Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Archiv Aus der Praxis Angebot und Nachfrage

Angebot und Nachfrage

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Forscher als Anbieter, Unternehmen als Abnehmer: Vor einem Jahr startete „Geotechmarket“ mit dem Ziel, mehr geowissenschaftliche Forschungserkenntnisse in die Anwendung zu bringen. Beraten, Wege aufzeigen, Kontakte schaffen – ist das Konzept bisher aufgegangen? Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Routenplaner für den Weg auf den Markt, Schrittmacher für die Verzahnung von Forschung und Industrie, Katalysator für den Transfer von Geo-Wissen und -Hightech in marktfähige Produkte – all diese Analogien beschreiben in treffender Weise das, was Ludwig Stroink und seine Potsdamer Kollegen im Frühjahr letzten Jahres offiziell aus der Taufe hoben. Die Geoforscher vom Koordinierungsbüro des Forschungs- und Entwicklungsprogramms GEOTECHNOLOGIEN sind die Köpfe hinter der Plattform „Geotechmarket“. Diese sollte sich eines Bereiches innerhalb der deutschen Erdsystem-Forschung annehmen, der aus Sicht der Verantwortlichen bisher zu kurz kam: dem Bereich des Technologietransfers.

Doch die Macher hatten sich nicht nur viel vorgenommen, sie hatten und haben auch einiges zu bieten. Nicht weniger als 49 laufende Projekte umfasst das Portfolio des Programms GEOTECHNOLOGIEN zurzeit – darunter etliche mit wirtschaftlichem Potenzial. Doch wie sieht es mit der Nachfrage von Seiten der Industrie aus? Über den Stand der Dinge bei Geotechmarket sprach planeterde mit Werner Dransch, einem der Gründer der Plattform. Dransch ist Geograph und Wirtschaftsexperte und innerhalb des Koordinierungsbüros für den Bereich der Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen zuständig.

planeterde: Herr Dransch, im letzten Jahr hatten wir uns schon einmal ausführlich mit Ihnen über den Start der überregionalen Handels- und Kommunikationsplattform Geotechmarket unterhalten. Daher vielleicht als Einstieg zunächst die kurze Frage: Was gibt es Neues in Sachen GeotechMarket?

Dransch: Wir können erste Erfolge vermelden. Nach einem Matching-Gespräch zwischen Wissenschaftlern und Anwendern steht nun die Unterzeichnung eines Kooperationsrahmenvertrages zwischen beiden Parteien kurz bevor. Im Ergebnis ist dies der Erfolg unserer Aktivitäten, da sich beide Parteien vorher nicht kannten und erst durch unsere Vermittlung zueinanderfanden. Der Rahmenvertrag ist mit einer Laufzeit von fünf Jahren ausgelegt. Wir werden die Verträge mit konkreten Beratungs- und Lizenzverträgen untersetzen.

planeterde: Wie sind die Reaktionen bisher auf die Plattform? Gibt es aktuelle Stimmen dazu?

Dransch: Ja, und die sind in der Regel äußerst positiv! Aus den vielen persönlichen Gesprächen mit Unternehmern können wir schließen, dass es anscheinend insbesondere Kleine- und Mittlere Unternehmen sind, die dieses Instrument der Vermittlung schätzen. In der Regel sind gerade hier die Personalkapazitäten viel zu knapp, als dass eingehende Recherchen zu technologischen Innovationen die das eigene Produktportfolio aufwerten durchgeführt werden könnten. Da kam bei dem einen oder anderen Unternehmen unser Anruf gerade recht! Nach anfänglicher Skepsis kooperieren auch Wissenschaftler erheblich effektiver mit uns. Hier werden Erfolgsbeispiele wohl für weiteren Drive sorgen.

planeterde: Zum Ablauf, also dem fünfstufigen Transferprozess: Es gibt diese fünf Schritte, die vom Labor in die Anwendung durchlaufen werden sollen. Ist dies sozusagen nur ein „Routenplaner", der eine mögliche Route vorgibt oder ein genau vorgegebener Pfad, den jedes teilnehmende Projekt genau so durchlaufen muss?

Dransch: Der „Routenplaner“ ist ein guter Begriff, denn bekanntlich führen immer mehrere Wege nach Rom. Der Transferprozess, so wie wir ihn verstehen, orientiert sich natürlich an diesen fünf Schritten, andererseits sind wir flexibel und immer offen für Anfragen und Aktionen, die kurzfristig zum Ziel führen. Von daher können Schritte auch durchaus „übersprungen“ werden.

planeterde: Der Kreislaufprozess soll mehrmals im Jahr durchlaufen werden. Wie lange kann bzw. wird ein Weg durch den Prozess denn dauern? Gibt es da Erfahrungswerte aus anderen Wirtschaftsbereichen oder kann man die Dauer eventuell anhand erster Erfahrungen abschätzen?

Dransch: Der Kreislaufprozess ist zwar ein bekanntes, in seiner Umsetzung jedoch vergleichsweise neues Verfahren. Dementsprechend liegen uns bislang natürlich erst wenige Erfahrungswerte vor. Der erste Kooperationsvertrag ist aber exakt auf dieser Grundlage zustande gekommen. Von der ersten Kontaktaufnahme Anfang November zu der oben genannten Firma über ein Matching-Gespräch vor Weihnachten bis zum Kooperationsvertrag Mitte Januar dauerte es nur acht Wochen. Der eingeschlagene Weg scheint also vielversprechend, auch wenn wir erst am Anfang stehen.

planeterde: Noch einmal zu den einzelnen Schritten des Transferprozesses: Welche Methoden und Werkzeuge stehen Ihnen hier überhaupt zur Verfügung?

Dransch: Wir setzen verschiedene Methoden und Werkzeuge ein. Beispielsweise können wir bei der „Suche nach Technologien“ auf über 750 Adressen von Geowissenschaftlern in Deutschland zugreifen, die in unserer Adressdatenbank vorgehalten werden. Diese Adressdatenbank wird demnächst zu einem CRM-System, einem Kundenbeziehungsmanagement-System erweitert, um aktuelle Themen, Technologien und Stichworte zu speichern. Für die Erstkontaktaufnahme mit Firmen nutzen wir sowohl verschiedene elektronische Pressedienste als auch Wirtschafts-Onlinedienste, um bedarfsorientiert die angebotene Technologie zu vermarkten. Beim telefonischen Erstkontakt ist es wichtig, die Firmenvertreter bedarfs- und produktorientiert anzusprechen, und damit ihr Interesse zu wecken. Und schließlich sehe ich auch unsere neue Internetplattform als wichtiges Instrument. Die Plattform richtet sich an Wissenschaftler und Unternehmer, sie wird im April freigeschaltet.

planeterde: Sind weitere „Nebeneffekte“ zu verzeichnen, die aufgrund erster Matching-Gespräche erwähnenswert sind?

Dransch: Durchaus, auch überraschenderweise, denn die Ingenieurbüros aus dem Bereich „Energie und Umwelt“, speziell der Wasser- und Abwasserbranche, haben das Potenzial der Geowissenschaftler erkannt. Nach den ersten Gesprächen sind weiterführende Themen angesprochen worden und zwar in der Form, dass auch Diskussionsforen mit Fragestellungen aus der Praxis, formuliert von den Unternehmen, von Geotechmarket organisiert werden sollten. Kompetente Geowissenschaftler nehmen an diesen Foren teil, zu erwartende Ergebnisse sind konkrete Forschungsaufträge. Die Organisation solcher Foren sehe ich auch als Geschäftsfeld von Geotechmarket, denn hier können wir neben einem angebotsorientierten Zweig einen nachfrageorientierten Zweig entwickeln. Und diese Chance, das Transfergeschäft auch von der Nachfrage- sprich Unternehmerseite zu forcieren, sollten wir nutzen.


Weitere Informationen zur Plattform Geotechmarket finden Sie hier.

TM, iserundschmidt 02/2009

Verweise
Bild(er)
Artikel