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Einrichtung nationaler GeoParks in Deutschland

erstellt von Lutz_Peschke zuletzt verändert: 17.11.2016 13:28 — abgelaufen

  1. Die Förderung der Forschung und das Verständnis der breiten Öffentlichkeit für die Aufwendungen der Wissenschaft sind das zentrale Anliegen der Initiative Public Understanding of Science and Humanities (PUSH); denn Wissen und die Auseinandersetzung mit Wissen werden in der gesellschaftlichen Entwicklung im neuen Jahrtausend weltweit an Bedeutung gewinnen.

    Den Geowissenschaften kommt dabei im Spannungsfeld einer immer intensiveren Nutzung unseres Planeten und seiner Ressourcen einerseits und dem Erhalt des Lebensraums Erde sowie dem Schutz unserer Umwelt bei anhaltendem Wachstum der Bevölkerung andererseits besondere Bedeutung zu.


  2. Um diese Ziele umzusetzen haben die Bundesregierung, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die großen Forschungsorganisationen die Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) ins Leben gerufen. Im Rahmen eines Dialogs sollen alle gesellschaftlich relevanten Gruppen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter Nutzung aller Möglichkeiten moderner Kommunikation ins Gespräch kommen.

    Dabei kommt der Wissenschaft die Aufgabe zu, der Öffentlichkeit Forschung verständlich zu präsentieren. Hier sind die Geowissenschaften gefordert das Bewusstsein zu wecken, dass belastbare Vorhersagen und Zukunftskonzepte für unseren Planeten Erde oft erst aus dessen geologischer Vergangenheit durch gezielte Forschung abgeleitet werden können.


  3. Im Rahmen von Wissenschaft im Dialog wird in Deutschland jedes Jahr ein Wissenschaftsbereich herausgestellt, damit thematisch fokussiert eine intensive Diskussion mit allen Bevölkerungsgruppen erreicht wird. 2002 wurde zum Jahr der Geowissenschaften unter dem Motto "planeterde® - 2002 jahr der geowissenschaften" ausgerufen, nachdem die vorherigen Jahre der Physik bzw. den Lebenswissenschaften gewidmet waren.

    Die überragende Resonanz der Bevölkerung auf das Jahr der Geowissenschaften 2002 hat gezeigt, dass in der Öffentlichkeit großes Interesse an georelevanten Themen besteht. Für die Geowissenschaften in Deutschland ergibt sich damit die Chance und die Notwendigkeit, dem Bedarf in der Bevölkerung nach mehr Information und Dialog über geowissenschaftliche Themen verstärkt Rechnung zu tragen. Der Tag des Geotops am 6. Oktober eines jeden Jahres und die Einrichtung nationaler GeoParks sind wesentliche Elemente dieser Initiative.


  4. Nationale GeoParks in Deutschland sollen durch Präsentation, Erhaltung und nachhaltige Nutzung des geologischen Erbes auch zur Verwirklichung der Ziele der Agenda 21 der United Nations Conference on Environment and Development (UNCED, Rio de Janeiro 1992) und des World Summit for Sustainable Development (WSSD, Johannesburg 2002) beitragen.

    In nationalen GeoParks soll die Bedeutung geologischer und geomorphologischer Prozesse für die natürlichen Ressourcen, aber auch für die Landnutzung, die Oberflächengestaltung sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte für eine breite Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. Dieser Ansatz erfordert gemeinsames Handeln aller Beteiligten und die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Dabei sollen auch Aspekte wirtschaftlicher Entwicklung unter den Gesichtspunkten der Tourismusförderung und Freizeitgestaltung in die Planungen einbezogen werden.


  5. Für das Prädikat Nationaler GeoPark wird das Logo "planeterde® - Welt der Geowissenschaften" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durch die Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften (AWS) im Einvernehmen mit dem BMBF jeweils für fünf Jahre verliehen. Für die Verleihung sind Vergaberichtlinien maßgebend. Antragsteller reichen die Anträge nach einer Beratung durch den Staatlichen Geologischen Dienst (SGD) in ihrem Bundesland bei der AWS ein. Die SGD beraten und begleiten die Vorhaben zuständigkeitshalber und nehmen fachlich Stellung gegenüber ihren Landesverwaltungen.


  6. Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (UNESCO) beabsichtigt, in Übereinstimmung mit dem Beschluss ihres Executivrates vom Juni 2001 nationale GeoPark-Initiativen zu unterstützen. Nationale GeoParks können als Teil eines zu schaffenden UNESCO NETWORK OF NATIONAL GEOPARKS zu einem besseren Verständnis und einem nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen des Planeten Erde beitragen. Deshalb soll ein nationaler GeoPark eines UNESCO-Netzwerkes sich auch dem Tourismus öffnen.

    Die UNESCO verfolgt damit drei übergeordnete Ziele: neben der Bewahrung einer intakten Umwelt sollen eine bessere allgemeine geowissenschaftliche Bildung vermittelt und Impulse für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung auf lokaler Ebene gegeben werden. GeoParks sollen ein Instrument sein, das Erbe unserer Erdgeschichte zu erkennen und zu bewahren und die Öffentlichkeit für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mensch und Planet Erde zu sensibilisieren. In einem ganzheitlichen Ansatz sollen geowissenschaftliche, kulturelle und sozioökonomische Elemente der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung dienen.

    Bonn/Paris, Sep. 6th 2002