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Gradmesser

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Was Thermometer und Erdvermessung verbindet

Heute ist der Todestag von Anders Celsius - jenem schwedischen Astronom, Mathematiker und Physiker, dessen Name für uns untrennbar mit Wärme und Kälte verbunden ist. Vor 263 Jahren am 25. April 1744 starb Celsius. Zuvor hatte er jedoch noch ein geniales Temperaturmesssystem ersonnen, deren Einheit heute seinen Namen trägt. Was das alles mit Geowissenschaften zu tun hat? Die Idee, ein brauchbares Thermometer zu entwickeln, kam Celsius vermutlich auf einer groß angelegten Forschungsexpedition zur Vermessung der Erde.

Portrait von Anders Celsius

 

Portrait von Anders Celsius. Das Ölgemälde wurde von Olof Arenius (1701-1766) gemalt und befindet sich heute im astronomischen Observatorium der Universität Uppsala.

Auf der letzten Station einer 1732 begonnenen Bildungsreise durch Europa traf der 31-jährige Celsius in Paris auf den französischen Astronomen Pierre Louis de Maupertuis und den Plan, durch Gradmessungen die genaue Form des Erdkörpers festzustellen. Über dieses Thema war ein hitziger Gelehrtenstreit entbrannt, in dem kein geringerer als Isaac Newton die Theorie vertrat, dass die Erde statt einer perfekten Kugelgestalt eine Abplattung an den Polen aufwies. Um Klarheit zu schaffen, finanzierte die französische Akademie der Wissenschaften schließlich zwei getrennte Expeditionen nach Lappland und Peru. Das Ziel: die Vermessung des Meridianbogens zur Bestimmung der mittleren Erdkrümmung, einmal nahe dem Äquator und einmal möglichst nahe am Nordpol. Celsius schloss sich dem Team von Maupertuis an, dass 1736 in Richtung Norden aufbrach.

Beide Expeditionen waren ein voller Erfolg; die Vorstellung Newtons setzte sich durch, die Abplattung der Erde an den Polen wurde bestätigt. Doch nicht alle kehrten vollkommen zufrieden aus Lappland zurück. Celsius hatte die Zeit auch für meteorologische Untersuchungen genutzt und war recht unzufrieden mit den Temperaturmessern, die das Expeditionsteam mit sich führte. Für seine meteorologischen Beobachtungen hätte sich Celsius ein brauchbareres Thermometer gewünscht.

Diesen Mangel stellte er schon wenige Jahre später ab. Quecksilberthermometer gab es zwar schon, Celsius schlug jedoch eine neue Temperaturskala vor, die bezogen auf den Luftdruck in Meereshöhe durch zwei leicht zu bestimmende Eckgrößen fixiert wurde. Den Nullpunkt der Skala bildete der Gefrierpunkt des Wassers und sollte mit 100, der Siedepunkt des Wassers mit 0 bezeichnet werden. Diese beiden Zahlenwerte wurden später noch vertauscht - ansonsten sind die Abermillionen Gradmesser rund um den Erdball fast identisch mit Celsius Urmodell.

TM, iserundschmidt 04/2007


Mit welcher Hightech man heutzutage die Erde vermisst und aus dem Weltraum sogar in ihr Innenleben schaut, das zeigen die Projekte des Forschungsschwerpunkts "Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum" des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN.

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