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Zielscheibe Erde

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Pausenlos treffen kosmische Bomben die Erde – meist ohne Folgen. Doch alle paar Millionen Jahre nimmt ein großer Brocken unseren Planeten ins Visier. Was der Einschlag von mehr als einer Gigatonne Gestein anrichten kann, davon berichtet Dr. Gisela Pösges am 2. April im Eifeler Vulkanpark.

Das Beruhigende vorweg: Einschläge dieser Größenordnung sind selten. Etwa alle eine Million Jahre gehen Meteoroiden mit mehreren hundert Metern Durchmesser auf Kollisionskurs mit der Erde. Zuletzt geschah dies im Jahr 1908: Ein Teil eines Asteroiden zerplatzte über Zentralsibirien. Ein Waldgebiet von der Größe des Saarlands wurde dabei von der Druckwelle eingeebnet – glücklicherweise ohne menschliche Opfer. Völlig anders wäre die Situation, wenn ein Himmelskörper dieser Größe auf eine belebte Metropole fallen würde. "Würde eine Großstadt wie München getroffen, wäre das natürlich eine Katastrophe mit Millionen von Todesopfern", so Dr. Gisela Pösges, stellvertretende Leiterin des Rieskrater-Museums in Nördlingen. Am Ort der schwäbischen Stadt war vor 14,5 Millionen Jahren ein etwa ein Kilometer großer Meteorit eingeschlagen.

Illustration eines Asteroidentreffers

 
Illustration eines Asteroidentreffers © DLR

Dass die Gefahr eines Einschlags realer ist, als es den Anschein haben mag, beweist der jüngste Meteoritentreffer in Peru im September vergangenen Jahres: Einen 15 Meter großen Krater hinterließ der Gesteinsbrocken bei seinem Aufprall. Gisela Pösges: "Da haben wir Glück gehabt. Da ist niemand verletzt worden, aber es muss nur mal ein Zwei-Tonnen-Stück dorthin fallen, wo sich gerade Menschen aufhalten – es gibt die Gefahr aus dem All sehr wohl!" Angesichts mehrerer Tonnen außerirdischen Staubs, die jeden Tag auf die Erde niedergehen, könne immer wieder etwas geschehen. "Wir stehen unter ständigem kosmischen Beschuss", betont Gisela Pösges.

Doch die Entwicklung von Abwehrmaßnahmen ist längst angelaufen, konzentriert wird nach Möglichkeiten zur Gefahrenabwendung geforscht. "Inzwischen haben wir die Technologie, um wirklich etwas dagegen tun zu können", berichtet Pösges: "Ich komme gerade von einer NASA-Tagung aus Houston, und meine Kollegen arbeiten sehr intensiv an solchen Szenarien." Die Wissenschaftler suchen dabei vor allem nach Wegen, Asteroide von ihrem Kurs Richtung Erde abzulenken. Dazu müsste der Himmelskörper punktgenau getroffen und eine lokale Explosion ausgelöst werden. Der dadurch an Masse erleichterte Körper würde, so die Hoffnung der Wissenschaftler, bei exakter Durchführung des Beschusses eine geringfügig andere Umlaufbahn einnehmen – genug, um die Erde zu verschonen. "Dass das möglich ist, hat schon die 'Deep Impact'-Mission bewiesen", erklärt Pösges. Im Rahmen dieser NASA-Mission des Discovery-Programms wurde im Juli 2005 ein rund 370 Kilogramm schweres Projektil auf den Kometen Tempel 1 geschossen. Die Untersuchung des dabei ausgeworfenen Materials soll zum Verständnis der Entstehung und des Aufbaus von Kometen beitragen. Ein ähnliches Verfahren könnte in Zukunft auch zur Abwehr von Meteoroiden eingesetzt werden.

Doch diese Methode hat auch ihre Grenzen, muss die Geologin eingestehen: "Die Erdbahnkreuzer, die wir kennen, bewegen sich etwa im Kilometerbereich." Würde sich aber ein Planetoid von der Größe des Zwergplaneten Ceres, der einen Durchmesser von knapp 1.000 Kilometer hat, auf die Erde zu bewegen, wären den Menschen (noch) die Hände gebunden. "Dann können wir eigentlich gar nichts mehr machen", seufzt Pösges.

Statt nur auf Katastrophenszenarien möchte die Wissenschaftlerin den Blick jedoch mehr auf die aktive Nutzung von Gesteinsvorkommen aus dem Weltall lenken. "Eine Exploration des Asteroidengürtels ist tatsächlich geplant. Wir haben da oben Körper, die aus ganz seltenen Metallen bestehen. Eines Tages, wenn auch vielleicht nicht in den nächsten 20 Jahren, wird man es möglicherweise sogar schaffen, einen Asteroiden ganz sanft auf der Erde aufsetzen zu lassen und ihn dann hier zu explorieren." Wie mit überdimensionalen Spinnenbeinen würde der Gesteinsbrocken dabei eingefangen und mit Raketendüsen auf der Erde abgesetzt. "Vieles klingt schon ein bisschen nach Science Fiction", räumt Gisela Pösges ein, "aber manches ist durchaus schon realistisch. Da gibt es ganz abgedrehte Sachen".

Neben dem Blick in die Zukunft und ihrem aktuellen Bezug fasziniert die Wissenschaftlerin an der Geologie auch die Erforschung vergangener Zeiten. "Ihr" Museum in Nördlingen befindet sich dafür an einem exponierten Ort: 25 Kilometer misst der Krater, den ein Meteorit vor knapp 14,5 Millionen Jahren durch den immensen Energieertrag seines Auftreffens im heutigen Süddeutschland hinterließ – der vermutlich aus dem Gebiet zwischen Mars und Jupiter stammende Himmelskörper traf die Schwäbisch-Fränkische Alb mit 70-facher Schallgeschwindigkeit. Unter den bekannten 180 Einschlagskratern weltweit gehört der des Nördlinger Ries zu den am best erhaltenen seiner Größenklasse.

Der kreisrunde Krater, etwa 100 bis 150 Meter tief, wird auch Thema des Vortrags sein, den Gisela Pösges am 2. April im Rahmen der vom Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN konzipierten Wanderausstellung "Unruhige Erde" im Vulkanpark im Landkreis Mayen-Koblenz halten wird. Außerdem wird die Geologin von den neuen Gesteinsformationen berichten, die sich in Folge des Einschlags im Ries bildeten, und die Frage beantworten, wieso 1970 sogar NASA-Astronauten vor ihren Apollo-Missionen ein Feldtraining im Rieskrater absolvierten.

Nördlinger Ries auf einer Luftaufnahme 


Das Nördlinger Ries auf einer Luftaufnahme. Deutlich in der unteren Bildhälfte zu erkennen ist der gewaltige Kraterrand, den der Einschlag vor 14,5 Millionen Jahren in der Erdkruste hinterließ. © Stadt Nördlingen

Inzwischen ist ein geologisches Spezialmuseum im Ries entstanden, das nach Kenntnis der Geologin "eigentlich weltweit das einzige ist, das sich so detailliert mit einer kosmischen Katastrophe beschäftigt." Videovorführungen, Texttafeln und zahlreiche Exponate wie Meteoriten, Gesteine und Fossilien geben Auskunft auf Fragen wie: "Wo kommen diese Körper her?" oder "Was passiert, wenn sie mit der Erde kollidieren?" Ein Besuch des Museums und des Rieskraters kann Gisela Pösges darüber hinaus aber auch noch aus einem ganz praktischen Grund empfehlen: "Das Ries liegt eigentlich sehr günstig, weil hier schon einmal ein Meteorit eingeschlagen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass an der gleichen Stelle noch einmal einer runtergeht, ist relativ gering."

 

Vortrag „Meteoriten – Zielscheibe Erde – Gefahren aus dem Weltall“

Dr. Gisela Pösges berichtet über Asteroide, Meteoriten, Meteore und Kometen sowie über einen der bekanntesten Meteoriten-Volltreffer der Erdgeschichte, der sich vor 14,5 Millionen Jahren in Süddeutschland ereignete. Der Eintritt ist frei.

Ort: Vulkanpark Eifel, Informationszentrum Rauschermühle Plaidt/Saffig
Zeit: Mittwoch 02. April, 19:00 Uhr

RD, iserundschmidt 03/2008


Der Vulkanpark Eifel ist die siebte Station der Wanderausstellung "Unruhige Erde", die noch bis März 2009 durch Deutschland touren wird. Weitere Informationen zur Station Vulkanpark Eifel finden Sie hier.

Mehr Informationen zur Wanderausstellung „Unruhige Erde“ finden Sie hier.

Weitere Informationen rund um die kosmischen Bomben bieten die folgenden Internetseiten: NASA Ames Research Center, The Meteoritical Society, "Earth Impact Effects Program" der University of Arizona, "Spiegel Online" zum Peru-Einschlag, ESA-Mission Don Quijote (ESA-Zwillingsmission zu "Deep Impact"), Organisation Spaceguard