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Beben im Ballungsraum

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 15.03.2010 17:42

Als am 17. Oktober 1989 die ersten Erdstöße die Bucht von San Francisco treffen, ist dies der Auftakt zum schwersten Erdbeben in der Region seit 1906. Das Loma-Prieta-Beben heute vor 18 Jahren trifft vor allem das Verkehrsnetz der Bay Area und zeigt, wie wichtig eine Frühwarnung speziell für die Versorgungswege eines Ballungsraums ist.

Den Namen erhielt das Beben vom Berg Loma Prieta in den Santa Cruz Mountains, in dessen Nähe das Epizentrum lag – die Quelle der Erdwellen, die am Nachmittag des 17. Oktober über den Ballungsraum San Francisco rollen. Mit einer Stärke von 6,9 auf der Richterskala ist es das schwerste Beben in Nordamerika seit 1906. Seinen Ausgangspunkt hat es wie 83 Jahre zuvor in den Tiefen des San Andreas Graben, der tektonischen Nahtstelle zwischen Pazifischer und Nordamerikanischer Erdplatte.

 

Luftaufnahme des zerstörten „Cypress Viadukts“.

Luftaufnahme des zerstörten „Cypress Viadukts“. Die zusammengebrochenen Fahrbahnebenen der Schnellstraße begraben Dutzende von Autofahrern unter sich. © H.G. Wilshire, U.S. Geological Survey


Die Schäden, die die 15 Sekunden des Bebens von 1989 anrichten, sind enorm. Insgesamt 62 Menschen sterben, über 3000 Personen werden verletzt, 18.000 Häuser zerstört. Am schlimmsten trifft es jene Stadtteile, die auf schwachem Grund, aufgeschüttetem Erdreich und dem Schutt der Katastrophe von 1906 errichtet wurden. Ein Großteil der auf insgesamt sechs Milliarden Dollar geschätzten Schadenssumme entfällt dabei auf einige der wichtigsten Verkehrsadern der Region, die das Beben stark in Mitleidenschaft zieht.

Neben der Unterbrechung der Energieversorgung und der Kommunikationsleitungen kann das Kappen lebenswichtiger Versorgungswege ein Unglück erst zur Katastrophe anwachsen lassen. Nicht erst seit 1989 liegt daher eine zentrale Aufgabe der Rettungsdienste – neben der Bergung von Verletzten und der Versorgung der Überlebenden – in der Wiederherstellung der „Normalität“, dem Zugang zu Wasser, Energie, Information und Gütern. Auch eine effektive Frühwarnung schließt neuralgische Punkte wie Kommunikation oder Verkehr mit ein. Ein gutes Beispiel liefert hier ein Projekt Karlsruher Forscher mit dem Namen „EWS TRANSPORT“.

Gefördert im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkts „Frühwarnsysteme im Erdmanagement“ arbeitet das Team um Prof. Dr. Eberhard Hohnecker an der Entwicklung eines Erdbeben-Frühwarnsystem – kurz EWS – speziell für Verkehrsinfrastrukturen. Die Wissenschaftler wollen dazu Hightech zur Erdbebenerfassung und eine darauf fußende Risikoeinschätzung einzelner Verkehrswege direkt mit den Verkehrsleitzentralen verkoppeln. Seismologische Messungen vermitteln ein Bild des Erdbebenverlaufs. Eine genaue Kenntnis der Statik einzelner Brücken und Hochstraßen komplettiert die Einschätzung der Lage dann zu einer Gefährdungsprognose für die betroffene Region.

Seit dem Loma-Prieta-Erdbeben vor 18 Jahren ist viel geschehen in Sachen Erdbebenforschung. Gerade Projekte wie EWS TRANSPORT könnten in Zukunft dabei helfen, selbst in dicht besiedelten Ballungsräumen wie der Bucht von San Francisco, Opferzahlen und Schadenssummen klein zu halten, wenn das nächste große Beben zuschlägt. Und lange auf sich warten lassen wird „The big one“ wahrscheinlich nicht: Nach einer Studie des U.S. Geological Survey (USGS) liegt die Wahrscheinlichkeit für ein starkes Beben in Kalifornien innerhalb der nächsten 25 Jahre bei 70 Prozent.

TM, iserundschmidt 10/2007


Mehr zum Forschungsvorhaben „EWS TRANSPORT“ und den übrigen 10 laufenden Verbundprojekten des GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunkts „Frühwarnsysteme im Erdmanagement“ finden Sie hier.

Wie EWS TRANSPORT aus Schienen den größten Erdbebensensor der Welt machen will, erfahren Sie auch hier auf planeterde.

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