Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members holgerkroker 0910 Teufel liegt Detail

Teufel liegt Detail

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 28.10.2009 11:41

Die Versorgung mit Süßwasser ist mindestens genauso prekär wie die mit Lebensmitteln. Rund 1,2 Milliarden Menschen, so schätzt das UN-Entwicklungsprogramm UNDP, leben ohne gesicherte Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig verbraucht jeder Einwohner der reichen OECD-Staaten 920 Kubikmeter pro Jahr, in Staaten wie den USA, Kanada oder Australien liegt der Pro-Kopf-Verbrauch sogar wesentlich höher. Global gesehen sollte die Menschheit nach den Empfehlungen der Rockströmgruppe nicht mehr als 4000 Kubikkilometer verbrauchen, derzeit sind es etwa 2600.

Aufbereitungsanlagen in Bogale (Ausschnitt)Der Vergleich legt nahe, dass wir beim Wasserverbrauch noch nicht besonders stark unter Druck stehen. Doch ist dieses Kriterium ein Beispiel dafür, wie stark globale Grenzwerte die Realität verzerren können. In Gegenden wie etwa dem Gaza-Streifen ist das nachhaltige Maß der Wassernutzung bereits seit Jahren drastisch überschritten. Dem mit 1,5 Millionen Menschen krass überbevölkerten Landstrich könnte schon Ende 2010 der Zusammenbruch der Wasserversorgung drohen. Jedes Jahr sinkt der Grundwasserspiegel um vier Meter, die Gefahr, dass das salzhaltige Wasser des Mittelmeers in die Süßwasserleiter einbricht und den verbliebenen Rest unbrauchbar macht, ist inzwischen sehr hoch.

Austrocknende WasserpfützenRund 90 Liter verbraucht jeder Bewohner des Gaza-Streifens am Tag, im regenreichen Deutschland sind es circa 127 Liter. Der vergleichsweise hohe Verbrauch im Gaza-Streifen dürfte zu einem großen Teil auf das marode Leitungsnetz zurückzuführen sein, doch auch die Landwirtschaft des Gebiets beansprucht treibt den Pro-Kopf-Verbrauch in die Höhe. Im angrenzenden Israel liegt der Wert bei rund 280 Litern, auch hier ist die Landwirtschaft mit großem Abstand der größte Konsument.

Gaza ist nur Vorreiter einer Entwicklung, die nach Ansicht der UN dieses Jahrhundert prägen wird. Statt um Öl wird man zunehmend um Wasser Kriege führen. Palästina wird eine der Regionen sein, wo diese Auseinandersetzungen stattfinden könnten. Auch entlang des Nils, an Euphrat und Tigris, ja sogar am Brahmaputra gibt es derzeit Dispute über die Nutzung des Wassers. All diese Gegenden zeigen, dass eine globale Obergrenze der Wassernutzung nicht sehr weit trägt, sondern auf das regionale Niveau heruntergebrochen werden muss.