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Im Angesicht der Naturgewalten

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Gewicht: fast 6 Billiarden Megatonnen, Alter: mehr als 4,5 Milliarden Jahre - die Erde erscheint wie der sprichwörtliche "Fels in der Brandung", ruhend und unveränderlich. Welche Kraft jedoch unserem Heimatplaneten innewohnt und mit welcher Dynamik sich sein Antlitz praktisch unablässig verändert, das zeigt jetzt die Wanderausstellung "Unruhige Erde".

Die von der Geschäftsstelle GEOTECHNOLOGIEN konzipierte Ausstellung, die noch bis zum 26. November im Frankfurter Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg gastiert, begleitet den neuen Forschungsschwerpunkt "Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren", der im Rahmen des Sonderprogramms GEOTECHNOLOGIEN durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

"Gefahren werden nicht automatisch zu Katastrophen", so der UN-Sonderbeauftragte für den Tsunami-Wiederaufbau Bill Clinton auf der Dritten Internationalen Frühwarnkonferenz in Bonn im Frühjahr dieses Jahres. "Naturgefahren werden nur zu Katastrophen, wenn das Leben und Existenzen ausgelöscht werden. Es muss eine weltweite Priorität werden, Gemeinschaften sicherer zu machen, indem wir die Gefahr von Naturkatastrophen besser handhaben." Eindringliche Worte des ehemaligen US-Präsidenten, denen er u. a. die Forderung nach einer verbesserten Aufklärung über die Risiken von Naturkatastrophen folgen ließ. Genau dieser Punkt ist ein Aspekt der seit Ende September geöffneten Ausstellung "Unruhige Erde". Anhand von Animationen und interaktiven Sequenzen, aufwendig gestalteten Informationstafeln und "Mitmach-Exponaten" zeigen die Ausstellungsmacher, welchen Veränderungen unser Planet unterworfen ist, wie Naturereignisse zu Naturkatastrophen werden und welche Gegenmaßnahmen beispielsweise in Form von Frühwarnsystemen heute und in naher Zukunft zur Verfügung stehen bzw. stehen werden.


Wanderausstellung Unruhige Erde

Lichtsäulen mit Augenzeugenberichten stimmen auf die einzelnen Themenbereiche der Ausstellung ein. (c) ius


In insgesamt vier Bereiche - "Erdbeben", "Vulkane", "Erdrutsche" und "Meteorite" - gliedern sich die knapp 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Dabei werden die Besucherinnen und Besucher zu Beginn jedes Themengebietes von Augenzeugenberichten empfangen. Berichte wie der eines Überlebenden des Tsunami vom Dezember 2004: "Wir liefen in einen Raum, der anscheinend ein Wäschelagerraum mit Ein- und Ausgang war. Genau als wir diesen Raum durchliefen, wurde er innerhalb eines Augenblicks bis zur Decke geflutet … Der Schock saß tief. Auf einmal das kalte, dreckige und wilde Wasser." Den Schrecken und das Ausmaß von Naturkatastrophen erfahrbar zu machen, dazu tragen auch die zumeist überdimensionalen Fotos und Satellitenaufnahmen bei. Exponate wie das Modell des deutschen Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean zeigen anschaulich, welche Hightech das Schadensmaß zukünftiger Naturkatastrophen begrenzen soll. Anfassen ist dabei oftmals ausdrücklich erwünscht. So kann man selber überprüfen, wie ein Gebäude auf seismische Wellen reagiert, indem man ein Miniaturmodell auf einem Rütteltisch in Bewegung versetzt. Und auch multimedial erwartet Neugierige einiges an Überraschungen - wo sonst kann man schon live einen Vulkanausbruch beobachten.

Bei allem visuellen Aufwand, der Inhalt bleibt dabei nie auf der Strecke. "Was ist ein Tsunami?", "Wie hoch ist die Erdrutsch-Gefahr in Deutschland?" oder "Welche Vulkane sind jetzt gerade aktiv?" - Fragen wie diese, die man sich vielleicht des Öfteren schon einmal selber gestellt hat, bilden das zentrale Leitsystem der Ausstellung und werden gewissenhaft von großformatigen Infotexten beantwortet. Und sollten trotzdem noch Fragen offen bleiben, kann man sich an einer speziellen Anlaufstation sogar direkt an die Experten wenden. "Ask a Prof." heißt dieses Zusatzprogramm. Was man schon immer über die Dynamik der Erde wissen wollte, kann man direkt in der Ausstellung als Papiernotiz oder elektronisch per E-Mail an die Forscher schicken - die Antworten werden regelmäßig im Internet veröffentlicht.

Das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main ist nur die erste Station der Wanderausstellung "Unruhige Erde". Zwischen dem 29. September 2006 und dem 19. Januar 2008 ist sie in insgesamt sechs deutschen Städten zu sehen. Nach Frankfurt stehen noch Münster, Wolfsburg, München, Bonn und Berlin auf dem Programm.

TM, iserundschmidt 10/2006 


Weitere Information zur Ausstellung "Unruhige Erde" im Frankfurter Naturmuseum Senckenberg finden sie hier sowie im Veranstaltungskalender von planeterde.

Eine Übersicht zu den weiteren Stationen der Wanderausstellung finden Sie hier.

Noch Fragen zum Thema Geo-Risiken? "Ask a Prof." hilft. Stellen Sie einfach Ihre Fragen per E-Mail und stöbern Sie hier in den Antworten.

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