symbol des Aufstiegs

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 05.01.2009 16:20

Eine ganz eigene Dynamik spielt sich in China ab. Der Wirtschaftsboom ließ viele Orte innerhalb von wenigen Jahrzehnten zu Millionenstädten anschwellen. In Peking haben nicht nur die Olympischen Spiele einen Bauboom ohnegleichen ausgelöst. Riesige Wohnkasernen für die Arbeiterschaft schießen ebenso aus dem Boden wie gewaltige Apartmentblocks für die neue Mittelschicht, die der sozialistischen Einheitsminiwohnung entkommen will.

PudongGanze Stadtviertel aus einem Guss werden von Privatinvestoren aus dem Boden gestampft. Die kaufkräftige Kundschaft drängt in Verkaufsmessen, um sich den Traum vom komfortablen Wohnen in einer der viele Stockwerke hohen Wohnmaschinen zu erfüllen, die in Europa inzwischen als Sinnbilder problematischen Städtebaus gelten. In China nicht, denn dort ist der Boden sehr teuer und die Bevölkerungswanderung vom Land in die Stadt hat gerade erst begonnen. „Die müssen einfach Städte bauen, die mit großen Massen fertig werden, und das ist natürlich eine Ursache von Vertikalität“, betont Chinakenner Eckhart Ribbeck.

Das Modell der asiatischen Megastadt sieht der Architekt in Singapur. Der Stadtstaat wurde zwar von der Einwohnerzahl her längst von einigen Dutzend chinesischen und indischen Städten überholt, setzt aber in Sachen Bevölkerungs- und Bebauungsdichte weiterhin Maßstäbe und gehört wegen seiner Bedeutung für Handel und Finanzwelt zweifellos in die Kategorie der global cities, der Weltmetropolen. „Die haben eine sehr rigide Planung, die wirklich auf Höhe und auf Dichte setzt, damit nicht die ganze Insel zubetoniert wird“, so Ribbeck. Im Zentrum wie auch in den Satellitenstädten, in denen die meisten Einwohner leben, sind Wolkenkratzer mit 20 oder 30 Geschossen an der Tagesordnung, kein Wunder, dass der Inselstaat sogar Hongkong in Sachen Bevölkerungsdichte schlägt.

Diesem Vorbild scheinen auch die chinesischen Stadtplaner nachzueifern, und dank des Wirtschafts- und Baubooms haben die Kommunen auch die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung, um die entsprechende Infrastruktur bereitzustellen. Großzügige Autobahnen verbinden etwa in Schanghai die Satellitenstädte im Umland mit dem Zentrum und dem neuen Vorzeigebezirk Pudong. Gleiches gilt für den Schienenverkehr. „Das ist unglaublich üppig, manchmal ist es schon zu viel“, so Ribbeck. Noch ist nicht entschieden, ob Chinas Megastädte auch auf dem Verkehrssektor dem singapurianischen Vorbild folgen. Der Stadtstaat verfolgt eine rigide autofeindliche Politik, gepaart mit einem gut ausgebauten und funktionierenden Nahverkehrssystem. „In China wird dagegen die private Motorisierung zurzeit zwar nicht gefördert, aber doch toleriert“, so Ribbeck, „was zu den bekannten Staus führt, denn die Verkehrsflächen in diesen dichten Städten sind natürlich relativ gesehen viel geringer als bei uns.“ Noch sei, so seine Einschätzung, in der Volksrepublik alles im Fluss, ein abschließendes Urteil über den städtebaulichen Kurs erst in zehn oder 15 Jahren möglich.

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