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Schwankende Kontinente

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Berichte von Erdbeben durchziehen die gesamte Menschheitsgeschichte. Was hinter den Erschütterungen steckt, erkannte man allerdings erst im letzten Jahrhundert. Seitdem sind Geoforscher mit immer besserer Hightech der Naturgefahr Erdbeben auf der Spur.

„Wann fällt uns der Himmel auf den Kopf?“ fragten sich schon die Comichelden von Albert Uderzo wenn die Naturgewalten verrückt spielten und die Erde bebte. Und genau wie Asterix und Co. rätselten auch die Menschen des Altertums über die Mechanismen hinter dem wankenden Grund – und fanden sie in Göttern und Ungeheuern. In der griechisch-römischen Mythologie ist der Gott des Meeres Poseidon der „Erderschütterer“; im Japan des 16. Jahrhunderts straft ein  riesenhafter Katzenfisch namens Namazu die Menschen mit Erschütterungen. Naturkatastrophen waren jedenfalls jahrtausendelang Grundlage für zahlreiche Mythen der Menschheit. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die ersten Aufzeichnungen über Erdbeben in fast allen religiösen Texten finden lassen, insbesondere in der Bibel. Bereits 1300 v. Chr. wurden die Mauern von Jericho, so die Überlieferung, von Posaunen zum Einsturz gebracht. Heute weiß die Wissenschaft, dass das Einstürzen der Mauern durch ein Erbeben verursacht wurde - und nicht durch Posaunen.

Auch um die genauen Ursachen von Erdbeben weiß die Wissenschaft heute. Auslöser sind die Bewegungen der  sieben großen und zahlreichen mittleren und kleineren Platten, aus denen sich die Erdkruste wie ein gigantisches Puzzle zusammensetzt. Die Plattenbewegungen erzeugen Spannungen in der Kruste, die abgebaut werden müssen und dadurch zu tief reichenden Brüchen führen. Die entstehenden Beben treten weltweit mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Die meisten Ereignisse sind entlang von Plattengrenzen, z.B. in den südamerikanischen Anden oder auf den westpazifischen Inseln, zu beobachten, wo sie zum Teil verheerende Folgen haben können.

In Deutschland sind stärkere Erdbeben eher eine Seltenheit. Und wenn sie auftreten, dann eher in südlichen Regionen des Landes. Eine Quelle ist hier der Oberrheingraben, der zwischen Basel und Frankfurt am Main liegt. Aufgrund tektonischer Prozesse senkt sich der Graben um bis zu 1 Millimeter pro Jahr und löst damit immer wieder Beben aus.

Im Nordosten Deutschlands gilt das Auftreten solcher Naturgewalten als sehr unwahrscheinlich. Wenn hier die Erde schwankt, liegen die Epizentren meist ganz woanders, zum Beispiel in Schweden. So wie in den Morgenstunden des 16. Dezember 2008, als ein Beben der Stärke 4,5 auf der Richterskala die südschwedische Provinz Schonen erschütterte. Es war eines der stärksten in der Region in den letzten 100 Jahren und sogar in Mecklenburg-Vorpommern deutlich zu spüren.

Welche Ursachen das Beben in Südschweden hatte und warum seine Urgewalt bis nach Norddeutschland reichte, diesen Fragen geht Dr. Karsten Obst in einem Vortrag im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN Wanderausstellung „Unruhige Erde“ nach. Der Forscher vom Geologischen Dienst und dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in  Güstrow zeigt unter anderem anhand des Bebens von 2008, wie Gebäudearten einer Region die Zahl der Meldungen des Bebens beeinflussen. So gingen die meisten Meldungen damals aus größeren Städten wie Rostock, Stralsund, Greifswald und Sassnitz ein – ihre häufig mehrstöckigen Gebäude übertrugen die vom Boden ausgehenden Schwingungen besser als die eher flachen Bebauungen des Umlandes.

Vortrag „Ursachen und Wirkungen des starken Erbebens in Südschweden“

Im Vortrag von Dr. Karsten Obst werden sowohl die Auswirkungen, als auch die möglichen Ursachen des starken Erdbebens in Südschweden thematisiert und diskutiert. Außerdem wird der Frage nachgegangen, wieso auch Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die Erschütterung des Bebens spüren konnten.

Wo: Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock, auf dem Traditionsschiff, Liegeplatz Schmarl, Industriestraße 15, 18069 Rostock, Link: www.schifffahrtsmuseum-rostock.de)

Wann: 24.09.2009, 17:00 Uhr

YB, iserundschmidt 09/2009


Weitere Informationen zur Station der Ausstellung „Unruhige Erde“ in Rostock finden Sie hier.

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