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Mission: Schnittstelle

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 21.12.2011 19:22

Geoforscher dabei zu unterstützen, ihre wissenschaftlichen Geniestreiche in handfeste Produkte zu verwandeln, ist eines der Aufgabengebiete des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN. Wir sprachen mit Alexandra Scherer, seit kurzem verantwortlich für den Bereich Technologietransfer, über die Bedeutung von Managementqualitäten, Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und Vorsätze fürs neue Jahr.

Dipl.-Chemikerin Alexandra Scherer

Dipl.-Chemikerin Alexandra Scherer (Bild: A. Scherer)

 

planeterde: Frau Scherer, seit November betreuen Sie bei den GEOTECHNOLOGIEN den Bereich Technologietransfer. Ihre Karriere begann in der Chemie. Wann sind Sie das erste Mal mit den Geowissenschaften in Kontakt gekommen?

Scherer: Im Laufe des Chemiestudiums trifft man immer mal wieder auf geowissenschaftliche Aspekte. Die Chemie läuft ja nicht nur im Labor ab, sondern auch in all den natürlichen Prozessen um uns herum. Letztendlich beinhalten die Geowissenschaften ja auch fast alle anderen Naturwissenschaften. Insofern war die Chemie ein guter Einstieg.

planeterde: Sie bringen nicht nur Erfahrungen aus dem Wissenschaftsbereich, sondern auch aus der Öffentlichkeitsarbeit und dem Patentecht mit in das neue Aufgabengebiet. Welches Gebiet nützt Ihnen in Ihrem neuen Tätigkeitsfeld am meisten?

Scherer: Ich denke, dass gerade die breitgefächerten Erfahrungen für die Tätigkeit im Technologietransfer äußerst nützlich sind. Gerade weil der Schwerpunkt im Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN auf Wissenschaft-Wirtschafts-Kooperationen liegt, ist es nützlich, die Denk- und Arbeitsweise der Wissenschaftler nachvollziehen und die Technologien adäquat aufbereitet  präsentieren zu können, ohne die patentrechtlichen Rahmenbedingungen außer Acht zu lassen. Zum Beispiel kann schon ein öffentlicher Vortrag über Forschungsergebnisse die Erlangung eines Patents gefährden. Man sollte also abschätzen können, was man weitergeben darf und muss.

planeterde: Nach ihrem Diplom waren Sie beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig, später auch als freiberufliche Patentrechercheurin und technische Expertin. Warum dieser Wechsel aus der rein akademischen Welt in die Öffentlichkeitsarbeit bzw. die Wirtschaft?

Scherer: Für die rein akademische Welt muss man eben auch geboren sein, aber letztendlich wechseln die meisten Naturwissenschaftler irgendwie in die Wirtschaft – ob nun bei den großen Chemiefirmen oder als Quereinsteiger in fachfremde Gebiete. Ich denke, es ist wichtig, dass es eben auch Menschen gibt, die als Schnittstelle zwischen Forschung, Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft fungieren (können), um das gegenseitige Verständnis füreinander zu verstärken.

planeterde: Wie wichtig ist es heute für eine Wissenschaftlerin bzw. einen Wissenschaftler, neben der akademischen Qualifikation auch Qualitäten aus der Wirtschaft mitzubringen?

Scherer: Ich denke, dass gerade als hochqualifizierter Arbeitsmarktteilnehmer, was man ja als Wissenschaftler fast automatisch ist, Management– und Wirtschaftskenntnisse nicht schaden können, da man früher oder später Führungsrollen übernehmen, Finanzierungsanträge schreiben oder sein Abteilungsbudget rechtfertigen muss. Wenn man die Kenntnisse nicht schon mitbringt, muss man oft den harten Weg „learning-by-doing“ gehen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.

planeterde: Der Bereich Technologietransfer inklusive der Geotechmarket-Plattform ist zu einem wichtigen Standbein der GEOTECHNOLOGIEN geworden. Wohin könnte sich Ihrer Meinung dieser Bereich in den nächsten Jahren entwickeln? Was könnte/sollte man weiter ausbauen?

Scherer: Ich denke, der Technologietransfer des GEOTECHNOLOGIEN-Büros ist mit seiner Strategie, den Fokus auf Entwicklungsmarketing und Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen zu legen, auf einem guten Weg ist. Jedoch denke ich, dass man die Zusammenarbeit mit institutionellen und regionalen Technologietransferstellen noch ausbauen könnte, da wir als nicht-kommerziell beteiligte Transferstelle das Angebot der anderen Anbieter als Spezialisten auf dem Gebiet der Geotechnologien nur ergänzen, aber nicht ersetzen können oder wollen. Insofern halte ich eine bessere Vernetzung der Technologietransferstellen für äußerst sinnvoll.

planeterde: Welche Aufgaben stehen für Sie als nächstes an? Was sehen Sie als Ihre Hauptaufgabe an in den nächsten Monaten?

Scherer: In absehbarer Zeit läuft die erste Förderungsrunde für die meisten Projekte eines Themenschwerpunktes aus. Da ist es dann an der Zeit, abzuschätzen, ob während der Förderlaufzeit vermarktungswürdige Erfindungen getätigt wurden und nachzufragen, ob Transferbedarf besteht. Gleichzeitig ist 2010 die Förderung für die Programme eines neuen Schwerpunkts angelaufen. Damit befinden sich die meisten Projekte auf halber Strecke der Förderlaufzeit. Eventuell sind auch schon hier erste Durchbrüche erkennbar. So werden z.B. erste Projekte auf dem GEOTECHNOLOGIEN-Stand auf der 72. Jahrestagung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft im März in Hamburg ihre bereits entwickelten Technologien vorstellen.

Überdies gibt es immer noch laufende Projekte im Portfolio, bei denen der Technologietransfer noch in vollem Gange ist. Unser Ziel ist letztendlich die Förderung der Entwicklung eines marktreifen Produktes und wir unterstützen hier unsere Kunden, also die interessierten Forschungsteilnehmer und beteiligten klein- und mittelständischen Unternehmen, gerne bei der Auffindung geeigneter Fördermittel und Kooperationspartner, solange Bedarf besteht.

planeterde: Frau Scherer, vielen Dank für dieses Gespräch.


Mehr Informationen zu den Aktivitäten und Angeboten des Programms GEOTECHNOLOGIEN im Bereich Technologietransfer finden Sie hier und auf Geotechmarket.

TM, iserundschmidt 12/2011