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erstellt von admin zuletzt verändert: 12.04.2012 15:20

Blitzschneller Wechsel
Das Leben auf der Erde kennt eine Handvoll entscheidender Weichenstellungen, die das Zusammenspiel von Planet und Organismen in neue Bahnen lenkten. Eine dieser Weichenstellungen ist die Etablierung der Grünalgen als Basis der Nahrungsnetze in den Ozeanen. Auf der Goldschmidt-Tagung der Geochemiker in Paris und zeitgleich in "Nature" stellt ein internationales Geochemiker-Team eine Chronologie dieser entscheidenden Periode im Präkambrium vor. Der Wechsel von Cyanobakterien zu Grünalgen vollzog sich innerhalb von nur 14 Millionen Jahren.
Neuer Blick auf alte Gesteinsproben
Die Suche nach den ältesten Lebensspuren ist für die beteiligten Wissenschaftler so etwas wie ein verzwickter Kriminalfall: Einen direkten Beweis gibt es bislang in keinem Fall, also müssen komplizierte Indizienketten aufgebaut werden, am besten mehrere voneinander unabhängige. Eine mindestens 3,7 Milliarden Jahre alte Formation im westgrönländischen Isua gehört zu den Bewerbern um den Titel. Jetzt haben dänische Forscher mit einer hochmodernen Untersuchungsmethode weitere Indizien für ihren Anspruch vorgelegt. Auf der Goldschmidt-Tagung in Paris trugen sie ihre Ergebnisse vor.
Vielfalt im Schatten der Saurier
Im Zeitalter der Dinosaurier haben sich die Säugetiere einen überraschend vielfältigen Lebensraum erschließen können. Dafür liefern die nordostchinesischen Provinzen Liaoning und Hebei seit Jahren regelmäßig Beleg um Beleg. Die jüngsten Funde sind in der aktuellen "Nature" publiziert: "Flughörnchen" aus dem mittleren Jura, die zwischen den gewaltigsten Landwirbeltieren der Erdgeschichte von Baum zu Baum glitten.
Vulkanismus mit tiefen Wurzeln
Die Vulkane der Erde sitzen in ihrer großen Mehrzahl an den Grenzen der Krustenplatten und werden von der Plattentektonik angetrieben. Eine geringe Zahl von Feuerbergen allerdings bezieht ihr Magma aus großer Tiefe des Erdmantels und ist von der Bewegung der Platten an der Oberfläche nahezu unabhängig. Kalifornische Geophysiker haben jetzt in "Science" vorgestellt, wie der Fuß eines solchen Hot-Spot-Vulkans an der Kern-Mantel-Grenze aussieht. Ihr Beispiel war Island.
Bestandsaufnahme der polaren Meeresböden
Polarforscher aus aller Welt haben ein im digitalen Zeitalter ungewöhnliches Projekt beendet. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union stellten das britische Herausgeber-Team den "Atlas der glazialen Meeresbodenformationen" vor und empfahlen ausdrücklich die Buch-Version. Mehr als 600 Seiten stark und 2,7 Kilo schwer bietet der Band für 140 Pfund einen Vergleich zwischen beiden Polen.
Durchblick am Aletschgletscher
Geophysiker haben bei ihrem Forschungsgegenstand häufig das Problem, dass sie nicht hineinblicken können. Entweder verhindert es die große Tiefe im Erdinneren oder die schiere Größe. Daher greifen die Wissenschaftler zu verschiedenen Durchleuchtungsmethoden. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien wurde die Nutzung von kosmischen Myonen als Tomographie-Methode vorgestellt.
Dramatisches Gedankenexperiment
Wissenschaftler am Dänischen Meteorologischen Institut haben ein, wie sie sagen, Gedankenexperiment durchgeführt: Sie ließen das hauseigene Klimamodell 1100 Jahre weit in die Zukunft rechnen, um zu sehen, wie sich das Klima in Europa verändert, wenn die Erde sich weiter erwärmt. Unter der Voraussetzung, dass die Menschheit so weitermacht wie bisher, steigt die globale Mitteltemperatur auf das Doppelte des derzeitigen Wertes und in Europa herrschen völlig andere Wetterverhältnisse als derzeit noch.
Klimagewinnler an der Baumgrenze
In den meisten Hochgebirgen macht sich der Klimawandel bereits bemerkbar. Gletscher schwinden, Permafrost zieht sich zurück und lässt Felstürme instabil werden. Doch es gibt auch Profiteure. Forstökologen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben an der Baumgrenze nach ihnen gesucht und sie besonders unter Lärchen gefunden.
Pilze mit "Nutzvieh"
Die Suche nach einem geeigneten Endlager für schwedischen Atommüll hat im tiefen Gestein Südschwedens eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Mikroben zu Tage gefördert. In einem Bohrkern aus 740 Meter Tiefe fanden zwei schwedische Wissenschaftler ein Geflecht aus versteinertem Pilzgeflecht, an dem noch Reste eines ebenso versteinerten Biofilms hafteten. Ihren Fund stellen sie in "Nature Communications" vor.
Klimafaktor Wald
Israels Staatsgebiet besteht zu mehr als der Hälfte aus dem Negev, 12.000 Quadratkilometer Halbwüste, die sich bis Eilat am Roten Meer hinab erstreckt. An ihrem Nordrand wurde vor gut 50 Jahren ein Wald gepflanzt, der sich seither sehr gut entwickelt. Das deutsch-israelische CLIFF-Projekt untersucht die Rolle dieses Yatir-Waldes für das lokale Klima, um Erkenntnisse für die Begrünung vergleichbarer semi-arider Gebiete zu gewinnen. Auf der EGU-Jahrestagung in Wien präsentierten die Forscher erste Ergebnisse.
Mangroven bieten Rückzugsraum für Korallen
Korallenpolypen scheinen sich durchaus mit den schlechteren Umweltbedingungen arrangieren zu können, die im Zuge des Klimawandels für das Ende des Jahrhunderts vorhergesagt werden. Wissenschaftler berichten jetzt von solchen Riffen, die unter Extrembedingungen in einer Lagune gedeihen. Dennoch, so warnen sie, müssten die Bemühungen weitergehen, dass die Weltmeere erst gar nicht so weit kommen.
Bohren, bis der Eisberg kommt
Sechs Wochen lang war der deutsche Forschungseisbrecher "Polarstern" im Februar und März diesen Jahres im antarktischen Amundsenmeer unterwegs. Das Schiff hatte das Meeresbodenbohrgerät MeBo-70 an Bord, das zum ersten Mal unter antarktischen Bedingungen eingesetzt wurde. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien berichtete Fahrtleiter Karsten Gohl über die Expedition.
Frühester homo sapiens in Marokko gefunden
Ostafrika gilt als Garten Eden, von dem aus der anatomisch moderne Mensch die Welt besiedelte. Neue Funde im Westen Marokkos ziehen diese Sicht jetzt in Zweifel. In der Nähe von Marrakesch haben Paläoanthropologen Fossilien der frühesten Vertreter von homo sapiens gefunden, die auf ein Alter von rund 300.000 Jahren datiert werden. In der aktuellen „Nature“ werden die Funde vorgestellt.
Kein freudiges Ereignis
Am Larsen-C-Eisschelf vor der Ostküste der Antarktischen Halbinsel steht die Geburt eines gewaltigen Eisberges, doppelt so groß wie das Saarland, unmittelbar bevor. Das letzte große Schelfeisgebiet der Halbinsel steht vor dem Verlust von mehr als einem Zehntel seiner Fläche. Möglicherweise wird damit seine Auflösung eingeleitet.
Zahn mit Bedeutung
Ein schlecht erhaltener Unterkiefer und ein einzelner Backenzahn vom Balkan haben einen voraussichtlich jahrelangen Streit um die frühesten Vorfahren des Menschen ausgelöst. In "PLoS One" haben Wissenschaftler der Universitäten Tübingen und Toronto sowie vom Naturkundemuseum in Sofia den bislang als primitive Affenart eingestuften Graecopithecus zum bislang ältesten bekannten Vorfahren des Menschen befördert.
Wechsel in der Ahnengalerie
Das jüngst entdeckte Mitglied der menschlichen Gattung sucht noch seinen Platz im Stammbaum. Australische und amerikanische Wissenschaftler haben jetzt im "Journal of Human Evolution" den Homo floresiensis, auch Hobbit genannt, ganz an die Basis der menschlichen Gattung gesetzt. Sie bezeichnen ihn als "Schwesterart" des frühen Homo habilis. Damit käme der Hobbit zum einen auf eine für Menschenarten extrem lange Zeitspanne: Homo habilis ist rund zwei Millionen Jahre alt, die jüngsten Hobbit-Funde etwa 54.000. Er wäre andererseits auch Beleg für eine ganz frühe Migration der Homo-Vertreter aus Afrika in die Welt, die bislang nicht bekannt war.
Gletscherretter im Oberengadin
Weltweit sind die Hochgebirgsgletscher auf dem Rückzug. In den europäischen Alpen schrumpfen die Eisströme im Rekordtempo und stellen absehbar nicht nur die Sommerskigebiete vor Probleme. Am Morteratsch-Gletscher im Schweizer Oberengadin wird in diesem Jahr eine Methode erprobt, dem Gletscher wieder zu mehr Masse zu verhelfen. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien stellten die Initiatoren das Projekt vor.
Risiko für tiefe Vorkommen
Gut die Hälfte der Grundwasservorräte auf unserem Planeten bestehen aus sogenannten fossilen Vorräten, also solchen, die in menschlichen Zeiträumen nicht mehr aufgefüllt werden. Bislang gingen Experten davon aus, dass die fossilen Wasservorkommen durch ihre große Tiefe isoliert und damit auch vor den Schadstoffen der Oberfläche besonders geschützt seien. Eine Bestandsaufnahme in "Nature Geoscience", die zeitgleich auch auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien vorgestellt wurde, zieht diese Annahme in Zweifel.
Anspruch mit Sprengwirkung
Um mehr als 100.000 Jahre früher soll nach einem Bericht amerikanischer Paläontologen in "Nature" die Anwesenheit von Menschen auf dem Doppelkontinent anzusetzen sein. Für die Besiedelungsgeschichte Amerikas, in der um wenige Tausend Jahre leidenschaftlich und jahrzehntelang gestritten wird, wäre das eine wahrhaft epochale Umwälzung.
Kollaps mit Ansage
Im Osten der Antarktischen Halbinsel gerät das Schelfeis erneut in Bewegung. Zwei kleinere Teile des auf dem Meer schwimmenden Larsen-Schelfs haben sich dort in den vergangenen 25 Jahren bereits aufgelöst, jetzt scheint die größte Einheit, das mehr als 200 Kilometer weit ins Weddellmeer reichende Larsen-C, an der Reihe zu sein.