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16 Millionen im Bebenbrennpunkt

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 27.07.2009 16:27

Istanbul gehört zu den gefährdetsten Städten der Welt. Die Metropole am Bosporus liegt genau auf der sogenannten nordanatolischen Verwerfung, einer der aktivsten seismischen Störungen dieser Erde. Das jüngste schwere Erdbeben ereignete sich 1999 rund 100 Kilometer östlich der 16-Millionen-Metropole. Für Istanbul selbst wird unmittelbar mit einem starken Beben gerechnet, dem schlimmsten seit dem Jahr 1509, bei dem die Stadt zu großen Teilen zerstört wurde und ein Tsunami im Marmara-Meer die osmanische Flotte vernichtete.

IstanbulDaher ist die Stadt einer der Schwerpunkte des zu Ende gehenden EU-Projektes „Safer“. Intensiv wurde nach Wegen gesucht, wie man ein Frühwarnsystem für die Stadt, die genau auf der erdbebenträchtigen Verwerfung liegt, implementieren kann. Angesichts der kurzen Vorwarnzeit muss man sich am Bosporus auf das Allernotwendigste beschränken, etwa Gasleitungen zu sperren, Brücken und Kreuzungen zu blockieren und Fähren zu warnen.


„Das Problem ist, dass leider nicht die ganze Stadt und auch nicht die Region mit Seismometern abgedeckt ist“, so Zschau. Das wäre nämlich viel zu teuer. Deshalb haben sich die Seismologen auf ein simpleres und wie sie hoffen ähnlich effizientes System verlegt, das gerade aufgebaut wird. „Wir nehmen Sensoren aus dem Airbag-System, die wunderbar als Seismometer funktionieren“, so Zschau. Die Sensoren reagieren auf Beschleunigung, können also die Erdbewegungen registrieren. Diese Sensoren sind Massenprodukte und daher preiswert, für das Erdbebenwarnsystem werden sie mit einem GPS- und einem Kommunikationsmodul kombiniert. Von diesen preiswerten Instrumenten können Tausende in der ganzen Region verteilt angebracht werden, die über ein vom Handy-Netz unabhängiges Kommunikationsnetz miteinander verbunden sind.

Schlägt einer der Sensoren an, gibt er seine Information sofort an alle benachbarten Sensoren weiter, die sie ebenfalls weiterleiten. Bei dem System gleicht die Masse und die Verteilung über die Fläche die geringere Qualität der einzelnen Information aus. Fehlfunktionen einzelner Sensoren bleiben folgenlos, so lange ihre Meldung nicht von anderen bestätigt wird. Das Konzept sieht vor, dass ein Alarm des Sensornetzes automatische Sicherheitsmaßnahmen auslöst, denn für Warnungen an die Bevölkerung ist die Zeit zu knapp.


Daher werden Fahrstühle verriegelt, damit niemand sie mehr benutzen kann, Stromleitungen unterbrochen, Gasleitungen gesperrt, Ampelanlagen auf Rot gestellt. „Wir haben mit 20 Geräten angefangen“, so Zschau, „jetzt geht es vielleicht demnächst auf 100.“ Probeweise wurde bereits eine Brücke mit den Sensoren bestückt, um alle Aspekte des Systems zu testen. Denn Istanbul hat im Ernstfall nur wenige Sekunden Zeit, um sich auf ein Beben vorzubereiten.

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