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Tod eines Weltreisenden

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Ferdinand Magellan war ein großer Entdecker, keine Frage. Seinen größten Coup musste jedoch ein anderer zu Ende führen. Magellan starb am 27. April 1512 auf der zu den Philippinen gehörenden Insel Mactan, auf halber Strecke eines wahrhaft abenteuerlichen Forschungstrips rund um die Welt.

Kennen Sie Juan Sebastián Elcano? Vermutlich eher nicht. Dabei war der Spanier der erste Europäer, der die Welt vollständig umsegelte und damit den finalen Beweis ihrer Kugelgestalt erbrachte. Und er war nicht allein: 17 weitere Seeleute erlebten das Ende der Fahrt an seiner Seite. Sie waren die letzten Überlebenden einer mehr als 200 Mann starken Crew, die drei Jahre zuvor unter der Leitung eines Mannes aufgebrochen war, der vielen wohl eher ein Begriff sein dürfte: Ferdinand Magellan.

Der Name des Portugiesischen Seefahrers ist heute fester Bestandteil der Seekarten der südlichen Hemisphäre. Zwischen Feuerland und Patagonien, tief im Süden des südamerikanischen Kontinents, liegt die gleichnamige Seestraße, die Magellan praktisch „unterwegs“ entdeckte und als Zugang zum Pazifik nutzte. Sein Ziel war der Seeweg nach Indien und Asien, genauer gesagt, der Zugang zu den Gewürzinseln – die heutigen, zu Indonesien gehörenden Molukken.

Ferdinand Magellan auf einem undatierten Gemälde aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.

 

Ferdinand Magellan auf einem undatierten Gemälde aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Den Pazifik, den er über die nach ihm benannte Magellanstraße erreichte, nannte er „Stillen Ozean“.

Gestartet waren Magellan und seine Mannschaft mit einer Flotte von fünf Schiffen im spanischen Sevilla am 10. August 1519; nur ein einziges Schiff sollte drei Jahre später nach Spanien zurückkehren. Hunger, Krankheit, Auseinandersetzungen mit Ureinwohnern und Meutereien hatten Mannschaft und Material dezimiert. Zu den Opfern zählte auch Magellan. Bei dem Versuch, die Insel Mactan mit Gewalt für Spanien einzunehmen, wurde er am 27. April 1521 noch am Strand getötet. Der Steuermann Juan Sebastián Elcano übernahm für Magellan und führte die Rundreise zu ihrem Ende. Dabei wäre diese für ihn nach den ersten 12.000 Kilometern schon beinahe zu Ende gewesen: Der Spanier war einer der Rädelsführer einer Meuterei gegen Magellan vor der argentinischen Küste. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er jedoch trotz seiner Beteiligung weder exekutiert noch ausgesetzt, ganz so, als ob Magellan um die spätere Bedeutung Elcanos für die Mission gewusst hätte.

Juan Sebastián Elcano in Bronze 


Juan Sebastián Elcano in Bronze. Die Statue steht seit 1861 in der spanischen Hafenstadt Getaria. Als Elcano und seine Mannschaft nach Spanien zurückkehrten, stellten sie fest, dass ihre Zeitrechnung von der der Daheimgebliebenen um einen Tag abwich – Geburtsstunde der Datumsgrenze. Foto: JUE, Wikimedia Commons

Zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen dauerte die Reise der ersten Weltumsegler. Die heutigen Magellans schaffen die Strecke in knapp 90 Minuten – und erkunden unseren Planeten nicht über eine Reling, sondern aus dem All. Auch die Erfassung der Kugelform der Erde oder das Auffinden von Meerengen und Seestraßen stellt für Satellitenspäher wie GRACE oder dem bald startenden GOCE keine Herausforderung mehr dar. Ihre Blicke gehen tiefer und verfolgen im Team mit Forscherteams weltweit Ozeanströmungen, bestimmen Eisdicken und die Erdschwere. Ganz ohne Meuterei und Muskete.

TM, iserundschmidt 04/2008


Viele der Daten modernen Erderkundungssatelliten fließen in deutsche Geoforschungsprojekte, die unter dem Dach des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkts „Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum“ versammelt sind. Weitere Informationen zu diesen Projekten finden Sie hier.

Mehr zu Ferdinand Magellan und seiner Reise finden Sie hier.

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