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Unter Beobachtung

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Unser Bild der Erde verdanken wir unzähligen Satellitenaugen, die den Planeten seit Jahrzehnten fest im Blick haben. Was genau sie beobachten und wie dies unsere Welt verändert hat, zeigt ab morgen die Ausstellung „Die Erde im Visier“ – an einer historischen Stätte der Satellitenforschung.

Die ersten künstlichen Botschaften aus dem All schwirrten am 4. Oktober 1957 durch den Äther. Es war das Rufzeichen des allerersten Erdsatelliten „Sputnik 1“. Sein regelmäßiges Piepsen war der unüberhörbare Beweis, dass die damalige Sowjetunion soeben öffentlichkeitswirksam das Raumfahrtzeitalter eingeleitet hatte. Der Erste jenseits des Eisernen Vorhangs, der Sputniks einfache Botschaft hörte, war der Bochumer Heinz Kaminski.

Sputnik und Kaminski

Der gerade einmal einen halben Meter große Sputnik (russisch für „Begleiter, Satellit“) und der erste in Westeuropa, der sein Signal empfing und aufzeichnete, Heinz Kaminski. (Bilder: Sternwarte Bochum)

Das Signal, das der Funkamateur am 5. Oktober aufzeichnete, genügte, um den USA einen wahren „Sputnik-Schock“ zu versetzen. Die NASA wurde gegründet, amerikanische Satellitenprogramme im Eiltempo vorangetrieben, neue Raumfahrtziele gesetzt, die den Menschen später bis auf den Mond führen sollten. Und auch für Heinz Kaminski und seine mit privaten Mitteln gegründete Volkssternwarte brachte der Nachweis von Sputnik 1  große Veränderungen mit sich. Die Bochumer Sternwarte wurde weltberühmt und ab Mitte der 1960er Jahre mit Bundesmitteln unterstützt. Ein Institut für Satelliten- und Weltraumforschung wurde gegründet, eine 20 Meter messende Parabolantenne errichtet. Historische Momente der Raumfahrtgeschichte hörte man hier im O-Ton – etwa den Funkverkehr der ersten US-Mondlandung 1969.

Für eine Ausstellung, die sich mit der Geschichte und Bedeutung künstlicher Erdtrabanten beschäftigt, scheint der Ort also perfekt. Und so öffnet ab dem 17. September im Schatten der Bochumer Parabolantenne innerhalb der großen Kuppel des Radom die Wanderausstellung „Die Erde im Visier“ ihre Pforten – exakt 50 Jahre nach Gründung des Instituts für Satelliten- und Raumfahrtforschung in Bochum. Noch bis zum 15. April 2012 präsentiert die Schau, konzipiert und realisiert vom Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN, nicht nur wunderschöne Satellitenaufnahmen unseres Planeten, sondern liefert anhand etlicher interaktiver Exponate und Animationen auch wertvolle Hintergrundinformationen.

Eines wird dabei sofort deutlich: Seit Sputnik hat sich im Bereich der Satellitenbeobachtung so einiges getan. Auch wenn sich im einfachen Piepsignal des allerersten künstlichen Trabanten immerhin schon Daten zu seinem Innendruck und -temperatur versteckten, ist dies nichts im Vergleich zu den Terabyte, die moderne Satelliten erfassen und Richtung Erde schicken. Aus ihren Datensendungen gewinnen Forscher Wetterprognosen, verfolgen Eingriffe des Menschen in die Natur wie etwa Brandrodungen im Amazonas oder suchen nach Anzeichen für bevorstehende Vulkanausbrüche und Erdbeben. Und dank der Kommunikationssatelliten sind die gewonnenen Erkenntnisse auf der ganzen Welt abrufbar, im Bruchteil einer Sekunde.

Der Schwarm an künstlichen Begleitern im Orbit liefert ganz neue Einblicke in unseren Planeten. Ihr  „Blick von außen“, der normalerweise nur Astronauten vorbehalten ist, versetzt uns in die Lage, unsere Lebenswelt einmal von einem gänzlich neuen Standpunkt aus zu betrachten. Eine faszinierende Möglichkeit, mit der sich vielleicht auch das große Interesse, auf das die Ausstellung an ihren bisherigen Stationen in München und Karlsruhe stieß, erklären lässt.

TM, iserundschmidt 09/2011


Mehr Informationen zur Wanderausstellung „Die Erde im Visier“ finden Sie hier. Die Grußworte des ehemaligen deutschen Astronauten Prof. Dr. Ulrich Walter sowie der Oberbürgermeisterin der Stadt Bochum Dr. Ottilie Scholz zur feierlichen Ausstellungseröffnung am 16. September finden Sie auf der Homepage der Sternwarte Bochum.  

Die Sternwarte Bochum und das Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ) (ehemals Institut für Satelliten- und Raumfahrtforschung) sind keineswegs nur historische Stätten, sondern auch heute noch aktiv in ihrem Forschungsbereich tätig, enge Kooperationen mit Raumfahrtbehörden wie der NASA inklusive. Näheres zu den Tätigkeiten von Sternwarte und Institut finden Sie hier.

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