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Wettlauf zur zweiten Erde

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 24.02.2009 09:42

Wenn alles klappt, wird die Nasa am 5. März, 18:48 Uhr MEZ, die Raumsonde Kepler ins All schießen. Kepler ist wie sein europäischer Gegenpart Corot ein Planetensucher, der weit entfernte Sterne nach Planeten absucht. Beide Satelliten hoffen als erster den großen Fang zu machen und eine zweite Erde zu finden.

Corot AnimationCorot ist diesem Ziel bereits recht nahe gekommen. Die jüngste Entdeckung Corot-Exo-7b hat knapp den doppelten Durchmesser der Erde und geschätzte fünf bis elfmal soviel Masse. Dennoch hat die Nasa-Sonde gute Chancen auf den Sieg, denn sie hat eine viel längere Beobachtungszeit als der französisch dominierte Konkurrent vom alten Kontinent. Kepler fliegt weit von der Erde entfernt und kann so sein Teleskop die ganze Zeit auf den Zielsektor in den Sternbildern Schwan und Leier richten. Dort wird er rund 100.000 Sterne gleichzeitig beobachten können, und das während seiner gesamten Lebenszeit von geschätzten drei Jahren. Corot dagegen hat Beobachtungszeiten von maximal 150 Tagen.

KeplerDieser Unterschied in der Beobachtungszeit ist entscheidend, denn beide Teleskope wenden bei der Planetensuche die Transitmethode an. Sie starren unverwandt auf die Sterne und protokollieren Helligkeitsunterschiede. Wenn Planeten auf ihrer Umlaufbahn vor ihre Sonne geraten, verdecken sie einen mehr oder weniger großen Abschnitt und die Helligkeit des Sterns sinkt entsprechend ab. Je kleiner die Planeten sind, umso geringer ist dieser Verdunkelungseffekt. Deshalb müssen viele Beobachtungen zusammengefasst werden - und da ist derjenige, der länger beobachten kann, in einer besseren Position.

Ganz entscheidend dürfte der Beobachtungszeitraum werden, wenn man nach wirklich erdähnlichen Planeten sucht. Denn die müssen nicht nur in der Größe vergleichbar sein, sondern auch in ihrem Abstand zur Sonne. Dann aber haben sie auch Umlaufzeiten wie unsere Erde und passieren ihre Sonne in Jahres- oder zumindest Mehrmonatsrhythmen. Beides aber ist für Beobachtungszeiten von 150 Tagen zu lang, um erfasst zu werden.

Planeten-TransitEin weiterer Fortschritt ist von der nächsten Generation der Planetenbeobachter zu erwarten. Die Raumfahrtagenturen der USA und Europas haben vergleichbare Konzepte in den Schubladen, die mit jeweils einer Flotte von Weltraumteleskopen weit entfernt von der Erde erdähnliche Planeten suchen sollen. Sie sollen mit einer anspruchsvollen neuen Technologie Detailinformationen über die Planeten gewinnen, zum Beispiel Art und Zusammensetzung einer möglichen Atmosphäre. Unter Umständen könnte aus diesen Daten abgelesen werden, ob die Planeten lebensfreundliche Bedingungen bieten oder sogar belebt sind. Die beiden Teleskope sollen dafür das von den Planeten reflektierte Licht aus der Strahlung des Sterns herausfiltern und analysieren. Atmosphären von belebten Planeten wie der Erde haben aber eine charakteristische Signatur, zu der vor allem der Sauerstoff beiträgt. Im isolierten Planetenlicht könnte man nach solchen Signaturen suchen.

Allerdings ist noch keineswegs sicher, dass beide Organisationen ihre Konzepte auch realisieren. Die Esa hat ihr „Darwin“ genanntes Teleskop erst für die Jahre nach 2015 eingeplant, die Nasa verfolgt ihren „Terrestrial Planet Finder“ auf Sparflamme und ohne konkretes Startdatum.