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„Eigenhändig die Alpen auffalten“

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Meteoritentreffer, Schlammlawinen, Vulkanausbrüche und Erdbeben – die „Unruhige Erde“ zeigt das ganze Gewaltpotenzial der Natur, und wie Geoforscher das Schlimmste verhindern wollen. Die Wanderausstellung konnte bisher mehr als 230.000 Besucher verzeichnen. Jetzt geht sie in die Verlängerung.

Das Gesicht unserer Erde ist einem ständigen Wandel unterzogen. Wie kraftvoll die Prozesse sind, die Gebirgsketten in über 8000 Meter Höhe und Kontinente über den halben Erdball schieben, können wir nur erahnen. Doch die Geoforschung gewinnt mehr und mehr Einblicke in die Vorgänge innerhalb unseres Planeten und kann diese dank modernster Hightech in immer bessere Frühwarnstrategien ummünzen. Wie weit die Arbeit auf diesem Gebiet gediehen ist und welche Naturgefahren sich der Mensch an vielen Ecken der Erde stellen muss, zeigt die Wanderausstellung „Unruhige Erde“.

Bereits seit Herbst 2006 tourt die vom Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN konzipierte Ausstellung durch Deutschland – begleitet durch ein gleichbleibend großes Besucherinteresse. Nun wurden drei zusätzliche Stationen in den Reiseplan aufgenommen und die Laufzeit bis ins Jahr 2009 ausgedehnt. Über die Ausstellungsverlängerung, regionale Geointeressen und die Chance, mit eigenen Händen Plattentektonik zu betreiben sprach planeterde mit Simon Schneider, Diplom-Geophysiker und innerhalb des Koordinierungsbüros zuständig für die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen und Internet.

planeterde: Zunächst eine grundsätzliche Frage: Warum hat man sich bei den GEOTECHNOLOGIEN dazu entschlossen, die Ausstellung „Unruhige Erde" zu verlängern?

Schneider: Die große Besucherresonanz hat uns gezeigt, dass das Interesse der Öffentlichkeit an den Geowissenschaften enorm groß ist. Die Wanderausstellung, die bisher sehr erfolgreich durch Deutschland tourt, wird zudem auch von Schulklassen sehr gut angenommen. Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer haben uns mit ihrem positiven Feedback darin bestärkt, die Ausstellung sogar über 2008 hinaus bis hinein in das Jahr 2009 zu verlängern.

planeterde: Das bedeutet, dass der Vulkanpark nicht die letzte Station sein wird?

Schneider: Ganz genau. Die neuen Standorte der Ausstellung sind neben dem Vulkanpark Eifel (seit dem 14. März) das Naturkundemuseum in Dresden (ab 10. Juli) und das Staatliche Museum für Naturkunde in Karlsruhe (ab Mitte Oktober).

planeterde: Für alle, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben: Warum lohnt sich ein Besuch?

Schneider: Jeder, der schon einmal ein Erdbeben erlebt, einen Vulkanausbruch gesehen oder die Folgen großer Erdrutsche und Meteoriteneinschläge in der Landschaft wahrgenommen hat, bekommt die Gelegenheit, mehr über die Ursachen dieser Phänomene zu lernen. Warum es Erdbeben auch in Deutschland gibt, welche Auswirkungen gewaltige Erdrutsche haben können, oder wieso nicht etwa die rotglühende Lava, sondern der feine Staub einer Vulkaneruption besonders gefährlich ist – das sind Fragen, die in der Ausstellung beantwortet werden. Zudem können an zahlreichen Mit-Mach-Stationen Aspekte der Naturgefahren selbst erlebt werden. Der Besucher kann hier z. B. die Afrikanische Erdplatte gegen die Europäische schieben und dabei eigenhändig die Alpen auffalten. Auch haben wir eine Miniaturausgabe des Vulkans Merapi hier, dem man beim Ausbrechen zuschauen und dabei sogar in ihn hineinsehen kann. Und haben Sie schon einmal einen echten Außerirdischen angefasst? Auch das ist hier möglich – anhand eines Meteoriten, der vielleicht schon älter ist als unser Heimatplanet selbst.

planeterde: Welches Fazit ziehen Sie aus dem bisherigen Ausstellungsverlauf?

Schneider: „Unruhige Erde" hat gezeigt, dass die Öffentlichkeit ein großes Interesse an den aktuellen geowissenschaftlichen Forschungsthemen hat. Die Ausstellung unterstreicht, dass das Engagement der GEOTECHNOLOGIEN im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sinnvoll ist, sogar von der Öffentlichkeit gesucht wird. Wir sind mit dem Verlauf sowohl der Ausstellung wie auch des begleitenden Vortragsprogramms bisher sehr zufrieden.

planeterde: Wie viele Besucher hatte die Ausstellung bisher?

Schneider: Mehr als 230.000 Besucher konnten an den bisherigen sechs Standorten gezählt werden. Zudem kamen mehr als 1.400 Zuhörer zum Vortragsprogramm, und es wurden rund 300 Führungen für Schulklassen und Besuchergruppen angeboten. Ein Erfolg, der für sich spricht.

planeterde: Die Stationen der Ausstellung waren bisher Frankfurt am Main, Münster, Bremen, München, Bonn und Berlin. Gab es regionale Unterschiede zu beobachten was etwa das Besucherinteresse anbelangt?

Schneider: Kleinere Unterschiede gab es in der Tat. So sind in Bonn und jetzt in der Eifel natürlich Vulkane von großem Interesse. In Frankfurt am Main und München standen vor allem Erdbeben im Mittelpunkt der Betrachtungen. Diese regionalen Interessensunterschiede entstammen sicherlich der jeweiligen regionalen Geologie. So sind die Vulkane der Eifel oder die Erdbeben im Voralpenland natürlich vor allem für die Besucher aus den jeweiligen Regionen wichtig. Aber wir sehen auch, dass das Interesse an den Naturgefahren überregional sehr groß ist. So sind Erdbeben und ihre Ursachen heute beinahe jedem präsent, der einmal nach Italien, Griechenland oder in die Türkei gereist ist. Regionen eben, die in Europa als die Hauptrisikogebiete für Erdbeben gelten.

planeterde: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von den Besuchern erhalten?

Schneider: Das Feedback der Besucher ist ausgesprochen positiv. In den Gästebüchern der Ausstellung finden sich viele Kommentare, nicht nur zur inhaltlichen Aufbereitung der Themen, sondern auch zur optischen Gestaltung der Ausstellung und zur Vielfalt der Exponate. An dieser Stelle sei den vielen Leihgebern aus Universitäten und Forschungseinrichtungen gedankt, die die Ausstellung mit Exponaten und Modellen ausgestattet haben.

planeterde: Interaktiv begleitet wird die Ausstellung durch das Format „Ask a Prof.“, das die Möglichkeit bietet, sich direkt mit seinen Fragen an die Geo-Experten zu wenden. Wie stark wird dieses Angebot bisher genutzt?

Schneider: „Ask a Prof." – also „Frage einen Professor“ – ist zu Beginn der Ausstellung als Versuch gestartet worden, einen Eindruck von den Ideen und Fragen der Besucher zum Themengebiet „Georisiken" zu erhalten. Heute, nach gut 17 Monaten, zeigt sich, dass die Aktion ein großer Erfolg war. Viele Hundert Fragen sind schon an unsere Experten – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universitäten und Forschungseinrichtungen – gegangen. Die spannendsten und interessantesten sind samt Antworten auch im Internet zu sehen (siehe Artikelabspann, Anm. d. Red.).

planeterde: Die Ausstellung wird stets durch ein Rahmenprogramm flankiert. Wie sieht dieses an der jetzigen Station von „Unruhige Erde“ im Vulkanpark Eifel aus?

Schneider: Das Begleitprogramm im Vulkanpark besteht aus Vorträgen und Exkursionen. So wird am kommenden Mittwoch, dem 19. März, Tobias Schorr von VolcanoDiscovery über „Von der Eifel nach Hawaii – Vulkane, Natur und Kultur" berichten und aktuellste Bilder von aktiven Feuerbergen zeigen. Am 2. April wird Dr. Pösges vom Nördlinger Rieskratermuseum in die Eifel kommen und über die Gefahren von Meteoriteneinschlägen berichten. Und Interessantes zum Thema "Erdbeben und Bauwerke" wird Prof. Meskouris von der RWTH Aachen am 28. Mai vorstellen. Ergänzt wird das Rahmenprogramm durch zwei Exkursionen in die Vulkaneifel, die sich zum einen mit dem gewaltigen Ausbruch des Laacher Vulkans, zum anderen mit dem Einfluss der Vulkangeologie auf die Gesellschaft beschäftigen werden.


Noch bis zum 22. Juni wird die Ausstellung „Unruhige Erde“ im Vulkanpark im Landkreis Mayen-Koblenz zu sehen sein. Weitere Informationen finden Sie hier.

Allgemeine Infos zur Ausstellung finden Sie auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN.

Noch Fragen zum Thema Geo-Risiken? "Ask a Prof." hilft. Stellen Sie einfach Ihre Fragen per E-Mail und stöbern Sie hier in den Antworten.

TM, iserundschmidt 04/2008