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Fenster in die Vergangenheit

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 25.10.2010 15:23

Am Beginn der heutigen weltbekannten Fundstätte stehen die Öl- und Asphaltfelder, die ab dem späten 19. Jahrhundert das Gebiet westlich von Los Angeles dominierten. Henry Hancock, ein Rechtsanwalt aus New Hampshire, kam Mitte des 19. Jahrhunderts ins frisch von Mexiko an die USA abgetretene Kalifornien und kaufte die als Rancho La Brea bekannte Farm. Die damals schon überall sichtbaren Öl- und Teersümpfe und die Seen, aus denen Methan entwich, wurden der Grundstein zum Vermögen der Hancocks. 1916 schenkte George Allen Hancock die Ranch der Stadt Los Angeles, damit die Fossilien angemessen ausgegraben und präsentiert werden könnten.

Oberschenkel eines MammutsIm Lauf der Zeit wurden Tausende von Fossilien aus den vielen Asphaltgruben geborgen. Derzeit wird nur Grube 91 ausgegraben. "Wir finden hier Säbelzahntiger, Wölfe, Riesenfaultiere, Kamele, Bison, Mastodonten, Mammuts, Jaguare. Aber auch Koyoten, Pumas, Rotluchse, Mäuse und Kaninchen. Diese Tiere gibt es heute noch und sie sehen noch genauso aus wie damals - aber die Knochen der Megafauna verschwinden vor 10.000 Jahren", erklärt Grabungsleiterin Andrea Thorner vom Projekt 23.

 

Mühsame SucheDas Projekt unterscheidet sich etwas von anderen Ausgrabungen. Bei den Ausschachtungen für ein neues Parkhaus des benachbarten Kunstmuseums waren wieder einmal zahlreiche Fossilien gefunden worden. Um die Bauarbeiten für das Parkhaus nicht unnötig zu verzögern wurden insgesamt 23 gewaltige Blöcke aus dem Untergrund geschnitten und erst einmal in Holzboxen verwahrt. Die Paläontologen schaben und kratzen sich jetzt langsam durch die zwischen drei und 56 Tonnen schweren Blöcke und haben bereits aufsehenerregende Funde gemacht. "Einer davon war ein fast komplettes Mammut, das den Namen Zed erhalten hat. Er ist schon im Labor", berichtet Thorner.

Knochen im TeerDie wenigen fest angestellten Archäologen des Museums werden von einer großen Zahl freiwilliger Helfer unterstützt, die zum Teil bereits seit Jahren bei Ausgrabungen und im Präparationslabor mithelfen und es zu beachtlichem Können gebracht haben. Zurzeit ist ein mannshoher, dunkelgrauer Quader aus Sand, Asphalt und Ton an der Reihe, der aus seiner Kiste befreit worden ist. Mit Hammer und Meißel legen die Forscher Knochen um Knochen frei, in der Regel unter freiem Himmel, nur in der Regenzeit schützt sie ein Blechdach. Andrea Thorner beschreibt den derzeitigen Stand: "Hier schaut eine Art Hundekopf heraus, er gehörte wohl einem Koyoten. Wenn wir auf die andere Seite gehen, sehen wir ein paar Wirbel, die einmal einem Kamel gehört haben. Seinen Schädel, Kiefer und ein paar andere Knochen haben wir schon geborgen. Kamele finden wir selten - aber es ist schon toll sich vorzustellen, dass früher einmal Kamele durch Los Angeles gelaufen sind."

Die Knochen aus dem Asphalt herauszulösen, ist mühsam, nur im Sommer, wenn die Hitze ihn aufweicht, lassen sich die Fossilien regelrecht herausschälen. "In der Kälte muss man ihn dagegen Stück für Stück abschlagen", erklärt Thornton. Die Freilegung eines Schädels dauert dann Monate.

Rekonstruierte Mastodons30.000 oder 40.000 Jahre lang sammelten sich in den tückischen Asphaltsümpfen von La Brea die Fossilien. Trotz ihrer gewaltigen Zahl war es keineswegs so, dass permanent Tiere feststeckten und um ihr Leben kämpften und dabei Horden von Fleisch- und Aasfressern anlockten. Jede einzelne dieser Teerfallen war nur eine begrenzte Zeit aktiv. "Es sieht so aus, als ob so ein Vorfall alle 60 oder 75 Jahre vorkam, also konnten sich die Raubtiere nicht auf einen stets gedeckten Tisch in den Asphaltgruben verlassen", erklärt die Pleistozän-Spezialistin Blaire van Valkenburgh von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Dennoch kam über den langen Zeitraum eine Rekordzahl von Fossilien zusammen. Das brach allerdings vor rund 12.500 Jahren abrupt ab, ein Zeichen für das wirklich einschneidende Aussterbeereignis, das die Wissenschaftler intensiv beschäftigt.