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Fahrtleiter-Logbuch: 5. Mai 2008

erstellt von aahke zuletzt verändert: 09.05.2008 12:51

Meeresforschung hautnah: vom 11. bis zum 24. Mai im Fahrtleiter-Logbuch auf der METEOR. Heute berichtet Dr. Mike Formolo vom MPI für marine Mikrobiologie.

Logbuch METEOR-Expedition M76/1 - 5. Mai 2008



Autor: Dr. Mike Formolo



Dr. Michael Formolo, Geowissenschaftler am MPI für marine MikrobiologieMichael Formolo

…ist Postdoktorand am MPI für marine Mikrobiologie. Eingeflogen aus den USA, untersucht der 32-Jährige den Abbau und die Erhaltung von organischem Material in marinen Sedimenten. Auf METEOR beteiligt er sich auch am Fahrtleiter-Logbuch.








5. May 2008; 25°30’S, 13°27’E

17:00 Uhr; sonnig; Lufttemp. 18,0°C; Wassertemp. 14,5°C; Wind NW, Stärke 3; Seegang 2 m

Pechvogel MeBo

Es ist bereits das Ende der dritten Woche auf See angebrochen. Dank GPS und schiffseigener Stabilisatoren hält die Meteor ihre Position bei 800 Meter Wassertiefe, während das MeBo für einen weiteren Bohrversuch zum Meeresgrund abtaucht. Die Einsätze des MeBo fielen bisher unglücklicherweise schlechtem Wetter, starkem Wind und mechanischen Problemen zum Opfer – doch diese Faktoren scheinen sich nun zu verbessern. Aufgrund der rauen Wetterbedingungen waren derartige Probleme mit dem technisch hoch entwickelten Messgerät zu erwarten. Trotz der Pechsträhne bei den MeBo-Einsätzen, waren alle anderen Ziele der Expedition mit Erfolg gekrönt. Die Lagerräume platzen vor lauter Proben fast aus allen Nähten. Stapelweise Kerne, Sediment- und Porenwasserproben lassen kaum mehr freien Platz in den Kühllaboren. Einige von uns überlegen schon, wie wir trotz der abnehmenden Vorräte unserer Materialien die Probenahme fortsetzen können. Das „Problem“ der mit Sediment überfließenden Kisten nehmen wir allzu gerne in Kauf. Noch elf weitere Tage mit hoffentlich zahlreichen Proben liegen vor uns – ob Zentrifugenröhrchen oder Alufolie, wir werden alles nutzen, um die Proben in unsere Labore zu schaffen.

Meteor-Log: 5.Mai Mike an Deck

















Mike bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Kerne beproben. Bild: MARUM

Expeditions-Marathon

Eine Sache, die ich von meiner letzten Ausfahrt im Golf von Mexiko ganz vergessen hatte: eine Ausfahrt kann wie ein Marathon sein. Tempo zählt. Es passiert leicht, dass man von seinen Proben überwältigt wird und man sich bis an den Rand der Erschöpfung bringt. Das trifft jeden an Bord zum einen oder anderen Zeitpunkt der Reise. Entgegen aller Erschöpfung ist die Hingabe zur Arbeit erstaunlich. Viele von uns Wissenschaftlern fühlen eine innere Befriedigung gerade dann, wenn wir stundenlang mit der Beprobung und Analyse verbracht haben. Es ist schon ein einzigartiges Erlebnis, mitten im Ozean Proben zu nehmen, an die sonst kaum ein Mensch gelangt. Unabhängig davon, wie sehr wir unsere Arbeit genießen – niemand kann lange sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag arbeiten. Wir alle benötigen eine Verschnaufpause, so wie in der letzten Woche das Barbeque.

Partyzeit

Letzten Donnerstag, dem ersten Mai, wich der matschige, stinkenden Beprobungsschauplatz an Deck einer bunten Mischung aus allerlei Essen, Grillfleisch und Getränken, da Crew und Wissenschaftler zwei wichtige deutsche Feiertage feierten: Maifeiertag und Christi Himmelfahrt. Eine ruhige See und Windstille machten den Abend perfekt für ein BBQ. Dem Festessen folgte ein Abend voller Geschichten und Tanz bis hin zu einem lustigen Kampf mit dem Wasserschlauch. Ein Abend voller Gelächter und Unterhaltung. Und für uns eine willkommene Pause vom hohen Arbeitstempo an Bord.

Riesenbakterien auf der Spur

In den folgenden zwei Tagen, nutzen wir das Parasoundsystem, um den Meeresboden zu kartieren, während wir für noch mehr Proben zur flachen Küstenregion zurückkehrten. Liebevoll „mud-belt“genannt. Der Grund dafür waren so genannte Große Schwefelbakterien (Beggiatoa und Thiomargarita), die dort in großen Populationen leben. Diese Bakterien sind so groß, dass man sie mit bloßem Auge erkennen kann. Einfach phantastisch! Außerdem haben wir in den Sedimenten Schnecken gefunden, deren Gehäuse mit Bakterien besiedelt wurden. Solche hatte ich noch niemals zuvor gesehen. Die Organismen in dieser Region stehen oftmals in komplizierten Beziehungen zueinander, die zu einigen Anpassungen unter den Arten geführt haben.

Die dritte Woche neigt sich dem Ende und wir warten optimistisch auf einen Kern von unserem Meerebodenbohrgerät. Bald ist es Zeit, die Richtung nach Walvis Bay einzuschlagen und die Wetteraussichten stehen gut. Vor uns liegen noch mehr harte Arbeit, schlammverkrustete Kleidung, mehr schlecht riechende Gase aus den Kernen und weitere lange Stunden im Kühlraum. Alle wissend, wir werden dies vermissen, sobald die Reise endet.

Viele Grüße,

Meteor-Log: 20. April Bild 2












Mike Formolo (Mitte)


Article in English


ARCHIV: Archiv METEOR: Fahrtleiter-Logbuch

Hier finden Sie alle Einträge
in das Fahrtleiter-Logbuch
ab dem 11. April 2008.
Autoren:
PD Dr. Matthias Zabel und Dr. Tim Ferdelman