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Kieler Woche einmal anders

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 15.04.2009 10:37

Bereits zum 69. Mal lud die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) Ende März zu ihrer Jahrestagung. In Kiel beschäftigten sich Fachleute der Geowissenschaften mit wichtigen ökologischen und ökonomischen Forschungsthemen wie Marine Geophysik, CO2-Speicherung und die Erkundung der Kontinentalränder.

Rund 60 Prozent der Weltbevölkerung sind von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hangrutschungen und Vulkanausbrüchen entlang der Kontinentalränder, also dem Übergang von den Kontinenten in den ozeanischen Bereich, bedroht. Gleichzeitig stellen diese Erdregionen aber auch ein großes Rohstoffpotenzial – und somit in zweifacher Hinsicht ein lohnendes Beschäftigungsfeld. Auch an einer Induzierung von Kohlenstoffdioxid in den Erdboden wird vor dem Hintergrund des Klimawandels mit Hochdruck geforscht.

Neben den beiden Schwerpunktthemen Kontinentalränder und CO2-Speicherung wurde in Kiel – dem Tagungsort entsprechend – der Fokus auch auf geophysikalische Aspekte der Region Ostsee und Skandinavien gesetzt. Auf die über 500 Tagungsteilnehmer wartete in der Landeshauptstadt also ein straffes Programm: Aus 221 Vorträgen, die an den vier Veranstaltungstagen zum Teil parallel gehalten wurden, galt es das Passende herauszusuchen.

Eine weitläufige Posterausstellung, ein öffentlicher Abendvortrag und ein Expertengespräch zum Thema „Ozeane – Rohstoffquelle der Zukunft“ rundeten die Veranstaltung ab. Außerdem waren mehr als 40 Firmen mit Schwerpunkten in der Marinen Geophysik, in der Ingenieurgeophysik und aus der Erdöl-Erdgas-Branche auf der Tagung vertreten – die Veranstaltung fungierte also zudem als maßgeschneiderte Jobbörse.

Auch Projekte der GEOTECHNOLOGIEN waren mit zahlreichen Beiträgen in Kiel präsent. So befasst sich CLEAN mit der Möglichkeit einer Erdgas-Ausbeutesteigerung durch CO2-Injektion im zweitgrößten Erdgasfeld Europas in der Altmark. „Häufig wird die Ansicht vertreten, dass man vor allem auf internationalen Konferenzen präsent sein sollte, aber gerade eine nationale Basis-Konferenz ist eine gute Gelegenheit, Kollegen aus der Geophysik über die Inhalte seines Projekts zu informieren“, erklärt Dr. Stefan Buske, Mitglied der CLEAN-Arbeitsgruppe von der Freien Universität Berlin.

Doch die Veranstaltung hat für Tagungsleiter Professor Hans-Jürgen Götze von der Uni Kiel über den Expertenkreis hinaus auch eine wichtige öffentliche Funktion: „Die Tagungsbeiträge konnten ein lebhaftes, wirklichkeitsnahes Bild der Wissenschaft vermitteln. Davon werden die in Kiel eingerichteten Studiengänge Geophysik und ‚Physik des Erdsystems’ sicherlich profitieren.“ Zudem ist der öffentliche Abendvortrag für Götze ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit: „Dadurch kann die Bekanntheit der Geophysik und auch die der Deutschen Geologischen Gesellschaft erheblich gesteigert werden“, betont der Direktor der Geophysik an der Kieler Christan-Albrechts-Universität.

Nicht nur etablierte Forscher fanden im Tagungsprogramm ihren Platz. So war der akademische Nachwuchs mit Beiträgen und Postern in Kiel überdurchschnittlich stark vertreten, was zum Teil auch daran liegen mag, dass jungen Wissenschaftlern mit eigenen Beiträgen ein Reisekostenzuschuss gewährt wurde. Kieler Gymnasiasten konnten zudem an einem Schülervormittag zeigen, dass geophysikalische Themen schon bei jungen Leuten durchaus ein Thema sind.

Abseits des festen Programms werden Veranstaltungen wie die DGG-Jahrestagung gerne zum Ideenaustausch der Teilnehmer und zum Knüpfen neuer Kontakte genutzt. Das Kieler Programm war mit sechs Parallelsitzungen zwar größer als je zuvor; zwei Nachmittage wurden aber bewusst für den Besuch der Posterausstellung und den Gedankenaustausch der Teilnehmer reserviert. „Durch diese Freiräume blieb genügend Muße im Programm, um in entspannter Atmosphäre Kollegen zu treffen und mit ihnen zu diskutieren“, erzählt Professor Götze.

Dies ist auch für Stefan Buske ein wichtiger Aspekt: „CLEAN ist ja nicht das einzige Projekt, das sich mit der Speicherung von CO2 befasst, und so dienen solche Tagungen immer auch dazu, sich mit Kollegen auszutauschen: wo sind die Gemeinsamkeiten, was machen wir unterschiedlich – und was kann man voneinander lernen.“ Die Befürchtung, dass Forschungsansätze seines noch recht jungen Projekts von anderen Tagungsteilnehmern einfach kopiert werden könnten, hat Buske indes nicht: „Dafür ist der Kreis der Wissenschaftler in der Geophysik auch zu klein. Da hat man keine Bedenken.“

RD, iserundschmidt 04/2009


Das FuE-Programm GEOTECHNOLOGIEN war mit zahlreichen Beiträgen aus den Forschungsschwerpunkten Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren, Kontinentränder und Gashydrate im Geosystem auf der DGG-Jahrestagung vertreten.

CLEAN ist Teil des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunktthemas „Erkundung, Nutzung und Schutz des unterirdischen Raumes“. Weitere Informationen zu diesem Kernbereich finden Sie hier.

Informationen zur DGG-Jahrestagung in Kiel gibt es hier.

Verweise
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