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Einmal um die ganze Welt

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Vor 85 Jahren benötigten Piloten 175 Tage, um die Welt erstmals per Flugzeug zu umrunden – heute kreisen Satelliten in gerade einmal 90 Minuten um den Globus. Mit an Bord sind nicht einige wenige mutige Pioniere, sondern tausende Forscher, die aus den Satellitendaten das Bild unserer Erde zeichnen.

1924 klang der Plan verwegen: Mit vier Flugzeugen wollte eine kleine Gruppe von Pionieren der US Army zu einem Flug um die Erde aufbrechen – ganze drei Jahre vor dem berühmten Solo-Flug von Charles Lindbergh von New York nach Paris. Das Ziel der Männer um Lowell H. Smith und Erik H. Nelson war dabei nicht das Brechen eines Geschwindigkeitsrekords. Für sie ging es um die Reise an sich und um das Aufzeigen der beeindruckenden Leistungsfähigkeit des Transportmittels Flugzeug. Erst fünf Jahre zuvor war es einer Mannschaft der US Navy gelungen, mit einem Flugboot den Atlantik zu überqueren. Auch an der Weltumrundung hatten sich bereits andere Piloten versucht, waren aber alle gescheitert. Das Team um Smith und Nelson schaffte den Flug trotz Schlechtwetterfronten und unzähliger Reparaturen. Nach 175 Tagen und über 40.000 Kilometer erreichten sie am 28. September 1924 ihr Ziel Seattle.


Douglas World Cruiser "Chicago"

Die Douglas World Cruiser "Chicago", 1924 gesteuert vom Piloten Lowell H. Smith, als Ausstellungsstück im Smithsonian National Air and Space Museum in Washington, D.C. (Bild: cliff1066, Flickr.com)

Der Versuch, einmal um die ganze Erde zu fliegen, hatte zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen Abenteuerstatus, den heute nur noch der Flug zum Mond oder zum Mars erfährt. Der technische Fortschritt hat die Entfernungen zwischen Städten, Ländern und Kontinenten zusammenschmelzen lassen. Selbst der Flug um die Erde ist heute Alltag, betrieben von einer ganzen Armada künstlicher Erdtrabanten, die mehrmals am Tag hoch über unseren Köpfen ihre Bahnen ziehen. In einem Bereich zwischen 180 und 700 Kilometern Höhe kreist ein wahrer Bienenscharm aus Wetter-, Kommunikations- und Geosatelliten mit über 28.000 Kilometer pro Stunde und beobachtet durch unzählige Kameralinsen unseren Planeten.

Viele dieser Satelliten stehen im Dienst der Wissenschaft. So zum Beispiel CHAMP, GRACE und GOCE, die sich mit der Vermessung des Schwerefeldes der Erde befassen. Die extrem hohe Empfindlichkeit, die dafür erforderlich ist, gelingt nur mit einem extrem hohen technischen Aufwand. Genau wie bei allen anderen Hightech-Fluggeräten, egal ob sie dabei helfen, das Wetter vorherzusagen, die genaue Position von Autos zu bestimmen oder die Kommunikation zwischen Kontinenten zu ermöglichen, müssen für Planung und Bau Hundertschaften an Technikern und große finanzielle Budgets bereitstehen. In so genannten Rein- und Reinsträumen werden die empfindlichen Bauteile der Satelliten zusammengeführt. Jedes Staubkörnchen, jeder Tropfen Kondenswasser, selbst die kleinste Verschmutzung könnten hier Schäden anrichten. Und das, obwohl die Satelliten beim Start größten Belastungen standhalten müssen.

Im Vergleich dazu gingen die Ingenieure, die die Flugmaschinen für die Rekordreise von Smith und Nelson zusammenbauten weniger feinfühlig zur Sache. Mit groben Hämmern und verölten Händen rüsteten sie einige Torpedo Bomber in nur wenigen Wochen zu den Douglas „World Cruiser“-Flugzeugen um, die für die Erdumrundung benötigt wurden. Reparaturen konnten bei den Maschinen – ganz im Gegensatz zu Satelliten – auch während der Reise noch durchgeführt werden. Und so lieferten die Douglas-Ingenieure nicht nur die fünf Maschinen, von denen vier die gut 44.000 Kilometer lange Strecke in Angriff nehmen sollten, sondern auch gleich noch 15 Ersatzmotoren, 14 Paare zusätzlicher Schwimmer und genug Metallrahmen für den Bau zweier weiterer Flugzeuge.

Vor allem die große Anzahl an startenden Maschinen sollte sich später auszahlen. Ein Flugzeug stürzte bereits nach wenigen Tagen in Alaska ab, eine weitere fiel kurz vor Ende der Weltumrundung in den Atlantik – alle Crewmitglieder wurden gerettet. Zwei Maschinen schafften jedoch die gesamte Strecke, bescherten dem Flugzeugbauer Douglas den Slogan „First around the world“ und machten die beiden Piloten Lowell H. Smith und Erik H. Nelson zu gefeierten Helden.

GEOTECHNOLOGIEN / TM, iserundschmidt 9/2009


Weitere Informationen und Fotos zur ersten Weltumrundung per Flugzeug finden Sie hier.

Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN werden Forschungsprojekte finanziert, die sich mit der Analyse der Satellitenmissionen CHAMP, GRACE und GOCE befassen. Die gesammelten Daten werden helfen, die Auswirkungen des Globalen Klimawandels und den Wasserhaushalt der Erde im Detail besser zu verstehen. Mehr dazu finden Sie hier.

 

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