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Tödlicher Quell des Lebens

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Einem wahren Bombardement aus dem All sah sich die Erde in ihrer Frühzeit ausgesetzt. Ohne diesen Meteoritenbeschuss würde unser Planet heute vollkommen anders aussehen – und Leben in seiner uns bekannten Form wäre wohl nie auf ihm entstanden.

Über zehn Kilometer im Durchmesser misst der steinerne Koloss, der auf die Erde zurast. Bei seinem Aufprall auf die mittelamerikanische Halbinsel Yucatán reißt er einen 180 Kilometer großen Krater in den Untergrund. Die enorme Sprengkraft des Einschlags verursacht eine Klimakatastrophe, weltweit blockieren aufgewirbelter Staub und Gase die Sonneneinstrahlung – ein mehrere Monate dauernder Winter kühlt die Erde deutlich ab.

Nicht wenige Experten vertreten die Auffassung, dass die Folgen dieses Einschlags vor rund 65 Millionen Jahren in direktem Zusammenhang mit dem Aussterben der Dinosaurier stehen könnte. Dieser Meinung ist auch Dr. Jan-Michael Lange: „Vermutlich befand sich die gesamte Fauna zu dieser Zeit bereits auf einem – bildlich gesprochen – absterbenden Ast. Der Chicxulub-Impakt ist dann aber möglicherweise noch der letzte Todesstoss für die Dinosaurier gewesen.“

 

Chicxulub-Krater

Im Jahr 1990 entdeckten Wissenschaftler eine 65 Millionen Jahre alte Ringstruktur von 180 Kilometern Durchmesser unter den Sedimentschichten der mexikanischern Yucatán-Halbinsel. Die Außenränder dieser Struktur – der Chicxulub-Krater – sind auf dieser Aufnahme, die sich aus regionalen Schwerefeld- und Magnetfelddaten zusammensetzt, deutlich erkennbar. (Bild: V.L. Sharpton, LPI)

Auch weniger dramatische Einschläge haben ihre Spuren auf der Erde hinterlassen. Vor knapp 15 Millionen Jahren bohrte sich im heutigen Süddeutschland ein etwa ein Kilometer großer Meteorit ins Erdreich – der 15 Kilometer große Krater im Nördlinger Ries ist noch immer deutlich in der Landschaft auszumachen. „Wir müssen annehmen, dass bei diesem Ereignis im Umkreis von hundert Kilometern sämtliches Leben ausgelöscht worden ist“, so Lange. Im 40 Kilometer entfernten Steinheim zeugt zudem ein etwa 200 Meter tiefes Becken von einem kleineren Begleiter, der vermutlich gleichzeitig mit dem Ries-Asteroiden auf die Erde aufschlug.

Sodom und Gomorrha

Über diese und andere Kollisionen von Himmelskörpern mit der Erde wird der Wissenschaftler in seinem Vortrag „Kosmische Katastrophen in der Erdgeschichte“ berichten, den er im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN-Ausstellung „Unruhige Erde“ am 4. September in Dresden halten wird. Dabei wird der Leiter der Petrographischen Sammlungen am Dresdener Museum für Mineralogie und Geologie auch auf historische Meteoritenfälle Bezug nehmen, die nach Ansicht mancher Wissenschaftler sogar der Grund für die Vernichtung der biblischen Städte Sodom und Gomorrha sein könnten.

So viele Lebewesen in der Erdgeschichte durch Meteoriteneinschläge ihr Leben verloren haben mögen – ohne das ständige Bombardement in der Entstehungsphase unseres Sonnensystems hätte es diese Kreaturen möglicherweise nie gegeben. So lassen sich zahlreiche Aminosäuren auf Meteoriten finden. Einige Experten vertreten daher die Auffassung, dass Aminosäuren erst durch Meteoriteneinschläge auf die Erde gelangt seien. „Ohne Meteoriteneinschläge kein Leben auf der Erde – zumindest keines, wie wir es kennen“, ist auch Dr. Lange überzeugt. Besonders Wasserstoff, Kohlenwasserstoff und Sauerstoff, die vermutlich in großem Umfang durch Kometenmaterial der Erde zugeführt worden seinen, hätten maßgeblich zum Aufbau der frühen Atmosphäre beigetragen, so der Wissenschaftler.
 

Kosmischer Staubsauger

Dabei steht die Häufigkeit der Einschläge der heutigen Zeit in keinem Verhältnis zu ihrer Intensität in den ersten Milliarden Erdenjahren. In der Frühphase der Erdentwicklung war der Raum zwischen den großen Planeten noch gut gefüllt mit Meteoriten und Kleinstplaneten, die im Zuge der Evolution des Sonnensystems allmählich von den großen Körpern aufgesammelt wurden. „Wir sprechen da auch vom kosmischen Staubsaugereffekt“, erklärt Lange. 

Der Theorie, dass praktisch das komplette Wasservorkommen der Erde durch Meteoriteneinschläge entstanden sei, möchte der Wissenschaftler hingegen nicht zustimmen. „Da spielt der Vulkanismus sicherlich auch eine große Rolle.“ Eine Kombination beider Phänomene könne für die heutige Form unseres Planeten verantwortlich sein: „Die formende Erdkruste ist immer wieder von den Meteoriten durchschossen worden“, so Lange. „Dadurch konnte vermehrt Magma an die Erdoberfläche gelangen, das anschließend entgaste und so zur Entstehung unserer Atmosphäre beigetragen hat.“

Und noch ein weiteres Phänomen geht mit Meteoriteneinschlägen einher: In den Kratern, die von der Kollision der Himmelskörper mit der Erde zeugen, bilden sich teilweise Faulschlämme. Aus dieser Masse kann sich über Jahrmillionen ein Stoff entwickeln, der heute begehrter und teurer denn je ist: Erdöl. Jan-Michael Lange: „Meteoriteneinschläge haben also durchaus auch einen wirtschaftlichen Nutzen.“
 

Vortrag: „Kosmische Katastrophen der Erdgeschichte“

Dr. Jan-Michael Lange berichtet über ausgewählte Meteoriteneinschläge der Erdgeschichte und ihre Auswirkungen auf die Umwelt.

Ort: Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden, Japanisches Palais, Palaisplatz 11

Zeit: Donnerstag, 4. September, 18:00 Uhr

RD, iserundschmidt 08/2008


Die Staatlich Naturhistorische Sammlung Dresden ist die achte von insgesamt zehn Stationen der Wanderausstellung "Unruhige Erde", die noch bis Sommer 2009 durch Deutschland reisen wird. Nach Dresden wird die Ausstellung noch die Städte Karlsruhe und Rostock besuchen. Weitere Informationen zur Dresdner Station der Wanderausstellung finden Sie hier.

Allgemeine Infos zur Ausstellung finden Sie auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN.

Es gibt etliche Asteroiden in den Weiten unseres Sonnensystems. Die Gefahr, dass einer von ihnen irgendwann der Erde gefährlich nahe kommen könnte, ist nicht zu unterschätzen. Viele Forschungsinstitute und die großen Raumfahrtbehörden ESA und NASA haben daher in den letzten Jahren Programme aus der Taufe gehoben, die auf die Beobachtung so genannter „Near Earth Objects“ ausgerichtet sind. Näheres zu diesen Programmen und zu den kosmischen Bomben selbst finden Sie auf den folgenden Internetseiten: NASA Ames Research Center, The Meteoritical Society, „Earth Impact Effects Program“ der Universität von Arizona, ESA-Mission Don Quijote (ESA-Zwillingsmission zu "Deep Impact"), Organisation Spaceguard, Near Earth Objekt Program der NASA

Verweise
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