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CO2-Speicherung transparent machen

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:37 — abgelaufen

Die Speicherung von CO2 in porösen Gesteinsschichten könnte eine Maßnahme gegen den Treibhauseffekt sein. Das Projekt CO2Brim will helfen, mögliche Speicherstätten und ihre Risiken genauer zu charakterisieren. Gleichzeitig streben seine Akteure den Dialog mit Nicht-Experten an.

Selten gibt es Projekte innerhalb des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN, die so interdisziplinär ausgerichtet sind wie CO₂Brim. Die Kooperationspartner wollen das Thema CO₂-Speicherung auf mehrfache Weise angehen. Ziel ist es im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, weitere Kriterien für potenzielle Forschungsstandorte der CO₂-Speicherung zu erarbeiten und eventuelle Risiken besser abzuschätzen. Gleichzeitig verfolgt das Projekt einen gesellschaftlichen Ansatz. Sozialwissenschaftler wollen Methoden entwickeln, wie Bedenken und Sorgen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in den Prozess der Standortfindung einbezogen werden können.


Mit Hilfe räumlich gekoppelter Modelle werden verschiedene Kenngrößen im Nah- und Fernfeld einer CO2-Injektion berechnet (Grafiken: Melanie Darcis).

Prinzipstudie einer CO₂-Speicherung. Mit Hilfe räumlich gekoppelter Modelle werden verschiedene Kenngrößen im Nah- und Fernfeld einer CO₂-Injektion berechnet: Ausbreitung des CO₂, Druckausbreitung sowie potenzielle Spannungsänderungen und Verschiebungen im Gestein (Grafiken: Melanie Darcis).

„Unser naturwissenschaftlicher Ansatz wird komplett virtuell durchgeführt“, erläutert Prof. Holger Class vom Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung der Universität Stuttgart. Es werde kein einziges Loch für Messungen gegraben, so der Koordinator des Projektes weiter. Bei CO₂Brim geht es im Schwerpunkt um Risiken, die entstehen können, wenn CO₂ in die Erde gepresst und dadurch Salzwasser verdrängt wird. Eine Vielzahl physikalischer und chemischer Prozesse kann so ausgelöst werden. Sie sollen anhand der umfangreichen geologischen Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe errechnet werden. Die ausgeklügelten Berechnungsmodelle und Simulationen liefert das Institut der Uni Stuttgart und will sie im Verlauf des Projektes weiter verbessern. Konkret wird das Projekt Bezug auf das Norddeutsche Becken nehmen, da dort die größten Speicherpotenziale beschrieben wurden.

Essentiell für den Erfolg des Projektes ist die Arbeit der gemeinnützigen Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung, DIALOGIK, mit Sitz in Stuttgart. Sie hat umfangreiche Erfahrungen im Bereich der Risikoforschung, Risikoregulierung sowie -steuerung und erforscht unter anderem unterschiedliche Ansätze bei der Kommunikation wissenschaftlicher Sachverhalte und komplexe Methoden der Bürgerbeteiligungen. Konkret werden Mitarbeiter von DIALOGIK Versammlungen verschiedener Gruppen etwa aus Industrie und Wasserwirtschaft zur Standortfrage moderieren und auswerten. Transparenz, vertrauensbildende Gespräche und Teilhabe der Gruppen am Projektfortgang strebt CO₂Brim an.

Class hofft durch das Zusammenspiel von naturwissenschaftlich-technischen und sozialwissenschaftlichen Elementen eine austarierte Strategie für eine spätere Auswahl möglicher Speicherstätten zu entwickeln, die öffentlich akzeptiert wird. „Unser Ansatz soll Methodenvorschläge liefern, wie eine Standortwahl sinnvoll getroffen werden könnte. Diese stellen wir zur Diskussion“, betont er. Das Projekt wird voraussichtlich bis zum Jahr 2015 fortgeführt.

CP, iserundschmidt 07/2012


Das Projekt CO₂Brim ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO₂ III“. Kurzbeschreibungen der anderen Projekte dieses Kernbereichs finden Sie auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN.