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Im Tiefenrausch - die Wanderausstellung "In die Tiefe gehen" zu Gast in Bremerhaven

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 15.03.2010 18:40

Ob unterirdische Verkehrsadern, geothermische Kraftwerke oder Salzkavernen als Lagerstätten für Treibhausgas - die Welt unter unseren Füßen bietet mehr Möglichkeiten als man denkt. Einen faszinierenden Überblick über den Verkehrs- und Wirtschaftsraum Untergrund liefert die vom Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN konzipierte und realisierte Wanderausstellung "In die Tiefe gehen", die bis zum 3. Oktober in der PHÄNOMENTA Bremerhaven zu Gast ist.

Dabei bietet sich dem Besucher mehr als nur ein unverbauter Blick ins sonst unsichtbare Innere unseres Planeten. Mitmachexponate und Modelle zeigen, welche nachhaltigen Perspektiven sich unterirdisch in Zukunft bieten und begeisterten so seit der Premiere im April 2004 bereits mehr als 130.000 Besucher. Bremerhaven ist nach Stuttgart, Dortmund, Leipzig, München und Berlin die sechste und damit letzte Station.

 Wenn Bahnhöfe in die Tiefe gehen - geplantes Bauprojekt in Stuttgart

Wenn Bahnhöfe in die Tiefe gehen - geplantes Bauprojekt in Stuttgart
(c) Ingenhoven & Partner, Düsseldorf


"In die Tiefe gehen" ist der Titel der Ausstellung und dies ist nicht nur als thematische Klammer gemeint. Mit Abschreiten der Exponate dringt der Besucher automatisch immer weiter ins Erdinnere vor. Zwar nicht wie bei Jules Verne bis zu ihrem Mittelpunkt, aber immerhin bis in knapp 10 Kilometern Tiefe. Vor dem Blick in die Erde kommt zunächst jedoch der Blick in die Vergangenheit. Alte Vermessungsgeräte und Grabungswerkzeuge aus frühzeitlichen Bergwerken zeugen von der langen Geschichte der Eroberung des Untergrunds. "Wir wollen hier einmal zeigen, mit welch einfachen technologischen Mitteln unsere Vorfahren bereits technologische Meisterleistungen auf die Beine stellen konnten", so Ludwig Stroink, Leiter des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN.

Die Tauchfahrt in die Erdkruste beginnt mit dem am intensivsten genutzten Tiefenabschnitt unmittelbar unterhalb der Grasnarbe. Wo früher Kult- und Vorratstätten lagen, gleiten heut Züge und Güter. Erdraketen erweitern für uns unsichtbar unterirdische Lebensadern ganz ohne oberirdische Baustellen, und Container könnten schon bald per Rohrpost wie beim Konzept "CargoCap" im Untergrund transportiert werden. Daneben erfährt der Besucher, wie man anhand des elektrischen Widerstands eines Deiches diesen auf undichte Stellen abtastet und mithilfe stereoskopischer Luftbilder Bomben-Blindgänger und Burgruinen ausfindig machen kann. Wie empfindlich die Sensoren sind, mit denen Geowissenschaftler heutzutage die Erde verkabeln, können die Besucher anhand ausgestellter Elektronik selbst testen und dabei feststellen, dass man mit einem Luftsprung sogar Stahlbeton deformieren kann.

Ebenfalls eindrucksvoll vertreten sind neben den Erkundungs- auch die Nutzungsmethoden der Welt "unter Tage" in Form von Lagerstätten und Verkehrsräumen. Beispiele sind hier Bauprojekte wie der unterirdische Bahnhof in Stuttgart oder ein 57 Kilometer langer Eisenbahntunnel durch das Gotthard-Massiv. So zählt zu den Exponaten auch das Modell einer der vier Tunnelbohrmaschinen, die sich zeitgleich langsam aber stetig durch Millionen Tonnen Alpenfels fressen und am Ende insgesamt das fünffache Volumen der Cheops-Pyramide an Gestein aus dem Gotthard herausgeschält haben werden. "Unterirdisch über den Berg" mit einem der größten geotechnischen Bauwerke der Welt.

Dies ist nicht der einzige Rekordhalter, der in der PHÄNOMENTA bewundert werden kann. Vorbei an zu Erdgasspeichern umfunktionierten, ausgespülten Salzkavernen und unterirdischen Endlagern für das Treibhausgas CO2 erreicht die Ausstellung schließlich die Tiefenmarke von fast 10 Kilometern und damit den Grund des tiefsten Lochs Deutschlands: Der Kontinentalen Tiefbohrung in der Oberpfalz. "Nur ein Nadelstich, dem man hier der Erdkruste zufügt", wie Ludwig Stroink betont, aber tief genug, um technologische Innovationen wie High-Tech-Sensoren zur zielgenauen Anbohrung von Lagerstätten sowie neueste Erkenntnisse zur geothermischen Energiegewinnung mit sich zu bringen.

Die Ausstellung begleitet das Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. "In die Tiefe gehen" ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet und wird durch ein Rahmenprogramm begleitet. Neben kostenlosen Führungen gibt es eine abwechslungsreiche Vortragsreihe. Spezielle Führungen für Schulklassen und Gruppen, auch außerhalb der Öffnungszeiten, können unter Tel: 0471/413081 vereinbart werden. Die Führungen sind kostenlos. Alle Termine der Vortragsreihe finden Sie im Veranstaltungskalender von www.planeterde.de.

Weitere Informationen finden Sie hier.

TM, iserundschmidt 07/2005