Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Archiv Aktuell Der Blick vom All ins Auge des Orkans

Der Blick vom All ins Auge des Orkans

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Sturmkatastrophen wie Orkane, tropische Wirbelstürme und Tornados fordern jährlich tausende Tote, verwüsten ganze Landstriche und verursachen Milliardensachschäden. Satellitengestützte Analysesysteme sollen helfen, sie frühzeitig zu lokalisieren und die betroffene Bevölkerung zu warnen.

Orkan Kyrill vernichtete 2007 viele alte Fichtenbestände in Nordrhein-Westfalen. (Bild: ElGrafo, Wikimedia Commons)Nachdem der Orkan Lothar im Jahr 1999 oder Kyrill knapp zehn Jahre später über Deutschland hinweg gezogen waren, bot sich ein trauriges Bild: Die Orkane hatten ganze Wälder abgeholzt – Bäume knickten um wie Streichhölzer – und zahlreiche Häuser abgedeckt. 28 Menschen kamen bei den Sturmkatastrophen ums Leben. Tornados, Hurrikane, Taifune und Zyklone stellen sogar eine noch größere Gefahr dar, da sie weitaus höhere Windgeschwindigkeiten erreichen können.

Tornado der Stärke F5, im Juni 2007 in Manitoba/Kanada beobachtet. (Bild: Justin1569, Wikimedia Commons)Man unterscheidet zwei Arten von Stürmen: Sich an Land entwickelnde Orkane und Tornados auf der einen Seite, auf dem Wasser entstehende tropische Wirbelstürme auf der anderen. Orkane entstehen durch das Aufeinanderprallen von kalten polaren mit warmen vom Äquator kommenden Luftmassen. Stößt Kaltluft aus hoch liegenden Gewitterwolken auf eine warme darunter liegende Luftschicht, löst das einen Tornado aus. Dabei sinkt die Kaltluft ruckartig ab, während der Wasserdampf säulenförmig aufsteigt und den charakteristischen Trichter bildet. Tornados können Geschwindigkeiten von mehr als 400 km/h erreichen und treten überwiegend auf dem nordamerikanischen Festland auf, wie zuletzt Mitte Mai in Oklahoma. Hierzulande sind überwiegend Orkane zu beobachten, zuletzt 2010 Xynthia, doch auch rund 100 Tornados werden jährlich gezählt, wobei die meisten schwach ausfallen.

Überflutungen im Jahr 2005 nach Hurrikan Katrina in Louisiana/USA. (Bild: NOAA, Wikimedia Commons)Tropische Wirbelstürme entstehen in den tropischen Gebieten der Weltmeere und werden im Atlantik Hurrikan genannt, im Pazifik Taifun und im indischen Ozean Zyklon. Allen gemein ist, dass sie mindestens Orkanstärke besitzen und damit Windgeschwindigkeiten von 118 km/h bis über 300 km/h erreichen. Sie entstehen durch das Aufeinanderprallen kalter Luftschichten mit von den Ozeanen angewärmten Luftmassen, weshalb ein Zusammenhang zwischen Klimawandel bzw. Erderwärmung und der Zunahme von Wirbelstürmen vermutet wird. Das Zentrum des Wirbelsturms bildet ein fast windstilles Auge. An dessen Boden nahe der Wasseroberfläche herrscht ein Tiefdruck, der von außen Luft ansaugt. Diese angezogenen Luftmassen bewegen sich aufgrund der Corioliskraft mit hohen Geschwindigkeiten um das Auge und bilden den auf Satellitenaufnahmen sichtbaren Wolkenwirbel. Erreichen Wirbelstürme das Festland, können sie dort mit Sturmböen und Starkregen zu Überflutungen führen und milliardenschwere Schäden an Gebäuden und Stromleitungen verursachen. Für Menschen sind vor allem herabfallende Trümmer, abgerissene Stromleitungen und herumfliegende Gegenstände gefährlich.

Helfer aus der Höhe

Mithilfe satellitengestützter Messungen lassen sich Stürme mittlerweile gut beobachten und abbilden. Computermodelle können aus den atmosphärischen Daten der Satelliten bis zu eine Woche im Voraus Prognosen errechnen, aus denen die meteorologischen Dienste Sturmwarnungen ableiten. So kann zumindest die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt und gegebenenfalls evakuiert werden. Trotz der Analysesysteme entwickeln sich jedoch mitunter als schwach eingeschätzte Tiefdruckgebiete zu Wirbelstürmen, Tornados oder Orkanen. Um die Vorhersagen noch verlässlicher zu machen, forschen Geowissenschaftler darum weiter an Frühwarnsystemen und verfeinern Satellitensysteme sowie Computermodelle stetig.

ES, iserundschmidt 06/2013


Zwischen 2006 und 2010 wurde die Entwicklung der Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren mit einem eigenständigen GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunkt im FuE-Programm gefördert. Im Rahmen eines weiteren Schwerpunkts zur Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum II wurde unter anderem das Projekt NRT-RO gefördert, das ein Prozessierungssystem für die Ableitung globaler atmosphärischer Daten aus Satellitensystemen und deren Anwendung zur Verbesserung von Wettervorhersagen entwickelte.