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erstellt von admin zuletzt verändert: 12.04.2012 14:20

Überraschende Artenvielfalt
Die bisher schwerste Krise erlebte die belebte Natur an der Wende vom Perm zur Trias vor 251 Millionen Jahren, als mehr als drei Viertel aller bekannten Arten ausstarben. Nur langsam soll damals das Leben wieder Tritt gefasst haben, um dann umso erfolgreicher ins Dinosaurierzeitalter aufzubrechen. Ein Bericht in "Science Advances" zieht diese mühsame Erholung jetzt in Zweifel, denn er stellt ein blühendes Ökosystem mit urtümlichen und neuartigen Organismen vor. Die Funde sind knapp eine Million Jahre jünger als das Perm-Trias-Massensterben.
Engpass bei scheinbarem Überflussgut
Neben Wasser ist Sand die am meisten verbrauchte Ressource der Welt, noch vor Öl. Und obwohl es gigantische Sandwüsten rings um den Globus gibt, droht im Fall von Sand ein Versorgungsengpass. Weil die Bauindustrie mit Wüstensand nichts anfangen kann, suchen Forscher nach Alternativen. Und werden fündig, unter anderem Dank der Hilfe winziger Bakterien.
Kontinent unter Wasser
Im Untergrund des Indischen Ozeans stecken vermutlich Reste des einstigen Superkontinents Gondwana. Darauf deuten mehr als 2,5 Milliarden Jahre alte Zirkone, die Geowissenschaftler aus Südafrika, Norwegen und Deutschland in "Nature Communications" vorgestellt haben. Die Zirkone stammen von Mauritius, einer gerade neun Millionen Jahre alten Vulkaninsel. Die Wissenschaftler werten sie als Spuren von untergegangener Kontinentkruste.
Winzlinge mit großer Wirkung
Die kambrische Artenexplosion, bei der vor 542 Millionen Jahren schlagartig die Vorläufer von zahlreichen Tierarten auf der Bühne des Lebens erschienen, hat wohl gar nicht stattgefunden, sondern ist nur auf schlechte Überlieferung zurückzuführen. Je genauer die Paläontologen mit ihren immer feiner auflösenden Methoden hinschauen können, umso stärker werden die Hinweise, dass sich die kambrische Tierwelt im mikroskopisch Kleinen vorbereitet haben muss. In zwei Zeitschriften der "Nature"-Gruppe werden jetzt winzige Fossilien aus dem Kambrium vorgestellt, die nur wenig jünger als die Artenexplosion sind und für genau diese Lücke in der Überlieferung sprechen.
Die zweite Revolution in der Plattentektonik
Die Theorie der Plattentektonik hat sich vor gerade einmal 50 Jahren durchgesetzt. War Alfred Wegener noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts für seine Idee von der Kontinentaldrift höhnisch verlacht worden, setzte sich die Sicht von der beweglichen Erdkruste gegen Ende der 60er-Jahre durch und revolutionierte das Verständnis, wie die Erde funktioniert. Jetzt glauben Geowissenschaftler, dass eine zweite Revolution in der Tektonik ansteht: Das Bild der Bewegungen an der Oberfläche wird ergänzt durch das vom Verbleib der an den Subduktionszonen in den Erdmantel abgetauchten Krustenplatten.
Erdmantel zum Anfassen
Das omanische Hadschar-Gebirge ist einer der wenigen Orte auf der Erde, an dem man Gestein aus dem Erdmantel untersuchen, ja anfassen kann. Die Formation ist Resultat eines "Unfalls" der Plattentektonik von vor rund 95 Millionen Jahren. Ein Projekt des Internationalen Kontinentalen Tiefbohrprogramms bohrt zurzeit in bis zu 600 Metern Tiefe. Die Wissenschaftler wollen unter anderem erkunden, wie das Gestein Kohlendioxid aus der Luft bindet.
"Blutende" Wasserfälle am Gletscher
Die Antarktis erscheint als lebensfeindlicher Eiskontinent, der nur an den Rändern von gut angepassten Spezialisten bewohnt werden kann. Dieser Eindruck trügt offenbar, denn mehr und mehr stellt sich heraus, dass auf dem Südkontinent zwischen Eispanzer und Gesteinsbett eine Zone mit Seen und Flüssen existiert, die von überraschend vielfältigen mikrobiellen Ökosystemen besiedelt ist. Mittlerweile kennt man Mikrobengemeinschaften selbst unter dem gewaltigen Eispanzer der Ostantarktis. Von einem besonders auffälligen Fund in den trockensten Tälern des Kontinents haben Forscher auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco berichtet.
Geburt einer Plattengrenze
Im Indischen Ozean hat sich 2012 eines der stärksten Erdbeben ereignet, das jemals innerhalb einer Krustenplatte gemessen wurde. Da das betreffende Gebiet unter mehr als 4000 Meter Wasser liegt, hat die Menschheit wenig davon mitbekommen, doch die Wissenschaftler wurden hellhörig. Eine Gruppe um den in Paris arbeitenden Satish Singh glaubt, dass das Beben die Entstehung einer Plattengrenze markiert. In „Science Advances“ haben die Forscher ihre Ansicht näher vorgestellt.
Aufwallungen unter Neuengland
Das US-Projekt Earthscope war eines der größten seismologischen Vorhaben der Geschichte. Zwischen 2008 und 2013 wurde die gesamte kontinentale Landfläche der USA bis in große Tiefe seismologisch durchleuchtet. Die Auflösung der Daten sucht seinesgleichen. Nach und nach werden jetzt die ersten Ergebnisse publiziert, die auf dem einzigartigen Datensatz beruhen. Zu ihnen gehört ein ungemein detailliertes Bild von Mantelaufwallungen unter den Neuenglandstaaten, das auf der Herbsttagung der US-amerikanischen Geophysikalischen Union AGU in San Francisco präsentiert wurde.
Eine Kolonie wurde abgewickelt
Das Schicksal der Wikinger, die unter Erik dem Roten Grönland entdeckten, ist eines der großen Rätsel der nordischen Geschichte. Bislang wird es als eine Tragödie interpretiert, an deren Ende die letzten Siedler in einer lebensfeindlichen Umwelt wahlweise von Inuit erschlagen oder an Hunger oder Krankheiten zugrunde gingen. Neueste Erkenntnisse aus Archäologie und Naturwissenschaften deuten jedoch auf eine andere Geschichte hin: auf eine Kolonie, der die wirtschaftliche Grundlage abhanden kam.
Klebengeblieben
China hat sich als eine wahre Fundgrube für kreidezeitliche Dinosaurier, speziell solche mit Federn, erwiesen. Die jüngste Sensation stammt jedoch nicht aus den bekannten Fundstätten rings um die nordöstliche Provinz Liaoning, sondern von einem Bernsteinmarkt im benachbarten Myanmar. Es ist das erste eindeutige Saurierfossil, das sich in Bernstein erhalten hat, und es besitzt - natürlich - Federn. In der aktuellen Ausgabe von "Current Biology" wird das Fossil vorgestellt.
Romer-Lücke wurde gefüllt
Ein Massenaussterben, bei dem vor allem im Meer ein Großteil der Tierarten ausstarb, beendete vor 360 Millionen Jahren das Devon. Die Krise des Lebens im Meer ist weithin bezeugt, vom Schicksal der Landlebewesen weiß man dagegen nahezu nichts. Der Mangel an Überlieferung trägt seit 1995 den Namen des US-Paläontologen Alfred Romer, der als erster auf diese Lücke hinwies. In der jüngsten „Nature Ecology & Evolution“ schließen britische Paläontologen diese Lücke in der Überlieferung mit neuen Fossilienfunden aus Schottland.
Mit oder ohne Gletscher
Grönlands Eispanzer ist nach der Ostantarktis der zweitgrößte der Welt. Die in ihm gespeicherte Wassermenge würde ausreichen, den globalen Meeresspiegel um mehr als sieben Meter ansteigen zu lassen. Zwei Studien in "Nature" geben jetzt derart unterschiedliche Auskunft über die Stabilität des Eisschildes in der Vergangenheit, dass sie einer dringenden Aufforderung zu schleunigster Intensivierung der Forschung gleichkommen.
Zehn Jahre bis zur Normalisierung
Oklahoma wird in absehbarer Zeit einen Spitzenplatz verlieren, auf den der Prärie- und Erdölstaat überhaupt nicht stolz ist. 2014 war er zum ersten Mal Erdbebenmeister der USA. Ein Risikomodell, das jetzt in „Science Advances“ vorgestellt wurde, erfasst den Zusammenhang zwischen Beben und der Wassermenge, die die Erdöl- und Erdgasindustrie in den Untergrund einleitet. Die Wissenschaftler haben so abgeschätzt, wie lange die Beben noch anhalten, nachdem die Einleitungen drastisch reduziert wurden.
Auf schwankendem Grund
Rund ein Viertel der Landoberfläche auf der Nordhalbkugel ist von Permafrost bedeckt. Dabei geht es nicht nur um einsame Weiten, durch die allenfalls Rentier- oder Yakherden ziehen. Vielmehr leben auch Millionen Menschen auf dauerhaft gefrorenem Boden. Das stellt sie vor immense technische Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel noch verstärken..
WLAN am Berg
In den Alpen sind Gletscher und Permafrostgebiete auf dem Rückzug. In der Schweiz setzen die Fachleute modernste Kommunikationstechnik ein, um ein genaues und lückenloses Bild zu erhalten. Auf der Internationalen Permafrosttagung in Potsdam stellten Wissenschaftler die Sensornetzwerke vor, mit denen die Eidgenossenschaft das Geschehen im Hochalpin überwacht.
Trügerische Ruhe in Bhutan
Erdbeben sind im Himalaja an der Tagesordnung, schließlich bohrt sich hier die indische in die eurasische Kontinentalplatte. Zwischen Pakistan im Westen und Myanmar im Osten sind auch schwerste Beben mit Magnituden von 7,5 und mehr möglich, nur in Bhutan klaffte bislang eine seismische Lücke, in der sich nur mittelschwere Beben ereigneten. Ein Bericht in den „Geophysical Research Letters“ zeigt, dass es sich nur um eine Lücke in der Überlieferung handelt.
Kraterbildung geklärt
Mindestens drei Mal ist die Erde in den vergangenen 2,5 Milliarden Jahren von wirklich großen Asteroiden getroffen worden - und vermutlich war es für den Planeten und die Lebewesen an seiner Oberfläche jedes Mal eine Katastrophe von globalen Ausmaßen. Am Beispiel des Chicxulub vor der Nordküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán haben Wissenschaftler des Internationalen Meerestiefbohrprogramm IODP jetzt klären können, wie ein solcher Einschlag abläuft. In der aktuellen „Science“ haben sie ihre Ergebnisse veröffentlicht.
Schild gegen Erdbebenwellen
Historische Bauwerke sind gegen Erdbebenwellen kaum zu schützen. Die notwendigen Eingriffe in die Gebäudestruktur zerstören in der Regel den historischen und künstlerischen Wert. Italienische Physiker haben jetzt ein alternatives Konzept mit Computersimulationen getestet und darüber im „New Journal of Physics“ berichtet. Dabei wird das gesamte Gebäude mit einem Pufferring umgeben, der die Energie der Erdbebenwellen auf ein tragbares Maß abschwächt.
Magma aus der Ferne
An der nordamerikanischen Westküste zieht sich wie auf einer Schnur aufgereiht eine Kette von Vulkanen, die vom US-Bundesstaat Oregon bis in die kanadische Provinz British Columbia reicht. Der bekannteste ist der Mount St. Helens, der am 18. Mai 1980 katastrophal ausbrach. Gerade er gab den Geologen bislang Rätsel auf, denn er tanzt aus der geographischen Vulkanreihe, weil er um 50 Kilometer nach Westen versetzt ist. In „Nature Communications“ liefern Geowissenschaftler aus New Mexico jetzt eine Erklärung.