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erstellt von admin zuletzt verändert: 12.04.2012 15:20

Schwierige Abschätzung
Deutschland hat in Sachen Erdbebengefährdung Glück. Entlang des Rheins von der Schweizer bis zur niederländischen Grenze, auf der Schwäbischen Alb und im Vogtland gibt es seismische Aktivität von nennenswerter Stärke. Ansonsten ist es hierzulande wie auch im Rest des nördlichen Mitteleuropas ziemlich ruhig. Das heißt jedoch nicht, dass die Gefährdung gleich Null wäre. Auf dem 5. Kolloquium über Historische und Paläoseismizität, das diesmal in Hannover stattfand, wurden die Herausforderungen deutlich, vor denen die Abschätzung seismischer Gefährdung in Deutschland steht.
Erosion bei der Arbeit
Die Steilküsten der Welt sind besonders der Erosion ausgesetzt. Wind und Wellen, Sonne und Regen setzen den Kreidefelsen von Dover ebenso zu wie der Steilküste von Rügen oder der an der kroatischen Adria. Britische Geowissenschaftler haben an den Kliffs der nordostenglischen Hafenstadt Whitby die Erosion in höchstmöglicher Präzision protokolliert. Stündlich wird die 55 Meter hohe Steilwand unterhalb der berühmten Klosterruine von einem Laser vermessen. Über das Projekt wurde auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien berichtet.
Hydrologie für den kleinen Geldbeutel
Datengetriebene Naturwissenschaft ist eine aufwendige Materialschlacht, die sich viele schlechtfinanzierte Institute in Entwicklungsländern überhaupt nicht leisten können. Weil zum Beispiel die Gewässerüberwachung aber auch in einem armen Land wie Myanmar sehr sinnvoll ist, haben dortige Studenten mit Hilfe von Hydrologen der Technischen Universität Delft ein preiswertes, wenn auch nicht ganz so hochgezüchtetes hydrologisches Monitoringsystem entwickelt. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien wurde der Ansatz vorgestellt.
Zur Schärfung des Risikobewusstseins
Erdbeben gehören zu den schadenträchtigsten Naturgewalten, und die Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass eine exakte Vorhersage von Ort und Zeitpunkt Utopie bleiben wird. Intensiv erforscht wird dagegen die sogenannte probabilistische Vorhersage, die mit der Eintrittswahrscheinlichkeit das Risiko beziffert, mit dem ein Beben zu erwarten ist. Italienische Wissenschaftler berichteten jetzt in "Science Advances" von viel versprechenden Testläufen ihres Systems.
Ausbruch in entscheidender Zeit
Der Einfluss von Vulkanen auf das Klima ist in der Regel beschränkt. Der heftige Ausbruch des Pinatubo 1991 senkte die globale Mitteltemperatur für ein bis zwei Jahre um bis zu 0,4 Grad, die Explosion des Mount St. Helens 1980 hatte keine größeren Konsequenzen. Ein internationales Forscherteam hat jetzt allerdings in einem Eisbohrkern aus der Westantarktis Spuren einer 192 Jahre dauernden Eruptionsfolge gefunden, die sich auf das Ende der jüngsten Kaltzeit auf der Südhalbkugel ausgewirkt haben könnte. In den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften berichten sie darüber.
Machtvoller Vortrieb
Die Plesiosaurier gehören zu den unverwechselbaren Tieren des Erdmittelalters und zu seinen erfolgreichsten Meeresbewohnern. Wie sich die Tiere im Wasser aber fortbewegten, ist seit der Entdeckung des ersten Fossils 1719 in Lincolnshire umstritten. In den Abhandlungen der Royal Society zeigen britische Wissenschaftler, wie effizient der Schwimmstil der Tiere vermutlich gewesen ist.
20.000 Jahre früher angekommen
Die Besiedlung Australiens und des ihm vorgelagerten indonesischen Archipels ist ein heftig umstrittenes Feld der Paläoanthropologie. Die bisherigen archäologischen Funde sprachen stets für eine relativ späte Besiedlung vor frühesten 45.000 Jahren. Phylogenetische und ökologische Studien legten dagegen ein viel früheres Einwanderungsdatum nahe, das mindesten bei 60.000 Jahren lag. Jetzt haben in "Nature" zwei Forschergruppen voneinander unabhängig neue Befunde vorgelegt, die tatsächlich für eine sehr frühe Besiedlung sowohl Australiens, als auch Sumatras sprechen.
Verdrängtes Problem
Wie man sich von Verstorbenen verabschiedet, gehört zu den am tiefsten verwurzelten Traditionen einer Gesellschaft, doch Bestattungsformen können auch zu Umweltfaktoren werden. Ein EU-gefördertes Forschungsprojekt beschäftigt sich vor allem mit der kulturellen und sozialen Kraft der Bestattung in der europäischen Geschichte, doch es hat auch die ökologischen Folgen der hiesigen Beerdigungsformen aufgedeckt. Über diese Folgen berichteten beteiligte Wissenschaftler auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien.
Blitzschneller Wechsel
Das Leben auf der Erde kennt eine Handvoll entscheidender Weichenstellungen, die das Zusammenspiel von Planet und Organismen in neue Bahnen lenkten. Eine dieser Weichenstellungen ist die Etablierung der Grünalgen als Basis der Nahrungsnetze in den Ozeanen. Auf der Goldschmidt-Tagung der Geochemiker in Paris und zeitgleich in "Nature" stellt ein internationales Geochemiker-Team eine Chronologie dieser entscheidenden Periode im Präkambrium vor. Der Wechsel von Cyanobakterien zu Grünalgen vollzog sich innerhalb von nur 14 Millionen Jahren.
Neuer Blick auf alte Gesteinsproben
Die Suche nach den ältesten Lebensspuren ist für die beteiligten Wissenschaftler so etwas wie ein verzwickter Kriminalfall: Einen direkten Beweis gibt es bislang in keinem Fall, also müssen komplizierte Indizienketten aufgebaut werden, am besten mehrere voneinander unabhängige. Eine mindestens 3,7 Milliarden Jahre alte Formation im westgrönländischen Isua gehört zu den Bewerbern um den Titel. Jetzt haben dänische Forscher mit einer hochmodernen Untersuchungsmethode weitere Indizien für ihren Anspruch vorgelegt. Auf der Goldschmidt-Tagung in Paris trugen sie ihre Ergebnisse vor.
Vielfalt im Schatten der Saurier
Im Zeitalter der Dinosaurier haben sich die Säugetiere einen überraschend vielfältigen Lebensraum erschließen können. Dafür liefern die nordostchinesischen Provinzen Liaoning und Hebei seit Jahren regelmäßig Beleg um Beleg. Die jüngsten Funde sind in der aktuellen "Nature" publiziert: "Flughörnchen" aus dem mittleren Jura, die zwischen den gewaltigsten Landwirbeltieren der Erdgeschichte von Baum zu Baum glitten.
Vulkanismus mit tiefen Wurzeln
Die Vulkane der Erde sitzen in ihrer großen Mehrzahl an den Grenzen der Krustenplatten und werden von der Plattentektonik angetrieben. Eine geringe Zahl von Feuerbergen allerdings bezieht ihr Magma aus großer Tiefe des Erdmantels und ist von der Bewegung der Platten an der Oberfläche nahezu unabhängig. Kalifornische Geophysiker haben jetzt in "Science" vorgestellt, wie der Fuß eines solchen Hot-Spot-Vulkans an der Kern-Mantel-Grenze aussieht. Ihr Beispiel war Island.
Bestandsaufnahme der polaren Meeresböden
Polarforscher aus aller Welt haben ein im digitalen Zeitalter ungewöhnliches Projekt beendet. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union stellten das britische Herausgeber-Team den "Atlas der glazialen Meeresbodenformationen" vor und empfahlen ausdrücklich die Buch-Version. Mehr als 600 Seiten stark und 2,7 Kilo schwer bietet der Band für 140 Pfund einen Vergleich zwischen beiden Polen.
Durchblick am Aletschgletscher
Geophysiker haben bei ihrem Forschungsgegenstand häufig das Problem, dass sie nicht hineinblicken können. Entweder verhindert es die große Tiefe im Erdinneren oder die schiere Größe. Daher greifen die Wissenschaftler zu verschiedenen Durchleuchtungsmethoden. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien wurde die Nutzung von kosmischen Myonen als Tomographie-Methode vorgestellt.
Dramatisches Gedankenexperiment
Wissenschaftler am Dänischen Meteorologischen Institut haben ein, wie sie sagen, Gedankenexperiment durchgeführt: Sie ließen das hauseigene Klimamodell 1100 Jahre weit in die Zukunft rechnen, um zu sehen, wie sich das Klima in Europa verändert, wenn die Erde sich weiter erwärmt. Unter der Voraussetzung, dass die Menschheit so weitermacht wie bisher, steigt die globale Mitteltemperatur auf das Doppelte des derzeitigen Wertes und in Europa herrschen völlig andere Wetterverhältnisse als derzeit noch.
Klimagewinnler an der Baumgrenze
In den meisten Hochgebirgen macht sich der Klimawandel bereits bemerkbar. Gletscher schwinden, Permafrost zieht sich zurück und lässt Felstürme instabil werden. Doch es gibt auch Profiteure. Forstökologen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben an der Baumgrenze nach ihnen gesucht und sie besonders unter Lärchen gefunden.
Pilze mit "Nutzvieh"
Die Suche nach einem geeigneten Endlager für schwedischen Atommüll hat im tiefen Gestein Südschwedens eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Mikroben zu Tage gefördert. In einem Bohrkern aus 740 Meter Tiefe fanden zwei schwedische Wissenschaftler ein Geflecht aus versteinertem Pilzgeflecht, an dem noch Reste eines ebenso versteinerten Biofilms hafteten. Ihren Fund stellen sie in "Nature Communications" vor.
Klimafaktor Wald
Israels Staatsgebiet besteht zu mehr als der Hälfte aus dem Negev, 12.000 Quadratkilometer Halbwüste, die sich bis Eilat am Roten Meer hinab erstreckt. An ihrem Nordrand wurde vor gut 50 Jahren ein Wald gepflanzt, der sich seither sehr gut entwickelt. Das deutsch-israelische CLIFF-Projekt untersucht die Rolle dieses Yatir-Waldes für das lokale Klima, um Erkenntnisse für die Begrünung vergleichbarer semi-arider Gebiete zu gewinnen. Auf der EGU-Jahrestagung in Wien präsentierten die Forscher erste Ergebnisse.
Mangroven bieten Rückzugsraum für Korallen
Korallenpolypen scheinen sich durchaus mit den schlechteren Umweltbedingungen arrangieren zu können, die im Zuge des Klimawandels für das Ende des Jahrhunderts vorhergesagt werden. Wissenschaftler berichten jetzt von solchen Riffen, die unter Extrembedingungen in einer Lagune gedeihen. Dennoch, so warnen sie, müssten die Bemühungen weitergehen, dass die Weltmeere erst gar nicht so weit kommen.
Bohren, bis der Eisberg kommt
Sechs Wochen lang war der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" im Februar und März diesen Jahres im antarktischen Amundsenmeer unterwegs. Das Schiff hatte das Meeresbodenbohrgerät MeBo-70 an Bord, das zum ersten Mal unter antarktischen Bedingungen eingesetzt wurde. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien berichtete Fahrtleiter Karsten Gohl über die Expedition.