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Dauerhaft verschluckt

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Auf dem Weg zu einem Versorgungsmix aus überwiegend erneuerbaren Energien gilt die Abscheidung und Verpressung von Kohlendioxid als viel versprechende Brückentechnologie. Forscher verfolgen deshalb das ehrgeizige Ziel, die unterirdische Speicherung von CO2 in wenigen Jahren zur Marktreife zu bringen.

Bei allen unbestreitbaren Vorteilen von regenerativer Energie liegt der Tag, an dem eine globale Versorgung vorrangig aus Sonne, Wind und Co. erfolgen wird, vermutlich noch mehrere Jahrzehnte in der Zukunft. Die globale Klimaerwärmung erfordert aber bereits heute Maßnahmen gegen eine übermäßige Kohlendioxid-Belastung unserer Atmosphäre. Was läge da näher, als das CO2, das beim Verbrennungsprozess in den Kraftwerken entsteht, gar nicht erst in die Luft zu lassen?

Obwohl die Abscheidung von Kohlendioxid im Kraftwerk und seine anschließende unterirdische Verpressung (CCS für "Carbon Dioxide Capture and Storage" genannt) noch ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet ist, ist dieses Verfahren dennoch bereits recht gut verstanden. "Bis wir eine Speicherung von Kohlendioxid auch im großen Maßstab technologisch vollständig im Griff haben, werden wir vielleicht noch fünf, maximal acht Jahre brauchen", glaubt Professor Reinhard Gaupp von der Universität Jena, "im kleineren Rahmen könnten wir sogar sofort damit beginnen."

Gaupp engagiert sich in verschiedenen Projekten rund um die Speicherung von CO2. Nach seiner Überzeugung ist diese Methode ein wichtiger, wenn auch zeitlich begrenzter Baustein hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung abseits von Kohle, Öl und Gas: "Unser Ziel muss es sein, nicht mehr von diesen Energiequellen abhängig zu sein. Das geht aber nicht von heute auf morgen." Somit sei CCS, auch wenn es aufgrund der endlichen Zahl verfügbarer Speicher "nur" einige Jahrzehnte praktiziert werden sollte, eine umweltpolitisch lohnende Technologie, ist Gaupp überzeugt.

In der Öffentlichkeit wird das Thema CCS hingegen kontrovers diskutiert. Bewohner von Regionen, die für eine testweise Verpressung des Treibhausgases vorgesehen sind, reagieren oft skeptisch auf das neue Verfahren. Sicherheitsbedenken seien aber wenig begründet, betont Reinhard Gaupp: "Diverse Forschergruppen beschäftigen sich sehr intensiv mit der Erkundung geeigneter Gesteinsschichten für eine dauerhafte Speicherung von CO2. Kohlendioxid wird nur dort eingeleitet werden, wo undurchlässige Deckschichten einen Wiederaustritt verhindern werden."

Wichtig ist also eine genaue Kenntnis des Untergrunds. So sind beispielsweise ehemalige Erdgasfördergebiete für eine künftige CO2-Einleitung prädestiniert. Um ihren Ausbeutegrad zu erhöhen, wird unter dem Begriff "Enhanced Gas Recovery" in diese Lagerstätten schon heute CO2 als Förderhilfsmittel eingeleitet. Dadurch konnten sich Wissenschaftler in einzelnen Fällen bereits ein gutes Bild davon machen, wie sich Kohlendioxid bei einer Injektion in poröses Gestein verhält.

Ein gutes Verständnis der geologischen Gegebenheiten kann auch eine andere Befürchtung entkräften, die häufig bei Szenarien zu einer großflächigen Verpressung von CO2 geäußert wird. Heute wird von den meisten Experten das Einleiten von Kohlendioxid in Gesteinsschichten favorisiert, die Salzwasser enthalten. Die kaum komprimierbare Flüssigkeit wird bei diesem Vorgang zu einem großen Teil verdrängt und könnte im ungünstigen Fall dabei auch ins Grundwasser gelangen. Um diese Kontaminierung zu vermeiden, werden umfangreiche geowissenschaftliche Voruntersuchungen durchgeführt. Entsprechende Gesteinsschichten werden nur für eine mögliche CO2-Lagerung in Betracht gezogen, wenn eine Grundwasserverunreinigung durch diese anspruchsvollen Vorerkundungen ausgeschlossen werden kann.

Geowissenschaftliches Know-how, das unter anderem den Projekten des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkts „Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO2 II“ entspringt. Vom aktuellen Stand der noch bis Mitte 2011 geförderten Vorhaben berichten Ende September Vertreter der Forscherteams auf einem zweitägigen Statusseminar in Jena. In Vorträgen und einer umfangreichen Posterausstellung werden die verschiedenen Konzepte und Technologien der Projekte anschaulich präsentiert.

Für Reinhard Gaupp, der das  Statusseminar organisiert, eine essentielle Methode für das Finden neuer Lösungsansätze: „Den Nutzen eines solchen Zusammentreffens habe ich bereits vor 30 Jahren erlebt, als ich das erste Mal an einer ähnlichen Veranstaltung teilnahm“, erzählt Gaupp, „damals als junger Nachwuchsforscher war ich versessen darauf, Gesprächspartner zu finden, die sich mit thematisch ähnlichen Dingen beschäftigen. Einerseits um meine Fortschritte besser einordnen zu können, andererseits aber auch um Anregungen und Verbesserungen zu erhalten.  Und in dieser Funktion haben solche Treffen unter Gleichgesinnten für mich bis heute nichts von ihrem Reiz verloren.“

RD, iserundschmidt 09/2010


Näheres zu den Projekten des Forschungsschwerpunkts „Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO2 II“ finden Sie auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN und in ausführlicher Form im „Science Report“ (PDF-Datei).

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