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Eine Weltraumagentur für Europa

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Als heute vor 37 Jahren die European Space Agency, kurz ESA, gegründet wurde, konnte sich noch niemand vorstellen, welchen Stellenwert sie schon bald einnehmen würde. Dabei verdankt sie ihre steile Karriere auch den Nachwehen des Wettlaufs zum Mond, der USA und UdSSR viel Kraft kostete.

Europa 1-Rakete auf der Startrampe in Woomera, Australien (ca. 1970). (Bild: DLR-Archiv Köln)Am Anfang standen zwei nicht sehr erfolgreiche europäische Raumfahrt-Organisationen. Die eine, die für die Entwicklung und den Bau wissenschaftlicher Satelliten verantwortliche ESRO, zerstritten über die zukünftige Ausrichtung zwischen den beiden Bereichen Wissenschaft und Anwendung. Die andere, die für die Entwicklung eigener Trägerraketen zuständige ELDO, konnte in ihrem ureigensten Aufgabengebiet nur Fehlschläge aufweisen. Die EUROPA-Rakete, die sie entwickeln wollte, wurde nie gebaut; das Programm 1973 eingestellt. Eine wirkliche Konkurrenz zu den Aktivitäten der beiden damaligen großen Raumfahrtnationen USA und UdSSR waren die europäischen Bemühungen nicht. Das ändert sich am 31. Mai 1975.

An diesem Tag fusionierten ESRO und ELDO offiziell zur ESA. Deren erste Aufgabe war die Entwicklung des Raumfahrtträgers „L 3 S“ – später berühmt geworden unter dem Namen Ariane. Europa sollte einen eigenen Zugang zum Weltraum erhalten – dieses Drängen auf Unabhängigkeit von „Mitfahrgelegenheiten“ bei Amerikanern und Russen war vor allem von Frankreich ausgegangen. Gleichzeitig besetzte die ESA mit dem Ariane-Programm eine neue Nische in Sachen Weltraumaktivitäten: Bahnhof und Trägersystem für alle Arten von Satelliten und Nutzlasten. Und das in einer Zeit, in der sowohl die USA als auch die damalige Sowjetunion ihre Raumfahrtbudgets im Nachklapp des Rennens zum Mond drastisch reduzierten.

Mehr als 180 Satelliten hat allein die Trägerrakete Ariane-4 in den Orbit gebracht, darunter Telekommunikationssatelliten, Wettersatelliten, Navigationssatelliten, künstliche Beobachter für alle Bereiche der Erdbeobachtung. Kaum vorstellbar, wie die heutigen Geowissenschaften ohne die ESA-Satelliten und die Trägersysteme, ihr Knowhow und Ingenieursleistungen dastehen würden. Gerade auch viele der deutschen Aktivitäten in diesem Bereich, etwa die des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN verdanken ihre Erkenntnisse den Trägersystemen der europäischen Raumfahrtagentur und sind eng mit den Aktivitäten der ESA verknüpft.

Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt (Bild: ESA - J. Mai)Ein gutes Beispiel ist hier das „Living Planet Programme“ der Raumfahrtagentur, zu dem neben dem Satelliten GOCE, der seit seinem Start 2009 aufsehenerregende Karten des Schwerefelds der Erde gezeichnet hat, auch Projekte wie der voraussichtlich 2014 startende Erdbeobachter ADM-Aeolus oder das noch in diesem Sommer startende Satelliten-Trio der SWARM-Mission zählen. Während ADM-Aeolus mittels Lasermessungen vor allem vertikale Windprofile in der Erdatmosphäre ins Visier nehmen soll, wird SWARM sich auf das Magnetfeld unseres Planeten konzentrieren. Ohne die ESA wären diese Aktivitäten nicht möglich, aber eben auch nicht ohne die Arbeit der beteiligten Geowissenschaftler. Sie sind von Anfang bis Ende dabei – von der Missionsplanung über die Konfiguration der Messgeräte bis hin zur Auswertung der Datenströme, die aus dem Orbit zur Erde geschickt werden.

Heute gehören der ESA neben dem Gründungsmitglied Deutschland 17 weitere Mitgliedsstaaten an, darunter nicht notwendigerweise europäische Länder. Die ESA ist also kein Europaclub, sondern eine eigenständige Organisation, auch wenn ihre Wurzeln im europäischen Gedanken zu suchen sind. Die deutschen Interessen vertritt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es stellt u.a. das European Astronaut Centre (EAC) bei Köln sowie das ESOC in Darmstadt, das Kontrollzentrum der ESA, von dem aus Missionen überwacht werden. Das Hauptquartier der ESA ist in Paris verortet.

TM, iserundschmidt 05/2012


Allerlei Zahlen und Daten zur ESA finden Sie hier.

Mehr zum GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkt „Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum III“ finden Sie hier.

Aktuell zeigt die GEOTECHNOLOGIEN-Wanderausstellung „Die Erde im Visier“, zu was Forschungssatelliten heute im Stande sind. Die Ausstellung gastiert noch bis zum 24.08.2012 am GEOMAR in Kiel. Mehr Informationen finden Sie hier.

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