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Augen im All

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 26.06.2008 10:18

Die Beobachtung von Erde, Mond und Mars durch die Kameraaugen von Satelliten ist heute nichts Besonderes mehr. Vor 43 Jahren allerdings war es eine Sensation: Am 31. Juli 1964 übermittelt Ranger 7 die ersten Nahaufnahmen vom Mond - Planungsgrundlage für die späteren Apollo-Missionen der NASA. Diese feierte übrigens vor zwei Tagen ihren 49. Geburtstag.

Als die "National Aeronautics and Space Administration (NASA)" am 29. Juli 1958 offiziell ins Leben gerufen wurde, lag der Start des ersten künstlichen Satelliten "Sputnik 1" durch die Sowjetunion noch nicht einmal ein Jahr zurück. Zwar führte der Sputnik-Schock zur Gründung der NASA, schon bald jedoch rückte ein anderes Ziel in den Fokus der Weltraumbehörde als nur das Erreichen des Low-Earth-Orbit von Sputnik 1: der 384.000 Kilometer entfernte Mond.

Premiere für Ranger 7

Premiere für Ranger 7: Das erste Mond-Bild einer amerikanischen Raumsonde zeigt auf der rechten Seite die Krater Alphonsus (Mitte), Ptolemaeus (oben) und Arzachel (unten) sowie das Mare Nubium (Mitte und links). (c) NASA

Den Erdtrabanten aus direkter Nähe zu betrachten war die Aufgabe des amerikanischen Ranger-Programms. Fünf Jahre nachdem die sowjetische Mondsonde "Lunik 3" zum ersten Mal die Rückseite des Mondes fotografiert hatte, entsandte die NASA im August 1961 den ersten von insgesamt neun Satelliten. Die ersten sechs Versuche waren allesamt Fehlschläge: Einmal versagten die Kameras der Sonde, einmal der Steuercomputer, zweimal riss der Kontakt zum Kontrollzentrum ab und zweimal endete die Reise bereits im Erdorbit.

Neben dem Scheitern hatten Ranger 1 bis 6 aber vor allem eines gemeinsam: Sie zerschellten planmäßig am Ende ihrer Reise auf der Mondoberfläche. Im Jahre 1964 schließlich wendete sich das Blatt. Ranger 7 war der erste Vertreter seiner Baureihe, der nicht nur abstürzte, sondern kurz vor der unsanften Landung noch die lang ersehnten Nahaufnahmen zur Erde schickte. Insgesamt sechs Kameras knipsten während der letzten 17 Flugminuten 4308 Bilder der Mondoberfläche, 1000mal hochauflösender als alle erdgebundenen Beobachtungssysteme zu dieser Zeit. Zusammen mit den Fotos, die seine Nachfolger Ranger VIII und IX sowie die ab 1966 gestarteten US-amerikanischen "Lunar-Orbiter"-Sonden lieferten, hatten die Apollo-Planer mehr als genug Material, um nach geeigneten Landeplätzen für eine bemannte Mission zu suchen.

Satellit „GOCE“

Ein moderner Nachfahre der ersten Weltraumkundschafter: Der Satellit "GOCE" in den Fertigungshallen der "Thales Alenia Space facility" im italienischen Turin. (c) ESA - S. Corvaja


Die neun Ranger-Sonden gehörten zusammen mit denen der "Explorer"-Reihe, die die Erde statt den Mond im Visier hatten, zu den Vorreitern in Sachen Fernerkundung aus dem All. Heute treten Missionen wie der erste operationelle deutsche Fernerkundungssatellit TerraSAR-X, die Satelliten-Zwillinge GRACE, der im Jahr 2000 gestartete CHAMP oder der voraussichtlich im März 2008 aufbrechende GOCE in ihre Fußstapfen. Diese liefern weitaus tiefer gehende Einblicke ihres Zielobjekts als die "Rangers" vor fast einem halben Jahrhundert. So konzentrieren sich die meisten der innerhalb des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkts "Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum" geförderten Projekte für das, was höchstens indirekt sichtbar ist: das Schwerefeld und das Magnetfeld der Erde.

TM, iserundschmidt 07/2007


Weitere Infos zum GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunkt "Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum" finden Sie hier.

Mehr Informationen rund um das Ranger-Programm der NASA finden Sie hier.

Verweise
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