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INTERGEO widmet sich der Frühwarnung

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Am Donnerstag ging in Karlsruhe die INTERGEO zu Ende – die weltweit größte Veranstaltung im Bereich Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. Drei Tage lang drehte sich alles um die Vermessung der Welt und darum, wie man die gewonnen Daten nutzen kann – zum Beispiel zur Warnung vor Naturgefahren.

Es war keine reine Technikschau, die Aussteller, Ingenieure und Geoforscher aus aller Welt nach Karlsruhe gelockt hatte. Im Zentrum der INTERGEO stand ganz klar auch die Frage nach der Anwendung der Daten, die moderne Geosatelliten und Vermessungs-Hightech am Boden heute liefern. Dabei reichte das Themenspektrum von der Fußgängernavigation in Städten über die Tatortvermessung bei Kriminalfällen bis hin zur Vermessung von archäologischen Ausgrabungsstätten. Auch  Bereiche, die erst auf den zweiten Blick etwas mit Erdvermessung zu tun haben wie z. B. die Qualitätskontrolle des Wasser des Bodensees oder die Immobilienwirtschaft hatten ihren Platz im dreitägigen Tagungsprogramm.

Internationale Beteiligung


Die INTERGEO ist international – jeder fünfte Besucher kommt aus dem Ausland.
© HINTE GmbH

Wie man die Datenflut aus dem All in aussagekräftige Informationen und damit in direkte Handlungsanweisungen kanalisiert und übersetzt, ist vor allem in einem Bereich geradezu überlebenswichtig: der Frühwarnung vor Naturgefahren wie zum Beispiel Erdbeben. Aus diesem Grund hatten die Veranstalter der INTERGEO einen ganzen Programmteil für eben diesen Themenbereich reserviert.  Drei Forschungsprojekte zu Frühwarnsystemen präsentierten sich dem Fachpublikum – alle Teil des Forschungs- und Entwicklungsprogramms GEOTECHNOLOGIEN.

EGIFF, die „Entwicklung geeigneter Informationssysteme für Frühwarnsysteme“, machte den Anfang. Das Projekt konzentriert sich vor allem auf einen bestimmten Punkt in der so genannten Frühwarnkette, die mit der Registrierung von ersten Warnzeichen einer drohenden Katastrophe beginnt und mit der Warnung der Bevölkerung endet. EGIFF will an jener Schwachstelle ansetzen, an der sich Frühwarnsystem und Mensch begegnen; dort, wo die Daten in Entscheidungen über erste Schutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Der Leitgedanke des Osnabrücker EGIFF-Teams: Mit den richtigen Analysemethoden könnten die Informationen von Erdbebensensoren und Beobachtungsstationen so aufbereitet werden, dass die Verantwortlichen in Verkehrsleitzentralen und beim Katastrophenschutz schnell reagieren und angemessene Entscheidungen treffen können. Schließlich können diese im Ernstfall über Leben und Tod von Tausenden von Menschen bestimmen.

Auch die beiden anderen vorgestellten Projekte, EWS Transport und G-SEIS, präsentierten vor allem den Aspekt der Datenverarbeitung. Bei EWS Transport, das die Entwicklung eines Frühwarnsystems speziell für den Schienenverkehr zum Ziel hat, geht es u. a. um das Erstellen so genannter Schadenskataloge, also Übersichten, anhand derer abgeschätzt werden kann, welche Brücken und Tunnel nach einem Beben überhaupt noch befahrbar oder vermutlich zerstört sind. Auch hier ist eine geeignete Verarbeitung und Abgleichung aller vorhandenen Daten  von essentieller Bedeutung. Ebenso wie bei G-SEIS, das mittels GPS-Daten Bodendeformationen misst und bei ungewöhnlichen Werten, wie sie etwa bei sich aufwölbenden Vulkankegeln auftreten, automatisch Alarm schlägt. Hier ist es vor allem der Echtzeit-Datentransfer und die hochpräzise GPS-Datenverarbeitung, die optimiert werden müssen.

Eines machten alle drei Projekte wie auch die gesamte INTERGEO deutlich: Die technischen Herausforderungen, denen sich Geoforscher heute stellen müssen, lassen sich nur interdisziplinär lösen. Im Falle der Frühwarnsysteme heißt dies: Erdbeben, Erdrutsche und Vulkanausbrüche mögen in den Bereich der Geowissenschaften fallen, die wirksame Begegnung dieser Naturgefahren gelingt allerdings nur in Verbindung mit  Informatikern, Technikern und Ingenieuren.

TM, iserundschmidt 9/2009


Weitere Informationen zur INTERGEO finden Sie hier.