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Brandgefährlich

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 22.02.2008 11:45

Vor wenigen Tagen waren sie wieder in den Schlagzeilen – die Feuertöpfe unserer Erde. Touristen in Südamerika mussten vor 1.000 Meter hohen Lavafontänen in Sicherheit gebracht werden. Wie unterschiedlich das Temperament von Vulkanen sein kann, erläutert Prof. Hans-Ulrich Schmincke am 23. Januar in einem Vortrag am Deutschen Technikmuseum in Berlin.

Anfang Januar war es der Llaima in Chile, der es in die Abendnachrichten schaffte. In einer dramatischen Aktion hatten Rettungsmannschaften mehr als 50 Touristen mit Hubschraubern befreit, nachdem ihnen bei einem erneuten Ausbruch des 3.125 Meter hohen Vulkans durch herabstürzendes Schmelzwasser der Fluchtweg abgeschnitten worden war. Feuer und Lava wurden mehr als 1.000 Meter in die Höhe geschleudert. Über dem Berg stand eine etwa fünf Kilometer hohe Rauchsäule.

Letzte Woche meldeten die Agenturen eine erneute Aktivität des Vulkans Galeras im Süden Kolumbiens. Am Donnerstagabend mussten 8.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, 400.000 Einwohner der nahe gelegenen Stadt Pasto wurden angewiesen, sich Notvorräte zuzulegen. „Vulkanausbrüche sind ein normales Naturereignis. Vulkangefahren ergeben sich dann, wenn Menschen zu nahe an tätigen Vulkanen siedeln“, sagt Prof. Hans-Ulrich Schmincke. Der emeritierte Professor des IFM-GEOMAR in Kiel gilt als der Vulkanexperte in Deutschland schlechthin. Am kommenden Mittwoch wird er im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN-Ausstellung "Unruhige Erde" einen Vortrag über die Feuerberge unserer Erde halten.

„Vulkanausbrüche sind ein normales Naturereignis. Vulkangefahren ergeben sich dann, wenn Menschen zu nahe an tätigen Vulkanen siedeln.“

Dabei wird es zunächst darum gehen, wie Vulkane entstehen und wie sie funktionieren. „Vulkane können nämlich ganz unterschiedlich ausbrechen“, erzählt Schmincke. Aus Vulkanen wie dem Kilauea auf Hawaii, dem aktivsten Vulkan der Erde, fließen überwiegend Lavaströme aus. Bei explosiven Exemplaren wie den beiden gerade jetzt besonders aktiven südamerikanischen Vulkanen Llaima und Galeras wird das aufsteigende Magma zerrissen, als Partikel-Gasgemisch in Form von Eruptionssäulen einige hundert Meter empor geschleudert und steigt dann „konvektiv“ wie eine Gewitterwolke manchmal in Höhen von über 40 Kilometern auf. „Besonders gefährlich sind Mischungen von, beim Aufstieg zerrissenen Lavapartikeln (Asch und Lapilli) und Gasen, die als Glutlawine die Hänge eines Vulkans hinabrasen“, sagt Schmincke. Diese „pyroklastischen Ströme“ können im Inneren bis zu 800 Grad heiß werden und mit mehreren hundert Kilometern in der Stunde ins Tal rasen.

Eine weitere, sehr gefährliche Klasse von Bodenströmen sind die so genannten Lahare, die durch Vermischung von Glutlawinen mit Wasser in Flussläufen entstehen. „Beim Zusammentreffen von aufsteigendem Magma und Grundwasser entstehen besonders explosive Eruptionen“, erzählt Schmincke. Brechen ganze Flanken eines Berges ab und rutschen als Schuttlawinen ins Meer, können zudem die gefürchteten großen Flutwellen – die Tsunamis – entstehen. Und schließlich können auch die hoch aufsteigenden Eruptionssäulen einer Vulkanexplosion eine Gefahr darstellen – nämlich für den Flugverkehr.

„So genannte Vulkankatastrophen sind gesellschaftliche Katastrophen, die dann entstehen, wenn sich der Mensch nicht rechtzeitig vor gefährlichen Vulkanausbrüchen schützt“, sagt Hans-Ulrich Schmincke. In seinem Vortrag wird er auf die Ursachen für die beiden größten „Vulkankatastrophen“ im 20sten Jahrhundert, St. Pierre (Martinique) 1902 und Armero (Kolumbien) 1985 eingehen. Bei letzterer fanden etwa 23.000 Menschen den Tod. Im Gegensatz zu Erdbeben lassen sich aber Vulkanausbrüche recht gut vorhersagen: Sie kündigen sich häufig viele Monate vorher durch Erdbeben, Entgasung, Aufbeulung der Erdkruste und Aufheizung an, sodass rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen wie großräumige Evakuierungen und Absperrung gefährdeter Gebiete getroffen werden können.

„Dass dies gut funktionieren kann, zeigen Beispiele wie der Ausbruch des Mt. St. Helens 1980 oder des Pinatubo 1991“, erzählt Schmincke. „Ein Problem ist allerdings, dass die Verletzlichkeit der modernen Gesellschaft extrem angestiegen ist.“ Als Beispiele nennt er die hohe Bevölkerungsdichte im Umkreis von Megacities, die dichte Besiedelung der Hänge aktiver Vulkane sowie die vielfältige Vernetzung unserer Gesellschaft. „Vulkankatastrophen beruhen daher im Wesentlichen auf ungenügender Vorsorge, sind gesellschaftlich bedingt und keine so genannten Naturkatastrophen“, stellt Schmincke fest. Und betont, dass auch wir uns nicht vor einer Auseinandersetzung mit den Gefahren der Feuerberge drücken können: „Auch in der Eifel könnten in Zukunft wieder Vulkane ausbrechen.“

Vortrag „Vulkaneruptionen – Vulkangefahren – Vulkankatastrophen: Auswirkungen, Vorhersage und Katastrophenvorsorge

Prof. Hans-Ulrich Schmincke führt durch die Welt der Feuerberge. Der Eintritt ist frei.
Ort: Deutsches Technikmuseum, Berlin
Zeit: Mittwoch 23.Januar, 18:30 Uhr

WR, iserundschmidt 01/2008


Das Deutsche Technikmuseum Berlin ist die sechste Station der Wanderausstellung "Unruhige Erde", die noch bis zum 22. Juni 2008 durch Deutschland touren wird. Weitere Informationen zur Berliner Station der Ausstellung finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Wanderausstellung „Unruhige Erde“ finden Sie hier.

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