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CO2-Speicherung: Chancen und Grenzen der Akzeptanz

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.10.2013 16:59

Die Zukunft der Carbon Capture and Storage-Technologie (CCS) hängt stark von ihrer Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Wichtige Aspekte dabei sind die Sicherheit der Speicherung, aber auch die politische und gesellschaftliche Diskussion des Themas. Diese und weitere Einflussfaktoren erläutert Dr. Elisabeth Dütschke im Interview.

Beim CCS wird CO₂ aus Abgasen gefiltert und in unterirdischen Gesteinsschichten gelagert. (Bild: herby_fr, flickr.com). Bereits seit 2005 fördert das BMBF im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunktes die Erforschung und Entwicklung von Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO₂ III. Um der hohen Bedeutung der Sicherheit der Speicherung Rechnung zu tragen, kommen Monitoring-Verfahren und Langzeitkonzepten zur Überwachung der Speicher größte Bedeutung zu. Die dritte Phase der CO₂-Speicher-Forschung widmet sich daher intensiv diesem Bereich.

Ziel des Projekts CCS-Chancen ist es, die Chancen und Grenzen der Akzeptanz von CCS in Deutschland zu evaluieren. Dazu werden die öffentliche Wahrnehmung konkreter CCS-Projekte sowie die Akzeptanz verschiedener Speicheroptionen, ob auf dem Festland oder unter dem Meeresboden, und Kohlendioxidquellen (z.B. Biogas oder Kohlekraftwerke) untersucht. Welche Faktoren eine zustimmende oder ablehnende Haltung in der Bevölkerung bewirken, erklärt Dr. Elisabeth Dütschke vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) Karlsruhe im Interview. Sie koordiniert das Forschungsvorhaben CCS-Chancen.

planeterde: Wie schätzen Sie die aktuelle Stimmung zur CCS-Technologie in der Bevölkerung ein?

In der Pilotanlage in Ketzin wird das CCS-Verfahren erprobt. (Bild: Vit Hladik/Wikimedia Commons)Dr. Elisabeth Dütschke: Wir konnten im Rahmen unserer Erhebungen eine grundsätzliche Diskrepanz feststellen. In Regionen ohne Bezug zu CCS ist eher wenig Wissen um die Technologie vorhanden, dementsprechend haben die Menschen meist weder eine ausgeprägte positive noch eine negative Haltung dazu. Dagegen haben wir bei aktuellen Befragungen in Gegenden, in denen Speicherprojekte für CO₂ geplant waren, eher kritische bis ablehnende Reaktionen festgestellt. Eine Ausnahme stellt die Gegend um den Forschungsspeicher in Ketzin dar – dort gab es nie große Diskussionen oder öffentliche Proteste. Befunde aus früheren Studien weisen darauf hin, dass in Regionen, in denen eine CO₂-Abscheide-Anlage geplant ist oder existiert, der negative Effekt nicht auftritt.

planeterde: Auf welcher dieser Regionen liegt der Fokus ihrer Untersuchungen?

Dütschke: Wir beschäftigen uns am meisten mit Regionen, in denen CO₂-Speicher geplant waren, da es dort wie beschrieben die stärksten Reaktionen der Bevölkerung gibt. Die Erforschung der dortigen Akzeptanz ist am relevantesten für Aussagen über die Zukunft der CCS-Technologie. Zudem lässt sich für andere neue Technologien dazulernen.

planeterde: Welche Ursachen konnten Sie für die CCS-Skepsis in den Regionen ausmachen?

Dütschke: Auf der einen Seite haben die Menschen Ängste unterschiedlicher Art, die etwas mit der Sicherheit und Kontrollierbarkeit der Technologie zu tun haben. Sie fürchten sich etwa um ihr Trinkwasser oder dass Erdbeben ausgelöst werden könnten. Andererseits gibt es eine Unzufriedenheit über den Umgang mit der Bevölkerung. Diese Menschen haben wenig Vertrauen in die Akteure, also Politiker, Forscher und Vertreter der Energiebranche. In untergeordneter Form spielen auch private Interessen eine Rolle, etwa die Angst vor dem Wertverlust des eigenen Grundstücks.

planeterde: Und gibt es Punkte, die aus Sicht der Bevölkerung für CCS und die Speicherung sprechen?

Dütschke: Ich sitze gerade an einem Interview mit der Bewohnerin eines Speichergebietes. Bei ihr und vielen anderen zeigt sich: Die Einsicht, dass etwas mit dem CO₂ geschehen muss, ist vorhanden. Die Leute wissen schließlich, dass wir tagtäglich mehr CO₂ erzeugen und sehen ein, dass wir eine Lösung für den Umgang damit brauchen. Ein anderes Pro-Argument, das etwa auch der Bürgermeister am Forschungsstandort Ketzin aufbrachte: Mit Pilotvorhaben könnte sich internationale Aufmerksamkeit erzeugen lassen. Der Technologie rund um die Kohlenstoff-Speicherung wird also durchaus ein innovativer Charakter zugesprochen.

planeterde: Die Basis der Akzeptanzforschung zur Kohlenstoffspeicherung haben Sie in den letzten Jahren gelegt. Auf welche Fragen wird sich Ihr Projekt CCS-Chancen künftig konzentrieren?

Dütschke: Wir versuchen vor allem die Einflussfaktoren für Akzeptanz noch genauer auszuloten. In einem weiteren Schritt werden wir dazu Personen CCS-Verfahren in unterschiedlichen Varianten vorstellen - etwa die Kombination von Biomasse mit CCS im Vergleich zu der herkömmlichen Kombination der Kohlekraftwerke mit CCS. Im Anschluss wollen wir analysieren, ob die unterschiedlichen Varianten zu unterschiedlichen Beurteilungen führen.

planeterde: Frau Dr. Dütschke, vielen Dank für das Interview.


Als eines von 14 Projekten wird CCS-Chancen in der mittlerweile dritten Phase des GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunktes Erforschung und Entwicklung von Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO₂ III vom BMBF gefördert.

ES, iserundschmidt 09/2013